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Die Risiken der Legalisierung : Kiffen für die Freiheit

Cannabis ist die am häufigsten konsumierte illegale Droge in Deutschland. Jahrelang war der Konsum rückläufig, doch dieser Trend scheint sich nun wieder umgekehrt zu haben. Im Jahresbericht der DBDD heißt es: „Eine deutliche Imageverbesserung hat im vergangenen Jahr stattgefunden und Cannabis-Konsum wird unproblematischer als zuvor gesehen.“ In Amerika haben die zuständigen Behörden bei jungen Leuten einen Anstieg des Konsums von Cannabis schon statistisch nachweisen können, zugleich ging die Angst der Kiffer vor den Risiken der Droge deutlich zurück. Im aktuellen Welt-Drogen-Report der Vereinten Nationen wird beides auf die Lockerung der Normen in einigen amerikanischen Bundesstaaten zurückgeführt.

Vor allem ein früher Konsumbeginn führt schnell zur Abhängigkeit. Von den Deutschen, die Erfahrungen mit der Droge haben, erfüllen laut Studien 600.000 die Kriterien für Cannabis-Abhängigkeit oder -Missbrauch. Vor allem Jugendliche, die vor dem 15. Lebensjahr mit dem Kiffen beginnen, müssen mit erheblichen Schäden rechnen. Denn durch den längeren Cannabis-Konsum geraten offenbar körpereigene Stoffe, die für die Hirnreifung bedeutsam sind, aus der Balance. Exzessive Kiffer sind oft antriebslos, haben Schwierigkeiten mit der Aufmerksamkeit, beim Lernen und mit ihrer Gedächtnisleistung, fallen in Schule und Uni zurück, können ihren Alltag immer schlechter bewältigen. Zudem sehen Forscher im Cannabis-Konsum eine Ursache für Psychosen.

Viel zu lange auf Tabak und Alkohol konzentriert

Auch die Psychologin Eva Hoch glaubt, dass die Verharmlosung von Cannabis „ein echtes Problem“ ist. Sie hat zusammen mit anderen Suchtforschern der TU Dresden vor zehn Jahren das Modellprojekt „Candis I“ entwickelt, um Süchtigen zu helfen, ohne Cannabis zu leben. In der vom Bund finanzierten Folgestudie „Candis II“ konnte die Wirksamkeit der Therapie bestätigt werden. Etwa die Hälfte der Teilnehmer schaffte es, nach der Therapie ohne das Rauschgift auszukommen. Immerhin ein Drittel war es auch noch sechs Monate später. 2009 lief die Förderung für „Candis“ aus. Die Psychologin klagt über große gesundheitspolitische Versäumnisse in Deutschland. Beim Thema Prävention habe sich die Politik viel zu lange auf die legalen Drogen Tabak und Alkohol konzentriert. „Es ist schon merkwürdig, die Schäden durch Cannabis sind wissenschaftlich belegt, noch nie waren so viele Leute wegen Cannabis in Behandlung wie heute und gleichzeitig erleben wir eine wachsende Legalisierungsbewegung.“

Die grüne nordrhein-westfälische Gesundheitsministerin Barbara Steffens, die sich zuletzt mit einem strikten Rauchverbotsgesetz einen Namen gemacht hat, sagt: „Gefahren von Drogen, ob legal oder Illegal, dürfen grundsätzlich nicht kleingeredet werden.“ Eine Entkriminalisierung von Cannabis-Konsumenten könne dazu beitragen, deren Risiken zu minimieren. Als Befürworterin der Legalisierung will sich Steffens gleichwohl nicht zu erkennen geben. Auf die Frage, ob sie sich vorstellen kann, sich wie ihre Parteifreund Özdemir mit einer Hanfpflanze zu präsentieren, lässt sie ihren Sprecher ausrichten: „Da die Ministerin keine Hanfpflanze hat, stellt sich diese Frage nicht.“

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