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Kandidatenrennen in der CDU : Wen werden die Landesverbände unterstützen?

Jens Spahn und Friedrich Merz auf dem Leipziger Parteitag 2019 Bild: Picture-Alliance

Die großen CDU-Landesverbände haben ein gewichtiges Wort mitzureden in der Frage, wer CDU-Vorsitzender und womöglich auch Kanzlerkandidat wird. Unsere Korrespondenten haben nachgefragt, wie sie sich positionieren.

          7 Min.

          Machtfragen werden in der CDU eigentlich zwischen den vier Großen geklärt. Die Landesverbände Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg, Niedersachsen und Hessen stimmen sich im Hintergrund miteinander ab und suchen nach einer Lösung. Doch im Rennen um den künftigen Parteivorsitz funktioniert dieses bewährte Verfahren plötzlich nicht mehr.

          Reinhard Bingener
          Politischer Korrespondent für Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Bremen mit Sitz in Hannover.
          Julian Staib
          Politischer Korrespondent für Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland mit Sitz in Wiesbaden.
          Rüdiger Soldt
          Politischer Korrespondent in Baden-Württemberg.

          Der mit Abstand größte Landesverband Nordrhein-Westfalen fällt aus dem Prozess heraus, weil die Kandidaten für den CDU-Bundesvorsitz – Friedrich Merz, Norbert Röttgen und das Duo Armin Laschet/Jens Spahn – allesamt von dort kommen. Ein Machtzentrum, welches das Verfahren steuern könnte, gibt es in der CDU derzeit nicht. Von einem „Dilemma“ oder gar einer „Scheiß-Situation“ ist die Rede. Es bleiben Baden-Württemberg, Niedersachsen und Hessen – doch wie verhalten sich die?

          Testabstimmungen in Hessen

          Hessen ist das Versuchslabor für den CDU-Bundesparteitag in Stuttgart im Dezember. In Willingen, tief im dünn besiedelten Nordwesten des Landes, hält die örtliche CDU demnächst einen Landesparteitag ab, es ist die bundesweit erste physische Zusammenkunft einer Landes-CDU seit Beginn der Pandemie – beschlossen werden soll eine Satzungsänderung, damit zum Beispiel, wenn die Pandemie anhält, auf Landes- und Kreisebene Notparteitage etwa zur Wahl von Delegierten abgehalten werden können. Welcher Kandidat für den CDU-Bundesvorsitz in Hessen die meisten Delegierten hinter sich versammeln kann, ist nur mit Vorbehalten prognostizierbar. Mehrere Kreisverbände stimmten zuletzt über die Kandidatenfrage ab – immer pro Merz. Im Kreisverband Odenwald votierten kürzlich rund 90 Prozent für ihn. Die hessische CDU sei deutlich konservativer als die eigene Wählerschaft, an der Basis sei die Kritik an der Bundeskanzlerin nie verstummt, sagt ein CDU-Mann.

          Die Parteiführung hingegen, allen voran Ministerpräsident Volker Bouffier, steht seit Jahren treu an Angela Merkels Seite. Folglich war Bouffier im Dezember 2018 auch für Annegret Kramp-Karrenbauer und hält nun zum Kandidaten Laschet. Auch wenn er eine öffentliche Positionierung vermeidet. Als „Test“ wird innerhalb der Partei gewertet, dass sich der Ministerpräsident im Frühjahr im Landesvorstand positiv zu Laschet geäußert hatte.

          Nordrhein-westfälische Kandidaten: Armin Laschet und Norbert Röttgen
          Nordrhein-westfälische Kandidaten: Armin Laschet und Norbert Röttgen : Bild: Picture-Alliance

          Bei der Abstimmung vor bald zwei Jahren war das Lager von Merz wie das von Kramp-Karrenbauer in Hessen in etwa gleich groß. Ein Teil der Anhänger von AKK werde nun aber hinüber wechseln, sagt ein Funktionär aus dem wirtschaftsnahen Flügel. Aus der Parteiführung heißt es hingegen, über Merz sei die Zeit hinweggegangen. „Die junge Generation kennt den gar nicht mehr.“ Nur öffentlich will das keiner sagen. Allein zwischen den Zeilen wird Kritik an Merz laut. Etwa, wenn Generalsekretär Manfred Pentz zur Wahl des Bundesvorsitzenden sagt: Wichtig sei, dass der neue Vorsitzende die Partei nach der Wahl geschlossen hinter sich vereine. Erfolgreich sei nicht derjenige, der die Partei spalte. Merz hatte sich vor zwei Jahren nicht immer solidarisch verhalten.

          Bundesgesundheitsminister Spahn hingegen hat in der Parteiführung in Hessen überraschend viele Fans. Landesinnenminister Peter Beuth wird ebenso dazu gezählt wie Generalsekretär Pentz. Doch kandidiert Spahn nicht für das Amt des Bundesvorsitzenden und ist nur Nummer zwei im Gespann mit Laschet. Ob jene der knapp 90 hessischen Delegierten, die eigentlich Spahn wollen, auf dem Bundesparteitag dann für Laschet stimmen, in der Hoffnung, dass dieser Spahn den Vortritt lassen wird als Kanzlerkandidat, ist keineswegs ausgemacht.

          Merz-Enthusiasten im Südwesten

          Im zweitgrößten Landesverband Baden-Württemberg hat sich seit der Wahl AKKs und seit Beginn der Corona-Pandemie wenig geändert – die Mitglieder und Funktionäre geben mehrheitlich einem Mann den Vorzug: Friedrich Merz. 2018 hatten sich die Baden-Württemberger deutlicher als fast alle anderen Landesverbände für Merz ausgesprochen, jetzt tun sie das wieder.

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