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Waldgipfel in Kiel : Wo sollen all die Bäume hin?

Schon im Jahr 2007 bohrte eine Maschine Löcher in den schleswig-holsteinischen Waldboden, um Buchen anzupflanzen. Bild: dpa

Auch in Schleswig-Holstein macht man sich Sorgen um den Wald, wovon bisher allerdings kaum etwas zu sehen ist. Die CDU hat deshalb zu einem Gipfel geladen – und ausgerechnet den grünen Koalitionspartner verärgert.

          Es ist nicht so, dass man in Schleswig-Holstein vor lauter Bäumen den Wald nicht sieht. Es fehlt vielmehr an Wald. Nur elf Prozent der Landesfläche sind bewaldet, das ist der geringste Anteil aller Flächenländer. Neu ist das nicht. Aber in Zeiten, da viel von der Klimapolitik und den Wäldern die Rede ist, von großer Not und großen Zielen, hat die CDU-Fraktion im Norden zum Waldgipfel geladen. Sie will Bäume pflanzen – etwa 75 Millionen sollen es sein. Aber so einfach ist das nicht. Denn es gilt nicht nur zu klären, welche Bäume es sein sollen und wer sie bezahlt – sondern: wo sie hinsollen. Und da dürfte es mit dem grünen Koalitionspartner schnell heikel werden.

          Matthias Wyssuwa

          Politischer Korrespondent für Norddeutschland und Skandinavien mit Sitz in Hamburg.

          Schon alt ist das Ziel im Norden, die Waldfläche auf zwölf Prozent zu erhöhen. Auch im Koalitionsvertrag von CDU, Grünen und FDP steht es. Die Forstpolitik solle „Nachhaltigkeit akzentuieren“, insbesondere die Interessen des Klimaschutzes, der Biodiversität, der Klimaanpassung und des Naturschutzes in Ausgleich bringen. Das macht es nicht gerade leicht, Flächen für neue Bäume zu finden – ganz abgesehen davon, dass auch noch Flächen für neue Windräder gesucht werden.

          Auf das Zwölf-Prozent-Ziel berief sich Tobias Koch, der Fraktionsvorsitzende der CDU, als er zu dem Gipfel in den Landtag einlud. Er wolle eine „konzertierte Aktion“ von Land, Kommunen, Waldbesitzern, Verbänden und Stiftungen initiieren, damit das Ziel in den nächsten zehn Jahren erreicht werde. Zur Bekämpfung des Klimawandels bedürfe es konkreter Maßnahmen und keiner Symbolpolitik.

          Beim Koalitionspartner von den Grünen hielt sich die Begeisterung in Grenzen. Sie waren nicht vorab informiert worden und stellen doch den zuständigen Minister für Umwelt und Landwirtschaft, Jan Philipp Albrecht. Die Opposition nahm das für ihre Kritik gerne auf: Anscheinend traue die CDU es dem Minister nicht zu, für Wald und Klima geeignete Maßnahmen zu ergreifen, sagte die umweltpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, Sandra Redmann.

          Viel Küste, wenig Wald: Jan Philipp Albrecht, Minister für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt, Natur und Digitalisierung in Schleswig-Holstein, bei einer Wattwanderung von Dagebüll auf die Hallig Langeness

          Wie schwierig es ist, mehr als nur Symbolpolitik zu machen, dürften der CDU schon die Reaktionen der Verbände und Stiftungen gezeigt haben, die vor dem Gipfel klargemacht hatten, was alles nicht geht. So beklagte sich der Naturschutzbund, man könne nicht von vornherein Ackerflächen für die Schaffung neuer Wälder ausschließen und dafür Grünlandflächen, etwa Weiden, in den Blick nehmen. Und der Bauernverband warnte davor, Ackerflächen im großen Stil aufzuforsten. Am Mittwoch saßen dann alle zusammen im Casino des Landtages, um darüber zu diskutieren. Auch das Umweltministerium hatte einen Vertreter geschickt.

          So viel gab es jedenfalls zu diskutieren, dass der dritte Tagesordnungspunkt kaum zur Sprache kam: welche Bäume und Waldarten man denn wolle. Stattdessen ging es um die Finanzierung der Aufforstung, wo man auf privates Geld setzt, aber auch auf Berlin. Da hat Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) für Ende September zu einem Waldgipfel geladen, und auch wenn es dabei um die Wiederaufforstung geschundener Wälder gehen soll, setzt Koch darauf, dass auch für die Neuaufforstung etwas abfallen könnte. Zum anderen ging es um die Flächen. Bis zu 15.000 Hektar braucht es, Koch sprach von einem sehr ambitionierten Ziel. „Wir dürfen nichts von vornherein ausschließen.“

          Wohin also mit den Bäumen? Die Ideen reichen von Alleen über die Aufforstung alter Industrieflächen bis hin zu Randstreifen an Gewässern oder landwirtschaftlichen Flächen, die schwer zu bewirtschaften sind. Ob das ausreicht, ist fraglich. Die Grünen bleiben skeptisch. Grundsätzlich sei es zu begrüßen, dass mehr Bäume gepflanzt würden, äußerte die umweltpolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion, Marlies Fritzen. Es sei jedoch grotesk zu glauben, man müsse nur ein paar Bäume pflanzen, und dann sei man das Problem mit dem Klimawandel los.

          Umweltminister Albrecht äußerte: „Ein Gipfel genügt, wie erwartet, nicht, um den Wald zu retten.“ Es sei aber ein gutes Format, um alle Beteiligten an einen Tisch zu bringen. Man brauche einen offenen Findungsprozess, auf welchen Flächen aufgeforstet werden könne. „Hierfür ist vorrangig auch die Bereitschaft von Grundbesitzern, Flächen zur Verfügung zu stellen, entscheidend.“ Die CDU will jetzt erst einmal eine Karte anlegen lassen, welche Flächen es genau gibt und welche in Frage kommen. Dann will man sich wieder treffen. Entscheidend sei, sagte Koch, was am Ende dabei herauskomme.

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