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Laschet nominiert Merz : Ein Partner, um eigene Schwächen auszugleichen

Armin Laschet und Friedrich Merz beim Online-Parteitag der CDU Mitte Januar Bild: EPA

Armin Laschet ist routiniert darin, frühere Gegner einzubinden, um seine Position zu stärken. Jetzt holt er Friedrich Merz in sein Wahlkampfteam. Dass die Südwest-CDU das als erste erfährt, ist kein Zufall.

  • -Aktualisiert am
          2 Min.

          Die Schlagzeile verbreitete sich am Dienstagabend nicht nur in CDU-Kreisen rasch: Unionskanzlerkandidat Armin Laschet holt Friedrich Merz in sein Wahlkampfteam. Merz gehöre für ihn „fest in den Mannschaftskader“, sagte der CDU-Bundesvorsitzende nach Angaben von Teilnehmern in einer Videokonferenz mit Parteifreunden aus dem Landesverband Baden-Württemberg.

          Reiner Burger
          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

          Mit seiner Wirtschafts- und Finanzkompetenz könne Merz entscheidend dabei helfen, die gewaltigen Herausforderungen nachhaltig zu meistern, vor denen Deutschland nach der Pandemie stehe, lobte Laschet in der Runde, zu der alle Funktions- und Mandatsträger der Südwest-CDU aus Land, Bund und Europaparlament geladen waren. „Die Union hat Deutschland schon durch viele schwere Krisen erfolgreich geführt, mit den richtigen Konzepten und den besten Köpfen. Friedrich Merz gehört für mich dazu. Nur im Team gewinnen wir.“

          Den Unterlegenen einbinden

          Überraschend kommt Merz’ Team-Nominierung nicht. Laschet hatte sich im Januar im Kampf um den CDU-Bundesvorsitz gerade erst knapp gegen Friedrich Merz durchgesetzt, da kündigte er in seinem ersten Zeitungsinterview nach der Wahl an, er werde den Unterlegenen einbinden. Merz habe eine große Anhängerschaft in der Union, sagte Laschet damals der F.A.Z. „Dies auszublenden wäre ein Fehler.“

          Vor wenigen Tagen wurde Laschet dann erstmals konkreter. Bei einer Veranstaltung von Familienunternehmern deutete er an, dass Merz zu seinem Wahlkampfteam gehören soll. „Er wird mit in einer starken Aufstellung für die Bundestagswahl sein.“

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          Kein Zufall ist auch, bei welcher Gelegenheit Laschet seinen bisherigen Rivalen nun ins Boot holt. Anfang des Jahres hätten im Südwesten viele CDU-Leute lieber Friedrich Merz als Bundesvorsitzenden gehabt. Und im Machtkampf um die Kanzlerkandidatur neigte der zweitgrößte Landesverband der CDU nun mehrheitlich zu CSU-Chef Markus Söder. Laschet weiß, wie viele Parteifreunde ihn auch andernorts höchst skeptisch sehen – in Sachsen-Anhalt etwa.

          Als Teil des Teams Laschet soll Merz dort nun im laufenden Landtagswahlkampf mithelfen. Auch im Osten belebt der Wundername Friedrich Merz schon seit Jahren zuverlässig die Phantasie von weiten Teilen der CDU. In der offenen Feldschlacht um die Kanzlerkandidatur mit Söder war es für Laschet umso hilfreicher, dass sich Merz unmissverständlich auf seine Seite stellte und damit verhinderte, dass noch größere Teile seiner Anhänger zum CSU-Chef überliefen.

          Armin Laschet hat Routine darin, auch frühere Gegner und Skeptiker um sich zu scharen, um eigene Schwächen auszugleichen. Nach dem Motto „binde ein und herrsche“ stellte der nordrhein-westfälische Ministerpräsident 2017 sein Landeskabinett zusammen.

          Laschet hegte Spahn frühzeitig ein

          Der bisher erstaunlichste Coup gelang Laschet aber, als er sich Anfang 2020 den ehrgeizigen Jens Spahn im Ringen um den CDU-Vorsitz als Teamspieler holte und damit einen weiteren möglichen Konkurrenten frühzeitig einhegte. Eine Zeitlang gab es dann in der Partei das Gerücht, Laschet werde Bundesgesundheitsminister Spahn die Kanzlerkandidatur überlassen. Mit dem demoskopischen Zeitrafferabsturz des vormaligen Umfragekönigs Spahn erledigte sich das Gerede.

          Nie zuvor war in der CDU so viel NRW wie aktuell. Für Laschet ist das ein Problem, das er in der Runde mit den baden-württembergischen Parteifreunden am Dienstagabend bemerkenswert offen ansprach. Er sei sich bewusst, dass es viele Aspiranten aus Nordrhein-Westfalen auf höhere Posten im Bund gebe. Laschet nannte Merz, den Außenpolitiker Norbert Röttgen (der Anfang des Jahres auch gerne CDU-Chef geworden wäre), den CDU/CSU-Fraktionsvorsitzenden Ralph Brinkhaus und Jens Spahn.

          Alle seien „Mann, katholisch, Nordrhein-Westfalen“, so der ebenfalls katholische nordrhein-westfälische Ministerpräsident. Die CDU brauche aber „mehr Diversität“. Das sollte wohl heißen: Selbst im Fall eines Sieges bei der Bundestagswahl gibt’s keine Job-Garantien. Nur für seinen neuen Teampartner scheint eine Ausnahme zu gelten: Friedrich Merz sei „eine andere Kategorie“.

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