https://www.faz.net/-gpf-705o2

CDU in NRW : Ein Stolperstart ins Rettungsmanöver

  • -Aktualisiert am

Doppelspitze als Notlösung: Armin Laschet (l.) steht für den großstädtischen Teil der Partei, Karl-Josef Laumann für den eher rustikalen Bild: dapd

Die CDU in Nordrhein-Westfalen liegt nach den Wahlen am Boden. Zwei Männer sollen sie wieder aufrichten. Rosig sind deren Aussichten nicht.

          8 Min.

          Oliver Wittke steht auf der Dachterrasse der CDU-Zentrale in Düsseldorf. Gute Gegend, teure Innenstadtlage, nah an einem hübschen kleinen Stadtpark. Würde Wittke sich umdrehen, könnte er eine große Baustelle sehen. Ein Loch, ja fast ein Krater tut sich hinter dem Mann auf, der noch Generalsekretär des größten CDU-Landesverbandes ist. Hier soll Neues entstehen, schicke Wohnungen für wohlhabendes Düsseldorfer Bürgertum. CDU-Klientel, grundsätzlich.

          Eckart Lohse

          Leiter der Parlamentsredaktion in Berlin.

          Bei der Landtagswahl vor zwei Wochen hat die CDU gut 26 Prozent der Stimmen bekommen. Die Ära Rüttgers, die Zeit des Mannes also, der als einziger seit Jahrzehnten die CDU in Nordrhein-Westfalen an die Macht gebracht hatte, ist endgültig vorbei. So unterschiedlich die Partei im Einzelnen auf die schwere Wahlniederlage reagiert, so einig sind sich alle in einem: Es ist eine Katastrophe, deren Auswirkungen noch nicht vollauf zu erkennen sind. Aber doch schon ziemlich gut. Sie reichen von ganz unten bis ganz nach oben.

          Da ist die Angst, dass die CDU ihre Basis verliert, ihre Stadträte, Bürgermeister, Kreistagsabgeordneten. Es kommt die Befürchtung hinzu, dass das Amt des Ministerpräsidenten nicht nur für fünf Jahre, sondern vielleicht gleich für zehn in unerreichbare Ferne gerückt ist. Und da ist noch etwas: Die nordrhein-westfälische CDU sammelt seit sechs Jahrzehnten durchschnittlich etwa zwanzig Prozent aller Unionsstimmen bei den Bundestagswahlen ein, so viele wie sonst nur noch die CSU in Bayern. Wenn Nordrhein-Westfalen bei der Wahl im nächsten Jahr nicht mehr genug Stimmen bringt, dann wird es für Kanzlerin Merkel verdammt eng.

          Der Mann aus Aachen

          Wittke steht also am Donnerstagabend gegen Viertel vor Neun auf der Dachterrasse, die Sonne des herrlichen Mai-Tages wärmt noch. Er schaut herab auf eine andere Terrasse, auf der die beiden Männer stehen, die es richten wollen, die zumindest in der Stunde der Verzweiflung dafür sorgen sollen, dass alles nicht noch schlimmer wird. Armin Laschet steht rechts, Karl-Josef Laumann zu seiner Linken. Der kleiner gewachsene Laschet, der Mann aus Aachen, der mal Integrationsminister des Landes war und seine Parteifreunde bisweilen mit Gastbeiträgen in türkischen Zeitungen nervt, ist der elegantere, der den großstädtischen Teil der CDU vertritt. Laumann, der Sozialpolitiker aus dem Münsterland, ist eine mächtige Erscheinung.

          Etwas eigenwillig hat er ein rot-weiß gestreiftes Hemd mit einer hellblauen Krawatte und einem dunklen Jackett kombiniert. Es werde schwerfallen, zwischen ihnen beiden einen Schönheitswettbewerb auszurufen, weil die Unterschiede so groß seien, sagt Laumann und meint damit wohl am wenigsten die Kleidung. In der dreieinhalb Stunden währenden Sitzung des Landesvorstands hatte er eine andere Formulierung gewählt, wie Sitzungsteilnehmer berichten: Wenn wir untergehen, gehen wir gemeinsam unter.

          Weitere Themen

          Unglaublich

          Fraktur : Unglaublich

          Markus Söder hat gesagt, sein Platz sei in Bayern. Kommt er da nochmal raus?

          Topmeldungen

          Bewohner des dicht besiedelten Viertels Hillbrow in Johannesburg, Südafrika

          Bevölkerungswachstum : Afrikas demographisches Dilemma

          Bis zum Ende des Jahrhunderts leben elf Milliarden Menschen auf der Erde. Vor allem in Afrika steigt die Zahl. Was bedeutet das für den Kontinent und seinen Nachbarn Europa – auch im Hinblick auf das Coronavirus?
          Canal d’amour: In der romantisch wirkenden Felsbucht auf Korfu ist noch Platz für Gäste.

          Tourismus im Corona-Sommer : Die Schicksalssaison

          Volle deutsche Küstenorte, aber leere Stadthotels und gekürzte Flugpläne ans Mittelmeer – im Sommer nach dem Corona-Stillstand erholt sich der Tourismus nur mancherorts. Ein Überblick.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.