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CDU Main-Kinzig : Tauber und die Kaninchenjagd

Der damalige CDU-Kreisvorsitzende Hubert Müller hob die Tatkraft seiner neuen Geschäftsführerin hervor, ihren jugendlichen Elan und ihre Durchsetzungskraft. Er „begrüßte, dass die neue Kreisgeschäftsführerin ihren politischen Stil mit in die neue Arbeit einbringen“ werde. Sie selbst betonte allerdings, dass ihre Arbeit „zunächst total unpolitisch“ sei. Beispielsweise müssten Computer optimal genutzt werden. Sie wurde unbefristet eingestellt.

Eine Kreisgeschäftsführerin nimmt eine wichtige Position ein. Sie organisiert und verwaltet, hat Zugang zu Akten und Personen. Während andere um sie herum um Mandate kämpfen, hat sie ein sicheres Einkommen. Ihre Möglichkeiten sind vielfältig. Wie sie genutzt werden, ist eine andere Frage. Höhne-Weigl sagte damals, ihr liege die Zufriedenheit der 3500 CDU-Mitglieder am Herzen: „Es ist besser, Probleme direkt und schnell zu lösen, als wenn es zu spät ist.“ Spricht man heute mit Leuten aus dieser Zeit, aus der Generation von Höhne-Weigl, so sagen sie: Höhne-Weigl machte einen guten Job. Sie sagen aber auch: Wenn eine neue Generation kommt, müssen die Alten Platz machen. Der normale Lauf der Dinge in der Politik.

Die Jagd beginnt

Im Main-Kinzig-Kreis bestand die neue, junge Generation unter anderen aus Peter Tauber und Tom Zeller. Nachwuchspolitiker, die in der Jungen Union vernetzt waren und Karriere machen wollten. Ihr Ehrgeiz war kaum zu übersehen, heißt es, und auch nicht ihr Talent. 2006 wurde Zeller Kreisvorsitzender. Er war 26 Jahre alt und bei seiner Wahl noch Student. Nach der Wahl sagte er, dass er jung für ein solches Amt sei.

Als Tom Zeller 2006 Kreisvorsitzender der CDU Main-Kinzig wurde, studierte er noch.

In der Geschäftsstelle der Main-Kinzig-CDU begannen die Probleme. Die junge Generation kam mit der Geschäftsführerin Höhne-Weigl nicht klar. Die Vorwürfe gegenüber Höhne-Weigl lauten heute so: Die Chemie stimmte nicht, auch inhaltlich sei es schwierig gewesen, man habe ein anderes Politikverständnis gehabt, auch habe es unterschiedliche Vorstellungen darüber gegeben, was eine Kreisgeschäftsführerin eigentlich zu leisten habe. Es wird beschrieben, es habe an Einsatz und Arbeitsmoral gemangelt. Kurzum: Zeller und die anderen wollten Höhne-Weigl loswerden.

Wie das geschehen sollte, steht in einem Papier aus jener Zeit. Es trägt den Titel „Operation Kaninchenjagd“ und war an Tom Zeller gerichtet. Unterschrieben ist das Papier nicht. Aber Höhne-Weigl ist sich sicher, dass Peter Tauber etwas damit zu tun hat. Er und ein Parteifreund. Auf neun Seiten ist ausführlich beschrieben, wie man Höhne-Weigl loswerden könnte. Unter anderem heißt es in dem Papier: „Kaninchen fragen, wie sie sich seit Deiner Wahl fühlt. Wenn etwas Negatives kommt, einhaken. Darstellen, dass die Situation schwierig ist. Es sei klar, dass sie nicht Deine Wunschkandidatin ist.“ Sie sei länger Geschäftsführerin als gewollt, nun mit einem deutlich jüngeren Vorgesetzten. Das „Problem des Alterskonflikts“ müsse gelöst werden.

Der oder die Verfasser des Papiers wollten Höhne-Weigl androhen, ihre ebenfalls bei der CDU beschäftigte Tochter rauszuwerfen: „Sollte es nicht zu einer einvernehmlichen Lösung kommen, sehe man sich gezwungen, auch dieses Arbeitsverhältnis zu lösen.“ Für den Fall, dass Höhne-Weigl zum „Gegenangriff“ ausholen sollte, sah das Papier vor, die Jagd abzublasen. „Dann muss aber SOFORT die Schlagzahl erhöht werden. Finanzielle Situation dramatisieren. Fehlerhafte Einstellung verbreiten. Tochter SOFORT kündigen. Ermahnungen und Abmahnungen beginnen.“

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