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Burkini-Verbot in Konstanz : Aufreizende Bademode

Eine muslimische Schülern im Burkini im Schwimmbad Bild: dpa

Im vergangenen Sommer wollte eine Muslimin ein Konstanzer Strandbad in einem Burkini besuchen und wurde abgewiesen. Nun tobt ein Streit, ob das Verbot des Ganzkörperbadeanzugs die Religionsfreiheit beschränkt.

          Konstanz, Deutschlands südlichste Universitätsstadt, ist ein Badeparadies. Es gibt schick sanierte Strandbäder, die Bodensee-Therme mit allen erdenklichen Wellness-Angeboten und das eher profane Schwaketenbad. Am 10. Juli 2013 ereignete sich dort ein Vorfall, der nun die Politik und demnächst die Gerichte beschäftigen dürfte: Die in Konstanz geborene, türkischstämmige Ela B. wollte mit ihren zwei Kindern ein erfrischendes Bad nehmen. Die Muslimin kündigte beim Betreten des Schwaketenbades an, sie werde einen Ganzkörperbadeanzug tragen, der nur Hände, Füße und das Gesicht unbedeckt lasse. Daraufhin verwehrte man ihr den Zugang.

          Rüdiger Soldt

          Politischer Korrespondent in Baden-Württemberg.

          Zwar sind solche „Burkinis“ nicht explizit verboten, doch sind in der etwas älteren Bäderordnung grundsätzlich Ganzkörperbadeanzüge untersagt. Als die Ordnung verfasst wurde, hatten offenbar einige Supersportler und Taucher die Neigung, in Schwimm- oder Neoprenanzügen in die städtischen Schwimmbäder zu kommen – das wollte man nicht. Maßgeblich für das Verbot waren hygienische Gründe.

          Kulturkampf im Internet

          Auf die türkischstämmige, in Konstanz geborene Frau wird also ein Verbot angewandt, das eigentlich eine andere Zielrichtung hatte. Der Leiter der städtischen Bäderverwaltung würde an der Regelung gern festhalten: In einem Schreiben an die Integrationsbeauftragte der Stadt macht er die bekannten hygienischen Gründe geltend, er argumentiert aber auch, dass sich andere Badegäste durch die „korankompatiblen Badekleider“ verunsichert oder gar bedroht fühlen könnten.

          Im Internet tobt mittlerweile über den Konstanzer Fall ein Kulturkampf mit den erwartbaren Argumenten: Die Befürworter eines Burkiniverbots wettern gegen die Anmaßung der „islamischen Herrenrasse“, was schon semantisch bedenklich ist. Die Gegner eines Burkiniverbots warnen vor Einschränkungen der Religionsfreiheit.

          Am Ende wird der Streit wohl vom Verwaltungsgericht entschieden: Ela B. will demnächst eine Klage einreichen. Der Stadt Konstanz liegt der Entwurf der Klageschrift schon vor. Bei der Entscheidung des Gerichts dürfte ein Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom vergangenen Jahr eine Rolle spielen: Eine muslimische Schülerin aus Frankfurt wollte vom koedukativen Schwimmunterricht befreit werden, weil die Teilnahme nicht mit den muslimischen Bekleidungsvorschriften vereinbar sein. Das Gericht entschied, das Tragen eines islamgerechten Ganzkörperanzugs sei akzeptabel, die Befreiung vom Unterricht aus religiösen Gründen müsse in einer pluralistischen Gesellschaft die absolute Ausnahme bleiben.

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