https://www.faz.net/-gpf-9lke1

CDU-Generalsekretär Ziemiak : In Amt und Bürden

  • -Aktualisiert am

Noch unsicher in seiner neuen Rolle: Bei einem Schlagabtausch im Bundestag wirkt Ziemiak, der seine Parteivorsitzende gegen Kritik aus der Linkspartei verteidigen muss, etwas unentschlossen. Bild: EPA

Als Vorsitzender der Jungen Union war Paul Ziemiak der Stachel im Fleisch seiner Mutterpartei – mit seiner neuen Rolle als CDU-Generalsekretär aber tut er sich schwer.

          6 Min.

          Kürzlich, Ende März, sagte Paul Ziemiak fünfmal hintereinander „Na ja“. Das ist nicht verboten. Bei einem Schlagabtausch im Bundestag wirkt es für einen CDU-Generalsekretär, der seine Parteivorsitzende gegen Kritik aus der Linkspartei verteidigen muss, aber etwas unentschlossen. Um es vorsichtig zu formulieren. Der Linken-Abgeordnete Stefan Liebich hatte Ziemiak mit einer Aussage von Annegret Kramp-Karrenbauer konfrontiert. Die ist zwar nicht Bundestagsabgeordnete, wohl aber Ziemiak, wenn auch in der ersten Wahlperiode. Liebich nutzte also die Bühne des Parlaments, um den Abgeordneten Ziemiak in seiner Funktion als Generalsekretär zur Verteidigung seiner Chefin in der CDU zu zwingen. Das ist Ziemiaks neuer Job.

          Eckart Lohse

          Leiter der Parlamentsredaktion in Berlin.

          Kramp-Karrenbauer hatte einige Tage zuvor gesagt, dass vor allem Kriminelle die Reisefreiheit im Schengen-Raum zu nutzen wüssten. Ziemiak gab sich selbstbewusst, analysierte, die anderen Parteien ärgerten sich, dass Kramp-Karrenbauer etwas gesagt habe, das „auf unser Konto einzahlt“. Als zunehmend Unruhe entstand und Liebich selbstzufrieden grinste, lud Ziemiak ihn ein, in der CDU-Zentrale, dem Konrad-Adenauer-Haus, weiter mit ihm zu diskutieren. „Ich bin zwar jung“, sagte der 33 Jahre alte Ziemiak, „und neu im Amt und habe noch nicht so viel Erfahrung als Generalsekretär“. Für eine gute Kampagne könne er jedoch den ein oder anderen Ratschlag geben. Das Geplänkel ging noch etwas hin und her, dann kam die Na-ja-Szene. Kurz darauf wurde ihm aus dem Bundestagspräsidium angedroht, sein Mikrofon werde abgestellt, weil er das Zeitbudget überschritten habe. Das auf Facebook veröffentlichte Video, auf dem die Sequenz zu sehen ist, trägt den Titel: „CDU-Generalsekretär redet sich um Kopf und Kragen“. Selbst wenn Kopf und Kragen drangeblieben sind: Souverän sieht anders aus.

          Testen Sie unsere Angebote.
          Jetzt weiterlesen.

          Testen Sie unsere Angebote.
          F.A.Z. PLUS:

            FAZ.NET komplett

          F.A.Z. PLUS:

            Sonntagszeitung plus

          Diese und viele weitere Artikel lesen Sie mit F+

          Der Afroamerikaner Jaques DeGraff lässt sich im Februar in New York gegen das Corona-Virus impfen.

          Impfung gegen Corona : Die alte Angst der Afroamerikaner

          In den Vereinigten Staaten lassen sich deutlich weniger Afroamerikaner impfen als Weiße. Das liegt auch an Erfahrungen, die Schwarze mit Gesundheitsbehörden gemacht haben. Viele kennen noch das Verbrechen von „Tuskegee“.
          Marieke Lucas Rijneveld, 1991 in Nieuwendijk geboren

          Streit um Gorman-Übersetzung : Alles bewohnbar

          Darf eine weiße Person Amanda Gormans Gedichtband ins Niederländische übertragen? Nach scharfer Kritik gab Marieke Lucas Rijneveld den Auftrag zurück – und antwortet mit einem Gedicht.
          Auf diesem vom Präsidentenamt von El Salvador veröffentlichten Bild überwacht ein Polizist zahlreiche tätowierte Gefängnisinsassen. Im Kampf gegen die Bandengewalt hatte El Salvadors Präsident eine Isolierung aller Häftlinge angeordnet.

          Bukele in El Salvador : Wie ein Präsident die Mordrate halbierte

          El Salvadors Präsident Bukele trägt Baseballkappen und Lederjacken. Er ist ungewöhnlich beliebt. Kein Wunder: Er hat die Mordrate mehr als halbiert. Wie ist ihm das gelungen?