https://www.faz.net/-gpf-8lt09

CDU-Generalsekretär Tauber : Die Leiden des jungen T.

  • -Aktualisiert am

Warten auf bessere Zeiten: CDU-Generalsekretär Peter Tauber Bild: AP

Für CDU-Generalsekretär Peter Tauber sind es schwierige Wochen. Erst verliert seine Partei eine Landtagswahl nach der anderen. Nun wird der Vertraute von Kanzlerin Merkel mit Mobbingvorwürfen konfrontiert.

          Seit Peter Tauber Ende des Jahres 2013 Generalsekretär der CDU ist, hat er an Abenden von Landtagswahlen wenig zu lachen. Meistens hat er im Konrad-Adenauer-Haus, der Berliner Parteizentrale, Wahlergebnisse zu kommentieren, die zur großen Enttäuschung der CDU ausfielen. Zehn Landtagswahlen gab es seither. Lediglich in zwei Bundesländern – Sachsen (2014) und Sachsen-Anhalt (2016) – konnte die CDU das Amt des Ministerpräsidenten verteidigen.

          Ein Bundesland – Thüringen (2014) –– ging für die CDU verloren. In den übrigen sechs gelang es seiner Partei – trotz zum Teil ziemlich aussichtsreicher Ausgangspositionen – nicht, den Amtsinhaber von SPD und Grünen durch einen CDU-Spitzenkandidaten zu verdrängen: Brandenburg (2014), Hamburg und Bremen (beide 2015) sowie 2016 dann Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin.

          Je länger Taubers Amtszeit währte, desto schlimmer wurde es für ihn. Immer schwieriger wurde es für ihn zu erläutern, wer gewiss nicht die Schuld für das Ergebnis trage: Angela Merkel, die Bundeskanzlerin und CDU-Vorsitzende. Nach der Berlin-Wahl fiel ihm am Wahlabend ein bemerkenswerter Grund ein. Das Wahldesaster für die Berliner CDU (17,6 Prozent) führte Tauber auf das schlechte Erscheinungsbild der großen Koalition in der Bundeshauptstadt zurück. Mithin sei der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) schuld: „Der Fisch stinkt bekanntlich vom Kopf.“ Müller war gemeint. Natürlich.

          Das scheint selbst Angela Merkel zu weit gegangen zu sein. Zwar versicherte die Bundeskanzlerin, sie behandele ihren Koalitionspartner, die SPD, besser als dies Müller mit der CDU getan habe. Die Wortwahl vom Fisch und seinem Kopf aber wurde von ihr nicht verwendet, und von Tauber dann auch nicht länger. Es hätte auch ein Eigentor werden können, nachdem der SPD-Fraktionsvorsitzende Thomas Oppermann die Politik der Bundesregierung und ausdrücklich auch der Bundeskanzlerin für das schwache Abschneiden seiner Landes-SPD (21,6 Prozent) mitverantwortlich gemacht hatte.

          Tauber mischt gerne im innerparteilichen Handgemenge mit

          Tauber neigt dazu, sich in innerparteiliche Querelen kleinteiliger Art einzumischen – wie das freilich auch andere führende CDU-Politiker taten. Gern bezeichnet er Twitter-Äußerungen der – ebenfalls aus Hessen stammenden – CDU-Abgeordneten Erika Steinbach als unpassend und deplatziert. Als jetzt die sächsische CDU-Abgeordnete Bettina Kudla der Bundeskanzlerin vorwarf, mit ihrer Flüchtlingspolitik eine „Umvolkung“ Deutschlands zu betreiben, sprach er öffentlich von einer „in Ton und Inhalt völlig inakzeptablen“ Bemerkung. In der in der Frauen-Union Berlins wabernden Debatte über – gegen CDU-Politiker gerichtete – Sexismus-Vorwürfe einer CDU-Bezirkspolitikerin, nahm er rasch Stellung.

          „Geschichten wie diese bekomme ich immer wieder geschildert. Aber ohne Nennung von Namen. Und dann ist es schwierig, etwas dagegen zu tun“, sagte er der Zeitung „Bild am Sonntag“. Umso wichtiger sei es, eine Debatte darüber zu führen. „Denn Sexismus ist nicht nur ein Problem in der Politik.“ Nun droht Tauber, selbst Gegenstand der Berliner Querelen zu werden.

          Tauber attackiert zwar die Oppositionsparteien und pflichtgemäß auch die SPD. Doch tut er es nicht mit der aggressiven und polarisierenden Zuspitzung, die dem CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer zu eigen ist. Tauber ist eben der Generalsekretär von Merkel und nicht von Horst Seehofer. Oft genug hat er zu erkennen gegeben, dass er für die Zeit nach der Bundestagswahl ein schwarz-grünes Bündnis bevorzugen würde.

          Das entspricht zwar der schwarz-grünen Koalition in Hessen. Dem konservativen Flügel der CDU aber ist das trotzdem nicht recht. Tauber scheint das Schicksal seiner Vorgänger zu erleiden zu haben. Wenn es nicht gut läuft, lästern Parteifreunde lieber über den Generalsekretär, als dass sie über Merkel schimpfen. Oft genug hat Tauber das zu verlautbaren, was im Kanzleramt als Sprachregelung erdacht wurde. Die Folge: Gerne wird in den sogenannten Parteikreisen kritisiert, der Einfluss der Parteizentrale sei gering. So gering wie nie zuvor.

          Dass nun in seinem hessischen Kreisverband (Main-Kinzig-Kreis) Vorwürfe gegen Tauber laut geworden sind, vor gut zehn Jahren eine CDU-Geschäftsführerin gemobbt zu haben, passt in dieses Raster. Tauber, der damals noch Vorsitzender der Jungen Union in Hessen war, bezeichnete Vorwürfe als falsch, er sei damals an einem Papier entsprechenden Inhalts beteiligt gewesen.

          Zudem sei die Geschäftsführerin im Amt geblieben. „Ich habe eine leise Ahnung, warum das kurz vor meiner Nominierung aus der Schublade gezogen wird“, sagte er nun im Deutschlandfunk. Tauber bewirbt sich abermals um ein Bundestagsmandat. Als Generalsekretär ist er zugleich der Wahlkampfleiter der CDU.

          Weitere Themen

          Kein sicherer Hafen

          FAZ Plus Artikel: Seenotrettung : Kein sicherer Hafen

          Der Frankfurter Oberbürgermeister will, dass sich die Stadt bereit erklärt, aus Seenot gerettete Flüchtlinge grundsätzlich aufzunehmen. Doch die schwarz-rot-grüne Koalition ist sich nicht einig.

          „Johnson macht eine chaotische Politik“

          Brexit-Deal : „Johnson macht eine chaotische Politik“

          Kurz vor dessen Berlin-Besuch kritisiert die Britische Handelskammer in Deutschland Großbritanniens Premier Johnson scharf und warnt vor schwerwiegenden Auswirkungen eines No-Deal-Brexits auf die Industrie beider Länder. Die Grünen sprechen derweil von einer „Show für London“.

          Topmeldungen

          Nach Contes Rücktritt : Linke Regierung in Rom möglich

          Die Sozialdemokraten und die Fünf-Sterne-Bewegung erwägen eine gemeinsame Regierungsarbeit – unter fünf Bedingungen. Staatspräsident Mattarella hat für Dienstag die nächsten Konsultationen angesetzt.

          Wirtschaft in Amerika : Trumps Sommer des Missvergnügens

          Signale eines Konjunktureinbruchs in Amerika machen Trump nervös. Die Wirtschaftslage könnte seine Wiederwahl 2020 gefährden. Die Reaktion des Präsidenten zeigt ein bekanntes Muster.
          Der gemeinnützige Verein Deutsches Tagebucharchiv e. V hat seinen Sitz in Emmendingen, einer Stadt im Südwesten Baden-Württembergs.

          Erinnerungen : Einblicke in die deutsche Seele

          Das Deutsche Tagebucharchiv sammelt Lebenserinnerungen und Briefe jeglicher Art – von ganz gewöhnlichen Menschen. Es sind faszinierende Dokumente,die die Vergangenheit spürbar machen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.