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CDU-Bundesparteitag : Ein Augenblick des Triumphs

Merkel nach ihrer Rede auf dem Bundesparteitag der CDU. Die Kölner Harmonie ist allerdings vielen Auslassungen geschuldet. Bild: dpa

Bundeskanzlerin Merkel und ihre CDU sind auf dem Parteitag einander so innig verbunden wie nie. Da stellt sich prompt die Frage, wie die Partei wohl ohne sie aussähe.

          5 Min.

          So innig wie in diesem Moment sind sie noch nie einander verbunden gewesen, die CDU-Vorsitzende Merkel und ihre Partei. Die Vorsitzende ist fast am Ende ihrer langen Rede in der Kölner Messehalle, hat ausführlich die digitale Zukunft der Wirtschaft und die Chancen der „älteren Gesellschaft“ in Deutschland beschrieben, hat alle erwähnt und gegrüßt, die im Führungskader der CDU zu erwähnen und zu grüßen sind, hat den Parteigründungsvater Konrad Adenauer zitiert und den Einheitsvater Helmut Kohl gewürdigt. Und nach all dem endet die aktuelle Vorsitzende mit einer kurzen Erinnerung daran, wie sie vor 25 Jahren in der stürmischen DDR-Wendezeit ihren ersten Fuß in die Politik setzte, wie sie dann auf dem Hamburger Parteitag der CDU auserwählt war, ihre erste „kleine Parteitagsrede“ zu halten – „und ich hatte blanke Panik“ – wie Kohl ihr damals geraten habe, lieber über Persönliches zu sprechen, als ein politisches Statement abzugeben. Das sei ihr Anfang gewesen, in dieser „so wunderbaren Partei“, berichtet Merkel, stellt fest, seither habe man „ja viel geschafft“ und sagt dann, sie wolle gern weiterhin die Vorsitzende „dieser großartigen Partei“ bleiben. Die Delegierten, die sie alsbald wiederwählen werden, danken es mit einer gerührten, kaum enden wollenden Ovation.

          Johannes Leithäuser

          Politischer Korrespondent in Berlin.

          So erlebt die Parteivorsitzende, indem sie nach einem Vierteljahrhundert den alten Ratschlag ihres Vorvorgängers einlöst, persönlich zu werden, einen Augenblick, der an die Triumphe des einstigen CDU-Herrschers Helmut Kohl erinnert. Und weil sich die Partei so vollkommen einig und so einverstanden mit ihrer Vorsitzenden fühlt, bringt das gleich die Frage auf, was denn wohl die CDU ohne Angela Merkel wäre?

          Bild: F.A.Z.

          Viele Gesichter sitzen um sie herum auf der Parteitagstribüne, aber keine Antwort. Die stellvertretenden Parteivorsitzenden Julia Klöckner und Ursula von der Leyen, die an diesem Tag beide in hellbeigen Blazern erschienen sind und deswegen wie Schwestern wirken, lächeln von ihren Plätzen ins Publikum. Die eine, Klöckner, wird von der Parteivorsitzenden Merkel aufgefordert, die „guten Chancen“ zu nutzen, um in Rheinland-Pfalz die nächste Landtagswahl zu gewinnen, die andere, von der Leyen, wird für die „Präzision“ und „Energie“ gelobt, mit der sie den „wirklich großen Umbau“ der Bundeswehr bewerkstelligt. Thomas Strobl, ein weiteres Gesicht in Merkels Stellvertreter-Riege, haben die CDU-Mitglieder seines heimischen baden-württembergischen Landesverbands gerade der Chance beraubt, seine Partei selbst als Spitzenkandidat in eine Landtagswahl zu führen. Statt Strobl gewann Guido Wolf das Kandidatenmandat der CDU-Basis im Südwesten. Merkel erwähnt ihn in einem Satz, in dem auch noch Wolfs Siegesaussichten bewertet werden: „reale Chance“.

          Es zeigt sich keine Führungskonkurrenz

          Dann sind da in der Riege der aktuellen Stellvertreter Merkels noch Armin Laschet, Landeschef in Nordrhein-Westfalen, und Volker Bouffier, der hessische Ministerpräsident. Auch Laschet müsste erst einmal in seinem Bundesland eine Wahl gewinnen und dort die amtierende rot-grüne Koalition ablösen – wozu er von Merkel unter großem Beifall ermuntert wurde; Bouffier hingegen ist schon ausgelastet in einem CDU-internen Zukunftslabor – er hat in Wiesbaden auszuprobieren, wie belastbar und krisenfest eine Koalition aus CDU und Grünen funktionieren kann.

          Und auch im weiteren Kreis der Parteiführung zeigt sich keine Führungskonkurrenz. Mit einem einzigen Fall persönlichen Ehrgeizes muss der Parteitag sich beschäftigen: Jens Spahn, der junge, umtriebige, kluge und engagierte Gesundheitspolitiker, meldet Anspruch auf jenen Platz im Parteipräsidium an, der durch den Verzicht des ausgeschiedenen Vorsitzenden der Jungen Union, Philipp Mißfelder, frei geworden ist. Er kandidiert damit gegen Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe, früher CDU-Generalsekretär, der als gesetzter Kandidat für die Präsidiumsvakanz gilt. Dass Spahns Kandidatur in den Prognosen und Mutmaßungen vieler Delegierter nicht von vornherein als aussichtslos gilt, hat mit der vagen Ahnung zu tun, dass irgendwann doch von irgendwoher eine Erneuerung der Union einsetzen müsse. Am Ende dieses Tages wird Spahn erfolgreich sein; Gröhe wird auf seinen Präsidiumssitz verzichten.

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