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Bundeswehrreform : Weises klare Sprache

Keinesweg ein Frühstücksdirektor: Arbeitsagentur-Chef Frank-Jürgen Weise Bild:

Frank-Jürgen Weise, im Hauptberuf Chef der Bundesagentur für Arbeit, mag vielleicht mit weichen fränkischen Konsonanten sprechen. Doch die Worte, die er im Bericht der Bundeswehr-Strukturkommission fand, waren knüppelhart. Das kommt nicht von ungefähr.

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          Ob Verteidigungsminister zu Guttenberg mit glänzender Menschenkenntnis gehandelt oder einfach Glück gehabt hat, als er im Frühjahr die Mitglieder seiner Strukturkommission auswählte, lässt Frank-Jürgen Weise offen. Er scheint sogar selbst überrascht gewesen zu sein, wer ihm da zugesellt worden ist, um binnen eines halben Jahres die Strukturen der Bundeswehr zu durchforsten. Aber nun, da das Ergebnis in Form einer gut hundert Seiten langen Broschüre vorliegt, steht für Weise, der eher Koordinator denn Vorsitzender dieser Kommission war, fest: „Die Kombination war glücklich:“

          Stephan Löwenstein
          Politischer Korrespondent mit Sitz in Wien.

          Die Kombination, das war: Ein Soldat (General Lather), zwei Männer aus der Wirtschaft (Heinrich Driftmann und Jürgen Kluge), eine frühere Rechnungshof-Chefin (Hedda von Wedel) und ein altgedienter Politiker (Hans-Ulrich Klose). Diese machtgewohnten und sicherlich in vielen Sachfragen auch im wörtlichen Sinne eigenwilligen Persönlichkeiten zu einer geräuschlos und zügig arbeitenden Kommission zusammenzubinden und am Ende ein prägnant formuliertes Ergebnis vorzulegen, ist eine der zentralen Leistungen Weises bei dieser Aufgabe. Und die hat er neben seinem Amt als Chef der Bundesagentur für Arbeit wahrgenommen, das auch kein Posten für einen Frühstücksdirektor sein soll.

          Weise, der vor 59 Jahren in Sachsen geboren, aber in Schweinfurt aufgewachsen ist und somit im weiteren Sinne mit Minister Guttenberg die Landsmannschaft teilt, spricht mit weichen fränkischen Konsonanten. Doch die Sprache, die der Bericht der Kommission in seinem analytischen Teil spricht, ist knüppelhart: „Die allgemeine Verantwortungsdiffusion im Ministerium macht eine gezielte, sachgerechte und energische Steuerung unmöglich:“ Gut ausgebildete und hochmotivierte Mitarbeiter stünden einander im Wege. Diese Erfahrung, erzählt der Oberst der Reserve, habe er auch während einer Wehrübung gemacht, die er in diesem Sommer im Ministerium absolvierte.

          Und was macht er jetzt?

          Disziplin und klare Sprache mag er bei der Bundeswehr ausgeprägt haben, der er nach 1972 für zwölf Jahre als Zeitsoldat angehört hat. Danach ging er in die Wirtschaft, Unternehmen der Automobil- und der Maschinenbaubranche. Wie der Vater zweier erwachsener Kinder in dieser Zeitung einmal sagte, würde er im Rückblick nicht noch einmal „so viel Zeit und Energie in den Beruf setzen mit jahrelangen Trennungen von der Familie“.

          Die Bundeswehr blieb auch für seinen beruflichen Werdegang prägend, nicht nur wegen der Reserveübungen. Denn als der Sozialdemokrat Florian Gerster 2002 als neuer Chef der Bundesagentur für Arbeit einen Teil der „Hartz-Reformen“ in die Tat umzusetzen hatte und hierfür Mitstreiter suchte, entsann er sich seines einstigen Kameraden Weise (ungeachtet dessen Mitgliedschaft in der CDU). Als Gerster zwei Jahre später unter allerlei Beigeräuschen zu gehen hatte, rückte Weise an die Spitze der Agentur nach, die er nach Einschätzung von Fachleuten mit langem Atem erfolgreich umgestaltet hat. Und was macht er jetzt? „Ich muss jetzt in meine BA zurückgehen und brav meine Aufgaben erledigen.“

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