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CDU Main-Kinzig : Tauber und die Kaninchenjagd

Höhne-Weigl fand das Papier auf dem Schreibtisch von Zeller, abgeheftet in einer Pultmappe. Sie machte eine Kopie und verwahrte diese. Höhne-Weigl rannte nicht weg wie ein Kaninchen, sondern blieb Geschäftsführerin. Einigen politischen Freunden erzählte sie von der „Operation Kaninchenjagd“, an die Öffentlichkeit aber gelangte der Inhalt nicht. Was nicht bedeutet, dass Frieden geschlossen wurde.

Das „Kaninchen“ bleibt, bis zur Rente

Die Jungen machten Karriere. Allen voran Peter Tauber. Er stand für eine moderne und junge CDU. Schließlich war er selbst noch jung. 2009 wurde er Bundestagsabgeordneter, zwei Jahre später übernahm er dann den Vorsitz des CDU-Kreisverbands Main-Kinzig von Tom Zeller. Der „ehemalige Senkrechtstarter“ hinterließ eine Partei in finanzieller Schieflage, der immer mehr Mitglieder davonliefen. Tauber hatte es zu richten. Er kündigte an, hart vorzugehen. Er hatte Erfolg.

Höhne-Weigl sagt, sie habe erwartet, dass Tauber das Gespräch mit ihr suche. Das aber habe er nicht getan. Im Gegenteil. Er habe sie gemobbt und schikaniert. Höhne-Weigl blieb Geschäftsführerin, bis sie vor zwei Jahren in Rente ging. Wie angespannt das Verhältnis war, zeigen von Tauber unterzeichnete Dienstanweisungen, die dieser Zeitung vorliegen. In ihnen gibt Tauber vor, bis wann Kartons im Flur wegzuräumen und wie Möbel umzuräumen seien. Im Jahr 2015, also gut neun Jahre nach seinem Entstehen, gelangte das Mobbingpapier an die Medien.

Marianne Hain, langjährige Weggefährtin von Höhne-Weigl, wie diese in der Frauen-Union und eine „gute Freundin“ zudem, hatte einen Brief an einen Parteifreund in Berlin geschickt. Sie kritisierte darin Taubers Führungsstil und fügte als Beweis das Papier an. Über den Parteifreund und dessen Absichten sagt sie nichts. Über Höhne-Weigls Arbeit in der Partei verliert Hain nur gute Worte. Sie sei eine hervorragende Vorsitzende der Frauen-Union gewesen.

Als Höhne-Weigl in diesem Sommer über die Medien Peter Tauber kritisierte – als Strippenzieher im Kreis –, erwähnte sie Hain als Beispiel für eine Politikerin, die für Tauber zu „kritisch“ gewesen sei und der man Steine in den Weg gelegt habe. Tauber „geht und ging es nie um inhaltliche Programme, sondern einzig und allein um seine Macht und die Installation politischer Freunde, egal mit welchen Mitteln“.

Tauber angreifen, Merkel treffen?

Vor gut einer Woche erschienen die ersten Artikel über die „Kaninchenjagd“. Warum jetzt? In Taubers Umfeld mutmaßt mancher, es gehe um die anstehende Nominierung Taubers zur Bundestagswahl oder gar um die Flüchtlingspolitik: Tauber angreifen und Merkel treffen. Wenige Tage nach den ersten Berichten machten E-Mails aus dem Jahr 2012 die Runde. Tauber und einige Parteifreunde suchten eine Vorsitzende für die Frauen-Union im Kreis. Die Vereinigung wurde als „Schlangengrube“ bezeichnet. Man einigte sich auf Katja Leikert. Sie sei „rein optisch“ ein Gewinn. Tauber selbst äußerte sich in den E-Mails in keiner Weise abfällig über Frauen. Aber in der gegenwärtigen Situation, in der Gerüchte über eine Affäre zwischen Tauber und der Berliner CDU-Politikerin Jenna Behrends verbreitet wurden, reichte es, um ihn weiter in Bedrängnis zu bringen. Die Affäre wurde dementiert.

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