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Machtkampf mit Markus Söder : CDU-Vorstand deutlich für Laschet als Kanzlerkandidat

CDU-Chef Armin Laschet Bild: AFP

Nach stundenlangen Beratungen stellt sich der Bundesvorstand abermals mit klarer Mehrheit hinter CDU-Chef Armin Laschet. Kontrahent Markus Söder hatte die Entscheidung über die Kanzlerkandidatur zuvor in die Hände der Schwesterpartei gelegt.

  • -Aktualisiert am
          4 Min.

          Die CDU-Führung hat sich mit deutlicher Mehrheit dafür ausgesprochen, dass ihr Vorsitzender Armin Laschet Kanzlerkandidat der Union für die Bundestagswahl im September wird. Nach einer sechs Stunden währenden, kontroversen Debatte sprachen sich am frühen Dienstagmorgen 77,5 Prozent der Teilnehmer einer gemeinsamen Sitzung von Parteipräsidium und -vorstand in geheimer Abstimmung für Laschet aus. Für den CSU-Vorsitzenden Markus Söder stimmten 22,5 Prozent. 46 Vorstandsmitglieder waren stimmberechtigt, 31 stimmten für Laschet, neun für Söder, sechs enthielten sich der Stimme. Laschet hatte die Sitzung am Montag überraschend einberufen, nachdem die beiden Unionsparteien, aber auch die CDU selbst eine Woche lang erbittert über die Kanzlerkandidatur gestritten und keine Lösung gefunden hatten.

          Eckart Lohse
          Leiter der Parlamentsredaktion in Berlin.

          Söder hatte am Montagmittag gesagt, er und die CSU würden einen Beschluss des CDU-Vorstands akzeptieren, wie er auch ausfalle. In der Sitzung am Abend hatte Laschet das als „ein sehr wichtiges Signal“ bezeichnet. Diesen Eindruck hatte Söder am vorvorigen Sonntag nach einer Sitzung des Geschäftsführenden Vorstands der Unionsfraktion im Bundestag schon einmal erweckt. Daraufhin hatten CDU-Präsidium und -Vorstand sich geschlossen hinter Laschet gestellt, allerdings nicht in Form eines Beschlusses, wie jetzt, sondern nur eines Meinungsbildes. Söder hatte dieses allerdings doch nicht akzeptiert und gesagt, er wolle weitere Teile der CDU hören. Dass er dabei CDU-Führungsgremien als „kleines Hinterzimmer“ bezeichnete, hatte für Verärgerung in der CDU gesorgt.

          Am Montag schien Laschet nun den Eindruck gehabt zu haben, Söder werde eine Entscheidung des CDU-Vorstands dieses Mal akzeptieren. Er bekräftigte zu Beginn der Sitzung seine Entschlossenheit, zu kandidieren. Der Bundesvorstand sei das richtige Gremium, um die Stimmung an der Basis aufzunehmen, sagte Laschet zu den Teilnehmern der Videokonferenz. Er habe mit Söder sehr gute Gespräche geführt. Viele CDU-Mitglieder hätten ihm in den vorigen Tagen unterstützt. „Du musst stehen“, sei ihm gesagt worden.

          „Ich ermutige Euch zu einer offenen Debatte“

          Zum Auftakt der Diskussion, zu der mehr als 40 Teilnehmer einen Redebeitrag angemeldet hatten, hatte Laschet gesagt: „Ich ermutige Euch zu einer offenen Debatte.“ Das erfuhr die F.A.Z. aus Teilnehmerkreisen. Es wurde sowohl Unterstützung für die Kanzlerkandidatur des CDU-Vorsitzenden vorgetragen als auch die klare Forderung, Söder solle es machen. Laschet hatte sich zu Beginn der Diskussion gleich dafür eingesetzt, am Montagabend eine Entscheidung zu treffen. „Wir sollten heute entscheiden, wie wir es uns am Anfang vorgenommen haben“, wurde er in Teilnehmerkreisen zitiert.

          Vor allem solche CDU-Führungsmitglieder, die zu den Unterstützern Söders gerechnet werden, sprachen sich gegen eine Entscheidung am Montagabend aus und forderten eine weitere Beteiligung der Basis oder anderer Gremien. So wurde die Bundestagsfraktion erwähnt, die am Dienstag tagen wird oder auch der Vorschlag aufgegriffen, die Kreisvorsitzenden der CDU mit der Frage zu befassen. Das wurde in Nacht nach Ende der Diskussion und vor der Abstimmung in der Sache jedoch mit großer Mehrheit abgelehnt. Grundsätzlich setzen die Söder-Anhänger darauf, dass der CSU-Vorsitzende eine breitere Unterstützung an der CDU-Basis als bei den Funktionären hat.

          Der Berliner CDU-Vorsitzende Kai Wegner forderte eine Verschiebung der Entscheidung und eine Einbeziehung der Fraktion und der Kreisvorsitzenden. Der Vorstand der Berliner CDU hatte sich kürzlich für den CSU-Vorsitzenden als Kanzlerkandidaten ausgesprochen. Für eine Verschiebung der Entscheidung warb auch Norbert Röttgen, Präsidiumsmitglied und Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses. Hintergrund ist bei ihm offenbar die Auffassung, dass sich das Meinungsbild in der CDU im Laufe der letzten Tage so verändert habe, dass ein Beschluss jetzt nicht tragfähig sei.

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