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Burnout : Ausgebrannt in der Liegehalle

  • -Aktualisiert am
Liegekur: Nicht reden, nicht lesen, nicht Musik hören. Nur liegen
          10 Min.

          Es sind noch einige Kilometer bis Braunlage und es hört nicht auf zu regnen. An Tagen wie diesen fällt die Vorstellung besonders schwer, dass der Harz einst ein beliebtes Reiseziel für wohlhabende Stadtmenschen war. Um die Jahrhundertwende kamen sie in Scharen in die Sanatorien, jener Mischung aus Grand Hotel und Krankenhaus, von der sie sich Heilung erhofften: von Tuberkulose oder Asthma, Herzschwäche, Diabetes und der Hektik des Stadtlebens.

          Dass diese Zeit lange vorbei ist, lässt sich in Braunlage nicht verbergen. Seit die Mauer fiel, mussten immer mehr Hotels schließen. Die Häuser verfallen, weil niemand kommt, der sich um sie kümmert. Seit vier Jahren gibt es hier Veranstaltungen wie die Nacktrodel-WM: Dann fallen an einem Tag Tausende in den Ort ein. Aber sie bleiben nicht lange. Anders ist das in jenem großen Jugendstilbau, der von der ehemaligen Villen-Siedlung Hütteberg auf die kleine Stadt hinabblickt. Im „Sanatorium Barner“ ist seit etwa vier Jahren kaum ein Zimmer frei, ob im Sommer oder im Winter. Das hat auch damit zu tun, dass die psychosomatische Klinik den Begriff „Burnout-Syndrom“ in ihr Behandlungskonzept aufgenommen hat.

          Seit Friedrich Barner das Sanatorium im Winter 1899/1900 eröffnete, hat sich vieles verändert und gleichzeitig scheint in dem Haus die Zeit stehen geblieben zu sein. An den Wänden hängen noch immer die Linkrusta-Tapeten, die der Darmstädter Architekt Albin Müller aussuchte, als er das Haupthaus Anfang des 20. Jahrhunderts einrichtete, und auch die Möbel, die Friedrich Barner anfertigen ließ, sind noch da. Im Kurpark steht eine Lufthütte, im Musiksaal ein alter Flügel. Und noch immer kommen Menschen hierher, die auf Heilung hoffen.

          Das Sanatorium Dr. Barner im Harz
          Das Sanatorium Dr. Barner im Harz : Bild: Pilar, Daniel

          Für Werner Hufnagel gibt es keinen besseren Ort. Seit er im vergangenen Herbst zum ersten Mal die Internetseite des Sanatoriums besucht hatte, wusste er, dass er hierher wollte. Sein Therapeut hatte ihm das Haus empfohlen. Damals stand Werner Hufnagel, der eigentlich anders heißt, im Verdacht, unter dem zu leiden, was im vergangenen Jahr den Stempel „Volkskrankheit“ aufgedrückt bekommen hat: Burnout. Ein Begriff, in dessen Umfeld prominente Namen und vor allem viele Zahlen kursierten: einmal waren es 100.000 Betroffene, dann sogar neun Millionen, in jedem Fall aber mit einer großen Dunkelziffer.

          Nun ist es Januar, und Werner Hufnagel, 53 Jahre alt, ist seit vier Wochen in Braunlage. Er erinnert sich genau an jenen Mittwochmorgen im vergangenen Sommer, als er vor seinem Chef saß, um ihm zu sagen, dass er dringend eine Pause benötige. Die Gedanken um die Themen im Büro hatten ihn nicht mehr schlafen lassen. Und wenn er dann mitten in der Nacht seinen Blutdruck maß, sprang der Zeiger oft auf 180. Humor, Fröhlichkeit, der Spaß - alles weg. In seiner Firma hatte es schon zuvor Burnout-Verdachtsfälle gegeben. Und natürlich hatte Hufnagel aus den Medien davon gehört. Er hat auch einmal einen dieser Tests gemacht, die es im Internet und in Zeitschriften gibt, um herauszufinden, ob er gefährdet sei. Laut Punktzahl war er das. Hufnagel beschloss, sich in Behandlung zu geben. Vier Monate später war er in Braunlage.

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