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CDU Britz kämpft gegen Dealer : „Es eskaliert“

„Dealer, verpisst euch!“: Ein Flugblatt der CDU Britz Bild: dpa

Die CDU Britz hat Drogendealern den Kampf angesagt. Mit einem Plakat, das vor Fäkalsprache strotzt. Im Interview verteidigt der Vorsitzende des Berliner Ortsverbands die Ausdrucksweise – die Situation habe sich in den vergangenen Monaten zugespitzt.

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          Herr Förster, auf dem Plakat, das man bei Ihnen im Parteibüro nun abholen kann, heißt es: „Dealer, verpisst euch! Wir sehen euch! Wir rufen die Polizei! Wir klauen euren Scheiß aus euren Verstecken! Haut ab! Wir wollen euch nicht in unserem Britz!“ Wer hat das denn getextet?

          Das ist eine Gemeinschaftsarbeit des Ortsvorstandes der CDU Britz. Wir haben uns auf einem unserer monatlichen Treffen dazu entschieden und das Ganze bewusst etwas zugespitzt und provokant formuliert. Wir mussten uns dann noch abstimmen, welche Sprachen wir auf das Plakat schreiben.

          Sie haben sich für Englisch und Arabisch entschieden.

          Richtig, Englisch ist schließlich eine Weltsprache und Arabisch deshalb, weil – so wie wir hören – viele der Dealer arabischsprachig sind.

          Aber genau weiß man nicht, aus welchen Ländern die meisten Dealer kommen?

          Nein, Erhebungen und Statistiken gibt es nicht.

          Wer hat sich der arabischen Übersetzung angenommen?

          Die haben wir professionell machen lassen, und ein Übersetzungsbüro beauftragt. Wir haben den Hinweis bekommen, dass es den einen oder anderen gibt, der das vielleicht nicht ganz versteht  – Arabisch hat ja unterschiedliche Dialekte und Ausprägungen –, aber wir sind keine Experten, deswegen haben wir den Text ja auch von Profis übersetzen lassen.

          Christopher Förster ist Vorsitzender der CDU Britz.

          Wie kamen Sie auf die Idee für dieses Plakat?

          Wir haben Zuschriften aus der Anwohnerschaft in Britz bekommen, die uns mitgeteilt haben, dass sie am Wochenende mit ihren Kindern auf dem Spielplatz waren und Drogenspritzen gefunden haben. Sie schrieben, dass das nicht mehr hinnehmbar sei und fragten: Wann tut die Politik endlich etwas?

          Das heißt, in Britz ist die Situation in den letzten Jahren schlimmer geworden?

          Nicht in den letzten Jahren, im letzten Jahr! Zum Beispiel am U-Bahnhof Blaschkowallee stehen – sichtlich erkennbar – afrikanische Menschen in ihren Kapuzenpullis und sprechen die Leute an. Das habe ich selber auch schon erlebt. Im letzten Jahr wurden allein in Neukölln 3800 Nadeln sicher gestellt. Dieses Jahr werden wir die Zahl wahrscheinlich toppen. Anfang September wurden nach einem einzigen Wochenende über einhundert Spritzen im Akazienwäldchen gefunden. Es eskaliert.

          Können Sie sich erklären, wieso die Szene aus dem Zentrum Neuköllns im Norden des Bezirks gen Süden in Ihr bislang ziemlich ruhiges Britz gewandert ist?

          Wir hatten in Neukölln immer das große Glück, einen mobilen Konsumraum zu haben, wo man seiner Sucht nachgehen konnte. Aber der mobile Konsumraum wurde in den Bezirk Tempelhof verlegt und Neukölln hat dafür eine stationäre Einrichtung in der Karl-Marx-Straße bekommen. Die wird zwar stark angenommen, aber das führt auch dazu, dass die Kapazität nicht ausreicht. Die Leute verschwinden in die Umgebung, weil es keinen Platz mehr in der Karl-Marx-Straße gibt oder weil der Konsumraum gar nicht geöffnet hat. Am Wochenende ist er nämlich geschlossen. Britz ist nur zwei U-Bahn-Stationen von der Karl-Marx-Straße entfernt und im großen Buschkrugpark hat man gute Möglichkeiten, sich zu verstecken.

          Auf Facebook haben Sie viel Unterstützung für das Plakat erfahren, auf Twitter war es umgekehrt. Dort hat sich Spott über Sie ergossen.

          Die Reaktionen sind ein gutes Abbild unserer Gesellschaft. Es gibt den einen Teil, der hat sich dran gewöhnt und akzeptiert es, wenn im öffentlichen Raum gedealt wird und Drogen genommen werden. Die machen sich vor allem auf Twitter über uns lustig: Da kommen die harten Jungs von der CDU und erklären den Dealern den Kampf. Auf Facebook finden es viele toll, dass etwas gemacht wird. Wir wollten mehr Diskussionen über das Thema und das haben wir geschafft. Auf Twitter haben wir über 40.000 Klicks, auf Facebook geht das in ähnliche Sphären. Das ist mit Abstand das Erfolgreichste, was wir als kleiner Ortsverband jemals gemacht haben.

          Die Twitter-Nutzer haben auch über das offizielle Bild der CDU Britz gespottet. Auf dem Foto sind Sie und der restliche Vorstand mit einem Berliner-Bär-Kuscheltier unter einem Holzkreuz zwischen sorgfältig dekorierten Bücherregalen zu sehen. Das passt ja wirklich gar nicht zu Ihrer auf einmal so flegelhaften Ausdrucksweise.

          Wenn wir geschrieben hätten: „Liebe Dealer, bitte geht aus unserem Britz“ – dann hätten uns alle ausgelacht. Mir persönlich war klar, dass sich Leute darüber aufregen würden, nach dem Motto: Oh, Verrohung der Wortwahl! Aber andere loben uns für unsere klare Ansprache und das war das Ziel. Wir wollen nicht, dass der Buschkrugpark ein weiterer Görlitzer Park wird.

          Haben Sie schon mal mit einem Dealer gesprochen?

          Nein. Ich wurde mal angesprochen, habe aber einfach nur gesagt: „No“, und bin weiter gelaufen.

          Was versprechen Sie sich davon, die Plakate an den Britzer Laternen aufzuhängen? Dass die Dealer „Verpisst euch!“ lesen und sich nicht mehr willkommen fühlen?

          Mir ist bewusst, dass ich keinen Dealer wegen eines Plakates davon abhalten werde, seinem Geschäft nachzugehen. Mir geht es in erster Linie darum, dass die Anwohner, die sich beschweren, sehen: Da gibt es eine CDU vor Ort, die was unternimmt. In dem Moment, in dem wir Zettel verteilen und an Laternen aufhängen, kann keiner sagen: Ihr macht nichts.

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