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CDU-Regionalkonferenz : Gezielte Spitzen im Nebel der Nettigkeiten

Es ist die erste Regionalkonferenz, auf der sich Kramp-Karrenbauer, Merz und Spahn den Mitgliedern ihrer Partei präsentieren. Bild: dpa

Stimmungstest für die potentiellen Merkel-Nachfolger an der CDU-Basis: Merz trifft nur einmal nicht den richtigen Ton, Kramp-Karrenbauer gibt sich bestimmt, Spahn tritt als Erneuerer auf – und jeder setzt ein paar gezielte Spitzen.

          Der vierte Kandidat kommt an diesem Abend für alle überraschend. Seit zwei Stunden schon präsentieren sich Annegret Kramp-Karrenbauer, Friedrich Merz und Jens Spahn den CDU-Mitgliedern in der Lübecker Kulturwerft, da ergreift er das Mikrofon. Er sagt, alle redeten immer nur von drei Kandidaten für den Parteivorsitz. „Ist ihnen bewusst, dass es noch mehr Kandidaten gibt?“ Er sei nämlich einer. Momente der Irritation folgen. Der unbekannte Kandidat nutzt sie um zu sagen, dass er mit der Bundesregierung nicht einverstanden sei. Er wird von der Moderatorin aufgefordert, eine Frage zu stellen. Er versucht es gleich mit zweien. Ein paar Buh-Rufe, ein paar Pfiffe. Doch auch das kann der betont guten Stimmung an diesem Abend keinen Abbruch mehr tun. Die Partei sieht sich in einer ausgesprochen guten Lage: die Wahl zu haben.

          Matthias Wyssuwa

          Politischer Korrespondent für Norddeutschland und Skandinavien mit Sitz in Hamburg.

          Es ist die erste Regionalkonferenz, auf der sich Kramp-Karrenbauer, Merz und Spahn den Mitgliedern ihrer Partei präsentieren. Es sind bislang die drei einzigen Kandidaten, die auch nominiert worden sind von Gliederungen der Partei. Nach Lübeck gekommen sind die Mitglieder aus den Landesverbänden von Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein. Gut 800 sollen es sein. Alle Stühle sind besetzt, die Gänge proppevoll, und die Begeisterung groß. Die Partei berauscht sich daran, dass vieles möglich ist. Dass nicht klar ist, was kommt in den nächsten Wochen. Und wer dann führt. Aus den Verbänden hört man viel über diesen Zauber, bekannte Köpfe der CDU im Norden halten sich zurück mit Empfehlungen, um diesen nicht zu beenden. So wird es erzählt. Es ist aber sicher auch ein Zeichen dafür, dass niemand zu sagen vermag, wer am Ende das Rennen macht. Wenn man nach dem Applaus bei der Vorstellung der Kandidaten geht, kann man aber zumindest sagen, wer abgeschlagen ist: Bei Jens Spahn hält sich die Begeisterung doch in enger gesteckten Grenzen.

          Die Nummer eins an diesem Abend ist Kramp-Karrenbauer, sie hat diese Nummer gezogen und darf sich deshalb als erste vorstellen. Kramp-Karrenbauer schlägt jenen Ton an, den sie selbst schon bei der Präsentation ihrer Kandidatur in Berlin vorgegeben hat: freundlich und bestimmt. Man wolle keinen Wahlkampf gegeneinander führen, sagt sie. Und doch versteht sie es, durch den Nebel der Nettigkeiten gezielte Spitzen zu setzen. Sie verweist auf ihre Regierungserfahrung, und darauf, dass sie weiß, wie man Wahlen gewinnt. Im Gegensatz zu den anderen beiden, muss sie gar nichts sagen. Das wissen alle. Sie lobt die „selbstbestimmte“ Entscheidung von Angela Merkel, nicht mehr für den Vorsitz zu kandidieren, und schafft dann wieder Distanz, als sie über den Spätsommer 2015 spricht. Viele Menschen hätten seitdem Zweifel, ob die CDU noch die Partei der inneren Sicherheit sei. Die Diskussion über diese Zeit aber dürfe die Partei nicht lähmen, es dürfe nicht aus der Union machen, was Hartz IV aus der SPD gemacht habe. Im Frühjahr will sie in der Partei klären, wie man den Spätsommer 2015 bewerte. Sie sagt nicht: „Wir schaffen das.“ Sie sagt: „Wir dürfen nicht bang sein.“

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