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„Die Zerstörung der CDU“ : CDU will Video-Antwort auf Youtuber Rezo nicht veröffentlichen

  • Aktualisiert am

Bild: Rezo

Der Youtuber Rezo attackiert in einem Video die Union. Der CDU-Abgeordnete Philipp Amthor sollte ihm mit einem eigenen Video antworten. Daraus wird nun offenbar nichts, stattdessen macht Generalsekretär Paul Ziemiak ein Gesprächsangebot.

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          Das unter dem Titel „Die Zerstörung der CDU“ laufende YouTube-Video entwickelt sich kurz vor der Europawahl zu einem immer größeren Internethit. Bis Donnerstagvormittag klickten mehr als 4,8 Millionen Internetnutzer das Video des Youtubers Rezo an. Die Zahl der Kommentare stieg auf über 94.000, darunter sehr viele zustimmende Äußerungen. Eine Nutzerin schrieb etwa, „Danke, danke danke! Sagt eine 44jährige Olle, für die Du die Hoffnung Deiner Generation bist.“

          Der in seinen YouTube-Kanälen ansonsten eher unpolitische Rezo attackiert in dem 55 Minuten langen Clip CDU und CSU, aber auch SPD und AfD. Dabei beklagt er ungerechte Vermögensverteilungen in Deutschland, eine nach seiner Meinung jeder wissenschaftlichen Vernunft widersprechende Klima- und Umweltpolitik, Inkompetenz einzelner Unionspolitiker oder die angebliche deutsche Beteiligung an Kriegsverbrechen. Unterlegt ist dies mit einer langen Liste an Quellen.

          „Wir wissen, wie komplex viele Fragen sind“

          Zu Beginn des Clips sagt der Youtuber, sein Video sei kein langweiliges Politikvideo, sondern ein echtes Zerstörungsvideo. „Nicht, weil ich aktiv versuche jemanden zu zerstören, sondern weil die Fakten und Tatsachen einfach dafür sprechen, dass die CDU sich selbst, ihren Ruf, und ihr Wahlergebnis und damit selbst zerstört.“

          So habe jahrzehntelange, CDU-lastige Politik in Deutschland dazu geführt, dass die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinander gegangen sei. Rezo sagt, dass er unter CDU auch CSU verstehe, weil dies nur eine Art bayerische CDU sei.

          CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak hatte Rezo daraufhin „Falschbehauptungen“ vorgeworfen, ohne diese aber zu konkretisieren. „Rezo hat keine Hemmungen, Dinge im Internet einfacher darzustellen, als sie tatsächlich sind. Wir haben da mehr Skrupel, weil wir wissen, wie komplex viele Fragen sind“, hatte Ziemiak dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) gesagt.

          Eine zunächst geplante Video-Antwort soll es nach RND-Informationen nun doch nicht geben. Die Idee für die Video-Replik ging dabei wohl auf die CDU-Bundesvorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer zurück. Sie habe den 26 Jahre alten Bundestagsabgeordneten Philipp Amthor persönlich angerufen und ihn darum gebeten, das Video einzuspielen, weil er „am besten dafür geeignet“ sei.

          Wie es weiter hieß, sei das Video am Mittwochmorgen im Konrad-Adenauer-Haus innerhalb von gut zwei Stunden fertig produziert worden. Anschließend seien alle CDU-Bundestagsabgeordneten von der CDU-Bundestagsfraktion in einem internen Chat darüber informiert worden, dass das Video im Verlauf des Nachmittags veröffentlicht werden solle.

          Auf Druck aus dem Parteivorstand sei anschließend auf eine Veröffentlichung verzichtet worden. Wie es hieß, seien unter anderem Befürchtungen laut geworden, CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak könne politisch beschädigt werden, wenn „ein einfacher Bundestagsabgeordneter“ antworte.

          Dieser hat nun auf Twitter dem Youtuber ein Gesprächsangebot gemacht. In einer Reihe von Tweets gesteht Ziemiak Fehler ein: „Wir machen nicht alles richtig. Du hast Kritikpunkte benannt, die berechtigt sind. Wir können beim Klimaschutz noch mehr tun, mit besseren Technologien und guten Ideen.“ Außerdem hätte die CDU in der Diskussion um Uploadfilter nicht den richtigen Ton angeschlagen.

          Bei dem Gespräch mit Rezo soll auch Philipp Amthor dabei sein, kündigt Ziemiak an. Der Auftritt solle aber keine „Show“ sein, sondern sich den Sorgen der Menschen widmen.

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