https://www.faz.net/-gpf-9tmdv
Jasper von Altenbockum (kum.)

CDU-Parteitag : Die Zeit nach der Groko hat schon begonnen

Annegret-Kramp-Karrenbauer redet auf dem Leipziger CDU-Parteitag. Bild: EPA

Annegret Kramp-Karrenbauer lässt in ihrer Rede die Ära Merkel hinter sich liegen und stellt dem Parteitag die Vertrauensfrage. Niemand will in Leipzig dazu Nein sagen.

          1 Min.

          Hat für die CDU die Zeit nach der großen Koalition schon begonnen? Die Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer schwor die Partei in ihrer Rede darauf ein. Nebenbei bedeutete das: Diese Rede war keine Abrechnung mit der Ära Merkel, aber doch eine deutliche Distanzierung. Das gipfelte in dem Satz, sie wolle nicht die Vorsitzende eines Reparaturbetriebs sein, sondern die einer Zukunftswerkstatt.

          Wonach die Delegierten durchaus dürsteten. Denn den größten Applaus bekam Kramp-Karrenbauer für ihre Schüsse gegen die größten Kritiker der Ära Merkel, die „Werte-Union“ und, ohne seinen Namen zu nennen, Friedrich Merz. Womit wolle die Partei denn Wahlkampf machen, so ihre rhetorische Frage, wenn sie die vergangenen 14 Jahre Regierungszeit für einen einzigen Misserfolg erkläre?

          Ja, womit? Die Parteivorsitzende sah in so gut wie allen Politikfeldern ein Zuwenig, ein Zuspät, eine falsche Richtung. Merkel wurde im Laufe dieser Rede immer kleiner, Kramp-Karrenbauer immer größer. Am Ende wollte sie ihre Rede so interpretiert sehen, das sei ihr Plan für Deutschland. Das konnte nur heißen: Hier steht jemand, der an der Regierungsspitze stehen will. Nicht jetzt schon, aber eines nicht ganz so fernen Tages.   

          Kramp-Karrenbauer münzte den Parteitag schließlich gar zur Vertrauensfrage um: Wenn das alles nicht gewünscht sei, was sie sich für das Land und die CDU vorgenommen habe, dann möge man „es“ doch „beenden“. Jedem musste klar sein, was das bedeutet: Eine ganz andere CDU, dann aber ohne Kramp-Karrenbauer. Da das niemand will, hat sie ihren Kritikern gleich zu Beginn des Parteitags gezeigt, wo „es“ lang geht.

          Jasper von Altenbockum
          Verantwortlicher Redakteur für Innenpolitik.

          Weitere Themen

          Wie viel Druck auf Impfmuffel ist erlaubt?

          Corona-Impfungen : Wie viel Druck auf Impfmuffel ist erlaubt?

          Deutschland steuert auf eine vierte Welle zu. Um die Infektionszahlen niedrig zu halten, müssten sich mehr Menschen impfen lassen. Politiker und Fachleute ringen weiter darum, wie sehr man die Bevölkerung unter Druck setzen darf.

          Nichtgeimpfte sollen Tests künftig selbst zahlen Video-Seite öffnen

          Scholz : Nichtgeimpfte sollen Tests künftig selbst zahlen

          SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz spricht sich in der Gesprächsreihe „Brigitte Live“ für Tests für Reiserückkehrer aus. Dabei betont er auch, dass freiwillig Nichtgeimpfte ihre Tests „dann irgendwann selber zahlen müssen.“

          Topmeldungen

          Impfen in einer Hausarztpraxis in Hessen

          Corona-Impfungen : Wie viel Druck auf Impfmuffel ist erlaubt?

          Deutschland steuert auf eine vierte Welle zu. Um die Infektionszahlen niedrig zu halten, müssten sich mehr Menschen impfen lassen. Politiker und Fachleute ringen weiter darum, wie sehr man die Bevölkerung unter Druck setzen darf.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.