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CDU-Regionalkonferenzen : Kein Heimvorteil im Entscheidungsland?

Kontrahenten: Annegret Kramp-Karrenbauer mit Jens Spahn und Friedrich Merz (v.r.) Bild: AP

In Düsseldorf stellen sich Annegret Kramp-Karrenbauer, Friedrich Merz und Jens Spahn am Abend bei der größten der acht Regionalonferenzen der CDU-Basis. Können Merz und Spahn sich in ihrem Stammland von AKK absetzen?

  • -Aktualisiert am

          Es wird die größte Regionalkonferenz sein, auf der die drei aussichtsreichen Kandidaten um den CDU-Bundesvorsitz sich am Mittwochabend von 18 Uhr an in Düsseldorf präsentieren. Rund 4000 Teilnehmer haben sich zu der Veranstaltung mit CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer, Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und dem früheren Vorsitzenden der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Friedrich Merz angemeldet.

          Reiner Burger

          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

          So enorm ist das Interesse, dass die CDU-Bundeszentrale die Regionalkonferenz in eine große Messehalle verlegte. Für das Kandidatentrio ist Düsseldorf eine besonders wichtige Station auf der Bewerbungstour durch Deutschland. Denn rund ein Drittel der 1001 Delegierten, die kommende Woche beim CDU-Bundesparteitag in Hamburg über den Nachfolger oder die Nachfolgerin der scheidenden Bundesvorsitzenden Angela Merkel entscheiden, kommt aus Nordrhein-Westfalen. Das bevölkerungsreichste Bundesland stellt also mehr Delegierte als Hessen (88), Schleswig-Holstein (47) und alle sechs ostdeutschen Bundesländer (133) zusammen. Zudem stammen zwei der drei Kandidaten aus Nordrhein-Westfalen: Friedrich Merz und Jens Spahn. Schon deshalb hat der größte Landesverband der CDU keine Empfehlung abgegeben. Hinzu kommt, dass die ehemalige saarländische Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer bei den CDU-Funktionären in den nordrhein-westfälischen Parteibezirken viele Unterstützer hat.

          Anfang der Woche ergab eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Menefectum im Auftrag der „Rheinischen Post“, dass weder Merz noch Spahn in ihrem Heimatland einen Heimvorteil haben. Erhoben wurde allerdings nicht die Einschätzung der CDU-Mitglieder, sondern die Stimmung in der gesamten Bevölkerung. Demnach wünschen sich 39 Prozent der Bürger Kramp-Karrenbauer als Nachfolgerin von Angela Merkel als CDU-Vorsitzende; 34 Prozent sprechen sich für den aus dem Sauerland stammenden Merz aus, 13 Prozent für den aus dem Münsterland stammenden Spahn. Zugleich könnten sich 35 Prozent der Befragten aber vorstellen, dass die CDU mit Merz für sie „wieder wählbarer“ würde, bei Kramp-Karrenbauer sagen das 32 Prozent, deutlich abgeschlagen ist auch hier Spahn mit zwölf Prozent.

          Vor der Regionalkonferenz in Düsseldorf äußerten sich alle drei Kandidaten ausführlich in Interviews und Beiträgen. Merz zeigte sich in den Zeitungen der Funke Mediengruppe optimistisch, das Rennen für sich zu entscheiden. „Ich habe nicht nur die Absicht, sondern auch die feste Überzeugung, dass ich zum CDU-Vorsitzenden gewählt werde“, sagte er. Nach seiner Wahl werde er als allererstes „ein Gespräch mit Angela Merkel führen, und zwar ausführlich und vertraulich“.

          Das Verhältnis der beiden gilt als schwer belastet, seit Merz Merkel 2002 im Ringen um den Vorsitz der Union-Bundestagsfraktion unterlag. Merkel hat angekündigt, nach ihrem Ausscheiden als Parteivorsitzende das Amt der Bundeskanzerlin behalten zu wollen. In einem Gastbeitrag für die F.A.Z. schrieb Merz, die CDU stehe vor einer tiefen Zäsur, wenn die Partei am 7. Dezember „das Amt der Vorsitzenden, das Angela Merkel über 18 Jahre lang aus geübt hat, in neue Hände“ lege. „Die Wahl gibt nicht nur Anlass, dankbar zurückzublicken; sie ist auch eine Chance, die Frage zu beantworten, ob wir den Willen und die Kraft besitzen, in Deutschland die bestimmende Volkspartei der Mitte zu blieben.“ Um Volkspartei zu blieben, müsse sich die CDU künftig wieder mehr auch unbequemen Fragen stellen. „Die Klarheit der Positionen der CDU hat gelitten. Und deshalb brauchen wir mehr offene Debatten und eindeutige Standpunkte“, schrieb Merz in der F.A.Z. und nannte als Themen unter anderem Rente, Pflege, aber auch „Befürchtungen in der Bevölkerung um einen Verlust der eigenen Identität“.

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