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CDU Main-Kinzig : Tauber und die Kaninchenjagd

Als Tauber am vergangenen Freitag in der Mehrzweckhalle zu den Delegierten spricht, kommt er schnell auf das Kaninchen-Papier zu sprechen: „Das In-Auftrag-Geben und das Schreiben eines solchen Papiers vor über zehn Jahren war ein Fehler. Ein Fehler, weil ein solches Papier den Vorstellungen unseres gelebten Miteinanders widerspricht.“

CDU-Parteitag im Main-Kinzig-Kreis: Michael Boddenberg, Fraktionsvorsitzender im Hessischen Landtag, CDU-Generalsekretär Peter Tauber und Bundestagsabgeordnete Katja Leikert.

Er sagt: „Ich habe es nicht verfasst, aber wie andere davon gewusst. Dass ich damals, in einer anderen Zeit, unter anderen Umständen dazu geschwiegen und nicht nach anderen Wegen gesucht habe, tut mir leid.“ Und: „Die gegen mich gerichteten Vorwürfe weise ich entschieden zurück. Sie sind falsch, und sie werden nicht dadurch wahrer, dass sie immer wieder kolportiert und behauptet werden.“

Tauber kriegt viel Applaus für seine Rede, immer wieder und lang. Auch nachdem er sagt: „Und hier kühlen Menschen, die ihre politische Karriere bereits beendet haben, die keine Mehrheiten für ihre angestrebten Ziele hatten, die trotz aller Verfehlungen immer Solidarität der Partei in Anspruch nehmen konnten, ihr Mütchen.“ Wen er meint, sagt Tauber nicht. Viele seien es nicht, sagen seine Unterstützer. Nur ein kleiner Kreis um Höhne-Weigl und Marianne Hain. Hain wiederum sagt, bei ihr hätten sich in den vergangenen Tagen viele gemeldet und gesagt: Endlich sagt es mal einer.

Sie treiben Tauber vor sich her

Noch am Wochenende legten die Gegner Taubers nach. Selbst wenn sie wenige sein sollen, sie bestimmen derzeit das Geschehen, und nicht die vielen Anhänger Taubers. Eine Auflistung aus dem Jahr 2012 liegt dieser Zeitung vor, die 21 Punkte enthält, in denen der Kreisgeschäftsstelle Fehlverhalten vorgeworfen wird: „Drehen des Tisches entgegen der Anweisung“ – „Laute Musik, die auch nach Intervention nicht abgestellt wurde“ – „Peters Anweisung, Facebook zu aktualisieren“, sei ignoriert worden. Höhne-Weigl sagt, die Liste erinnere sie an ein „Spitzel-Papier“. Peter Tauber selbst wollte gegenüber dieser Zeitung keine Stellungnahme abgeben. Aus dem Konrad-Adenauer-Haus hieß es, er habe bei seiner Rede am Freitag alles gesagt, was es zu sagen gebe.

Frauen-Union im Main-Kinzig-Kreis: Tauber einigte sich mit Parteifreunden 2012 auf Katja Leikert als neue Vorsitzende. Sie sei „rein optisch“ ein Gewinn.

Der Kreisvorsitzende Heger äußerte: „Wir bedauern, dass nun ein Papier in die Öffentlichkeit gelangt ist, das unter anderem die Arbeitsweise der ehemaligen Kreisgeschäftsführerin thematisiert.“ In der Kreisgeschäftsstelle, so Heger, arbeiten immer mehrere Personen zusammen. „Auch um vorhandene Probleme zwischen den Mitarbeitern aufzulösen, muss intern über Probleme gesprochen werden. Dass diese verschriftlicht werden, ist ein nicht unüblicher Vorgang. Dazu gehören selbst einfache Dinge wie das Schließen der Fenster, das Herunterdrehen der Heizung und die Ordnung am Arbeitsplatz.“ All diese Anweisungen dienten „dem Schutz der Belegschaft und der Sach- und Vermögensgegenstände der Partei“.

In der Mehrzweckhalle sagt Peter Tauber: Ich bin ein Mensch, ich mache Fehler.“ Nach seiner Rede stehen die Delegierten zum Klatschen auf. Fast alle. Bei der Aussprache meldet sich niemand. Später wird Srita Heide mit klarer Mehrheit zur Landratskandidatin gewählt. Tauber hatte sich für sie eingesetzt.

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