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CDU : Sammle in der Zeit, dann hast du in der Not

Frau Merkel setzt auf das „C” im Parteinamen Bild: REUTERS

Sozial, sicher und grün - so gibt sich die „neue“ CDU. Die Partei, die zur letzten Wahl noch forsch auf Wachstum setzte, hat die Wachstumsverlierer entdeckt und hebt wieder ihre christlichen Grundlagen hervor. So will sie die größte deutsche Partei werden.

          Sozial, sicher und grün - so gibt sich die „neue“ CDU. Die Partei, die zur letzten Wahl noch forsch auf Wachstum setzte, hat die Wachstumsverlierer entdeckt. Die CDU will Globalisierung nicht mehr einfach hinnehmen, sondern gestalten. Sie fordert, dass die Auswirkungen der Weltwirtschaft daheim begrenzt werden müssen. Sie hält, wie so vieles andere, auch Ludwig Erhards Soziale Marktwirtschaft - das Kronjuwel der Partei - für reformbedürftig. Der Staat müsse in vielem stark sein, fordert die Union, damit er seinen Bürgern Sicherheit geben könne. Auch über das Klima solle er deshalb wachen und dazu die Wirtschaft im Zaum halten. So will es die neue CDU, um größte deutsche Partei zu werden.

          Johannes Leithäuser

          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Wo die Basis dagegen noch heimisch ist, offenbart sich an einem frischen Samstagmorgen in Bochum. Dort trifft sich der Kreisparteitag der Christlichen Demokraten im einstigen Gewerkschaftsheim. Auf der Stirnseite marschieren die Metallarbeiter noch, Gewerkschaftsfahnen schwenkend, der Zukunft entgegen - ein Schwarzweißfoto aus den siebziger Jahren, zum Plakat vergrößert. Daneben beherrscht der CDU-Kreisvorstandstisch nun die Bühne, mit Parteilogo und den orangefarbenen aktuellen CDU-Attributen. Doch das Siegesbild bürgerlichen Beharrens über geballte Arbeitermacht täuscht. Denn das aufgegebene Gewerkschaftshaus dient gegenwärtig vor allem als Altenheim - wenn auch als ein katholisches. Und die backsteinrote Marienkirche, gegenüber auf der anderen Straßenseite gelegen, ist wegen Baufälligkeit geschlossen und mit Metallgitterzäunen provisorisch abgesperrt.

          „Das christliche Menschenbild ist unser Fundament“

          Vielleicht wird die Kirche eines Tages wieder so behutsam aufgebaut wie das C der Union Deutschlands. „Das christliche Menschenbild ist unser Fundament.“ So heißt es in letzter Zeit häufig in den Reden der Bundesvorsitzenden Angela Merkel. „Aus diesem Menschenbild leiten sich unsere Grundwerte Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität ab.“ Der Bezug auf das Christliche soll wieder stärker die unterschiedlichen Ausrichtungen der Volkspartei verbinden. So war es auch in den ersten Jahrzehnten nach Gründung der Sammelpartei, als die CDU-Mitglieder aller Schichten neben ihrem Antisozialismus eigentlich nur ihr christlicher Glaube verband. Dass es so wieder werden könnte, ist kein frommer Wunsch der Pfarrerstochter Merkel, sondern folgt gründlicher Analyse der Mitgliederstruktur.

          Aufgrund einer aktuellen Mitgliederumfrage weiß die CDU genau, wer ihr angehört. Doch die Ergebnisse sollen unter Verschluss bleiben. Denn sie offenbaren, dass die Volkspartei gar nicht so sehr aus dem ganzen Volk besteht, wie sie glauben machen will. Eine Umfrage, die 25.000 Parteimitglieder erreichte und enorm rege, nämlich von jedem dritten, beantwortet wurde, brachte jetzt an den Tag, dass die Kirchenbindung der Mitglieder stark gestiegen ist. Waren es 1993 nur 38 Prozent, die eine „starke Bindung“ angaben, sind es inzwischen 50 Prozent. In den alten Ländern sind mehr als die Hälfte der Christlichen Demokraten katholisch, in den neuen evangelisch.

          Grundsatzprogramm: „Mehr Bildung für alle“

          Als weniger erfreulich empfindet die CDU-Führung jedoch, was sie sonst noch über ihren Unterbau erfuhr. Wie eh und je ist sie zu drei Vierteln eine männliche Partei. Nur 25 Prozent der Mitglieder sind Frauen. Darauf reagierte die CDU vor drei Wochen mit dem Start der Kampagne „Frauen gewinnen!“ Die Partei ist zudem strukturell vergreist. 68 Prozent der Mitglieder sind über 50 Jahre alt, davon ein Drittel sogar über 70 Jahre. Gerade einmal fünf Prozent sind jünger als 30 Jahre. Deshalb ist das Thema Ökologie ganz wichtig geworden. Die Bundeskanzlerin suchte ihren „Erfolg von Heiligendamm“ allein schon im Parteiinteresse. Denn andere Umfragen ergaben, dass die jüngeren Wähler in Deutschland, besonders Frauen, eine gesunde Umwelt für das Wichtigste überhaupt halten und daher häufig die Grünen wählten. Ökonomie und Ökologie seien zu verbinden, sagt Frau Merkel. „Die Schöpfung und das Leben bewahren“ lautet die Parteiformel dazu, welche Christen, Frauen und Umweltfreunde gleichermaßen ansprechen soll.

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