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Vollverschleierung : Schülerin weigert sich, ihren Nikab abzulegen

  • Aktualisiert am

An manchen Schulen bereits verboten: der Nikab Bild: dpa

In Belm beharrt eine Schülerin darauf, ihren Nikab zu tragen. Das Verwaltungsgericht Osnabrück hat in einem anderen Fall erst kürzlich einem Verbot zugestimmt. Eine landesweite Richtlinie fehlt.

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          In Frankreich und in Belgien gilt in der Öffentlichkeit ein generelles Verschleierungsverbot. In den Niederlanden hingegen ist das Verbot nur auf den Straßenverkehr und staatliche Institutionen wie Krankenhäuser und Schulen beschränkt.

          Letztere Variante - ein partielles Verbot von Burka und Nikab - fordern die Innenminister der Union. In der Schule kollidieren bis dato die Religionsfreiheit und das staatliche Bestimmungsrecht im Schulwesen. Zu lokalen Verboten ist es bereits gekommen. Zuletzt entschied im August dieses Jahres das Verwaltungsgericht Osnabrück, einer Abendgymnasiastin das Tragen ihres Nikabs zu untersagen. Grund dafür war auch, dass die 18 Jahre alte Schülerin zu dem Termin nicht erschienen ist, nach eigenen Angaben wegen des großen Medieninteresses.

          Nach einem Bericht des NDR teilten ihre Mitschüler die Ansicht, dass ein Vollschleier hinderlich für das persönliche Miteinander sei. Ähnlich lautete die Begründung der niedersächsischen Landesschulbehörde, die der Schulleitung darin zustimmte, sie könne bei vollverschleierten Schülerinnen ihrem Bildungsauftrag nicht nachkommen. Zu offener Kommunikation gehöre neben dem gesprochenem Wort auch Mimik und Körpersprache.

          Verfassungsschutz informiert

          Schon im April 2014 hatte der Bayrische Verwaltungsgerichtshof das Verschleierungsverbot an einer Berufsoberschule für rechtens erklärt. Er argumentierte ähnlich wie jetzt das Verwaltungsgericht in Osnabrück: der Gesichtsschleier behindere die Kommunikation zwischen Lehrern und Schülern. In beiden Fällen lautet der Beschluss, dass die Glaubensfreiheit beschränkt werden darf, wenn sie dem staatlichen Bildungs- und Erziehungsauftrag im Weg steht.

          Bisher gibt es in Deutschland aber kein landesweites Verbot. Daher wird es sicher noch ein paar weitere Fälle wie den Fall aus Belm bei Osnabrück geben. Dort besucht eine Achtklässlerin seit dem Schuljahr 2013/14 eine Oberschule in Nikab. Die Schulleiterin meldete dies allerdings erst jetzt an die Landesschulbehörde, nachdem sie von der Entscheidung des Osnabrücker Verwaltungsgerichtes gehört hatte.

          Bislang weigert sich die Schülerin, ihren Nikab abzulegen. Die Schulleiterin wollte sich nach einem Bericht der Neuen Osnabrücker Zeitung nicht zu dem konkreten Fall äußern. Dabei sei sogar der Verfassungsschutz von der Landesschulbehörde informiert worden, sagte ein Sprecher des Innenministeriums. Die im Aufbau befindliche Kompetenzstelle Islamismusprävention sei eingeschaltet und stelle sicher, dass der Verein für jugend- und familienpädagogische Beratung tätig werde.

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