https://www.faz.net/-gpf-6l8mm

CDU-Parteitag : „Kein Lackmustest für Konservatismus“

  • Aktualisiert am

Bild: dpa

Unmittelbar vor der Debatte auf dem CDU-Parteitag über die Präimplantationsdiagnostik hat sich mit Wolfgang Schäuble ein weiterer Minister für eine begrenzte Zulassung der gentechnischen Untersuchungen an Embryonen ausgesprochen. Ähnlich argumentiert Hessens Ministerpräsident Bouffier.

          2 Min.

          Die CDU bleibt in der Debatte über eine begrenzte Zulassung der Präimplantationsdiagnostik (PID) gespalten. Unmittelbar vor einer Debatte auf dem Parteitag in Karlsruhe an diesem Montag wurde bekannt, dass auch Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble wie seine Kabinettskolleginnen Ursula von der Leyen und Kristina Schröder (alle CDU) für eine begrenzte Zulassung der Untersuchungen an Embryonen eintritt.

          Damit vertreten drei Kabinettsmitglieder eine abweichende Position zu Bundeskanzlerin Angela Merkel. Auch Unions-Fraktionschef Volker Kauder und Bundesforschungsministerin Annette Schavan sind Gegner einer Zulassung der PID. Wie der Intenetdienst „Welt online“ meldete, hat Schäuble einen Antrag für den Parteitag unterzeichnet, der die Zulassung der PID fordert, wenn Eltern fürchten, Kinder mit Erbkrankheiten zur Welt zu bringen.

          Bisher heißt es im gerade erst drei Jahre alten Grundsatzprogramm der CDU: „Wir streben ein Verbot der Präimplantationsdiagnostik an.“ Der Parteitag berät jedoch ohne Empfehlung der Antragskommission Anträge, die auf drei Alternativen hinauslaufen: ein Verbot der PID, eine eng begrenzte Zulassung oder keine Entscheidung.

          Bouffier zeigt Verständnis für PID-Befürworter

          Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier sieht in der Debatte über die PID auf dem Bundesparteitag keinen „Lackmustest“ für Konservatismus. Viele seien gegen die Untersuchung, weil nicht absehbar sei, wohin eine Zulassung führe, sagte Bouffier am Morgen im ZDF. Es gebe aber auch Akzeptanz für Betroffene. „Ich finde, es kann einer Partei guttun, wenn sie zeigt, dass sie hier um einen Weg ringt.“

          Die CDU sei zwar die „natürliche Heimat für Konservative“, sagte Bouffier, der auf dem Parteitag für den stellvertretenden Parteivorsitz kandidiert. Darauf allein ließe sich die Partei jedoch nicht reduzieren. „Viele in unserer Bevölkerung suchen doch einen Faden. Sie suchen Orientierung in einer Politik, die sie zum Teil nicht verstehen“, sagte Bouffier. Diese Orientierung müsse die CDU geben.

          Bei der Präimplantationsdiagnostik werden im Reagenzglas erzeugte Embryonen vor ihrer Einpflanzung in den Mutterleib gentechnisch untersucht, um sie bei Erbschädigungen auszusortieren. Mit der Methode können aber auch das Geschlecht und weitere Merkmale von Embryonen bestimmt werden. Eine Neuregelung zur PID steht an, weil der Bundesgerichtshof im Juli das bisherige Verbot gekippt hatte.

          Im Deutschlandradio Kultur sprach sich an diesem Montag auch die Kölner Bundestagsabgeordnete Ursula Heinen (CDU) für eine begrenzte PID-Zulassung aus. Es gehe um einen „Akt der Menschlichkeit“. Die Diagnostik sei eine „ganz wichtige Sache“ für Paare, die sich nichts sehnlicher wünschten als ein Kind, aber um schwere Erbkrankrankheiten wüssten.

          Zollitsch erinnert CDU an Lebensschutz

          Der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch hat die CDU vor Beginn ihres Parteitages an den Lebensschutz erinnert. Die Politiker müssten für die Würde der Menschen einstehen, „die jedem einzelnen Menschen vom Augenblick der Verschmelzung von Ei- und Samenzelle in gleicher Weise zukommt und nicht abgestuft werden kann“, sagte er an diesem Montag in einem ökumenischen Gottesdienst in der Stadtkirche.

          Die Katholische Kirche lehnt die PID ab. Sie befürchtet, dass durch dieses Verfahren Embryonen mit Behinderung aussortiert und vernichtet werden könnten. Zudem werde damit das Tor geöffnet, dass Eltern und Ärzte künftig Babies nach ihren Vorstellungen designen könnten. Zollitsch verwies auf den früheren Papst Johannes Paul II., der immer wieder von einer „Kultur des Lebens“ gesprochen habe. Dazu gehöre ebenfalls, die Integration von Ausländern zu fördern. Außerdem müssten sich die Politiker bemühen, „dass auch die Armen unter uns ein menschenwürdiges Leben führen können“.

          Weitere Themen

          Amerikas Konservative bekommen Angst

          Delta-Variante : Amerikas Konservative bekommen Angst

          In den Vereinigten Staaten haben viele konservative Politiker und Moderatoren eine Corona-Impfung für unnötig erklärt. Die rapide steigenden Infektionszahlen durch die Delta-Variante scheinen zu einem Umdenken zu führen.

          Topmeldungen

          Impfgegner demonstrieren im Mai diesen Jahres in Concord im Bundesstaat New Hampshire.

          Delta-Variante : Amerikas Konservative bekommen Angst

          In den Vereinigten Staaten haben viele konservative Politiker und Moderatoren eine Corona-Impfung für unnötig erklärt. Die rapide steigenden Infektionszahlen durch die Delta-Variante scheinen zu einem Umdenken zu führen.
          2,50 Meter hoch, etwa 2,30 Meter breit: So sieht sie aus, die Zelle des Sports

          Lost in Translation (3) : Zelle des Sports

          Einmal live zugeschaut bei den Könnern in Tokio, schon zuckt der Leib. Corona sitzt im Nacken. Doch auch in der Zelle ist Sport möglich. Selbst wenn bei Liegestützen die Ellbogen an der Wand scheuern.
          Medaillen bitte, wir sind Briten: Adam Peaty stürzt sich in die Fluten

          Schwimmen bei Olympia : Rule Britannia

          Adam Peaty macht die Schotten hoch: Tom Dean gewinnt als erster Brite seit Henry Taylor 1908 Freistil-Gold. Und Duncan Scott legt noch Silber dazu. Team GB surft auf einer Erfolgswelle.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.