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Bundeswehr : Zehn Millionen Deutsche sind nun Veteranen

Sie sind Veteranen: Reservisten der Bundeswehr in der Henning-von-Tresckow Kaserne in Oldenburg, begrüßt von Ursula von der Leyen (Archivbild) Bild: dpa

Verteidigungsministerium und militärische Verbände legen einen jahrelangen Streit bei. Die Grünen sprechen von Herummogelei – und die Linken von einem Verklärungsversuch.

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          Nach Jahren des Streits haben sich das Verteidigungsministerium und die größten militärischen Interessenvertretungen darauf verständigt, wer in Deutschland als Veteran gilt. Das geht aus einem Bericht der „Bild am Sonntag“ (Bams) hervor. Gemäß der Definition, die ab sofort gilt, fallen unter den Begriff sämtliche Soldaten, die je in der Bundeswehr gedient haben. Aktive werden  ebenso erfasst wie Reservisten, die nur zeitweise in den Streitkräften dienen sowie ehemalige Soldaten, die die deutschen Streitkräfte endgültig verlassen haben. Damit gibt es in Deutschland nunmehr zehn Millionen Menschen, die sich Veteranen nennen dürfen. Ausgenommen von der Regelung sind Bundeswehrsoldaten, die unehrenhaft aus dem Dienst entlassen wurden. Auch Angehörige der Nationalen Volksarmee (NVA) gelten nicht als Veteranen, so sie nicht im Anschluss von der Bundeswehr übernommen wurden.

          Verteidigungsministerium Ursula von der Leyen (CDU) begrüßte die Einigung. Alle Veteranen eine, dass sie sich in Bundeswehruniform für Frieden und Freiheit Deutschland eingesetzt hätten, sagte sie der Bams. „Dafür gebührt ihnen ein Leben lang Respekt und Anerkennung. Ähnlich äußerten sich auch die Vorsitzenden des Deutschen Bundeswehrverbandes und des Reservistenverbandes.

          Neu: „Versuch einer Verklärung“

          Kritik erntete die Ministerin aus der Opposition des Deutschen Bundestags. Der verteidigungspolitische Sprecher der Grünen, Tobias Lindner, sagte der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, Ursula von der Leyen habe sich mit der größtmöglichen Definition um die schwierige Frage „herumgemogelt“, was ein Veteran sei. Die Umbenennung löse keine Probleme von Soldaten, die unter den Spätfolgen von Auslandseinsätzen litten.

          Verteidigungspolitiker Alexander Neu (Linke) sprach gegenüber der F.A.Z. vom „Versuch einer Verklärung“, die auf ein Selbstbewusstseinsdefizit bei Soldaten und Politikern schließen lasse. Zugleich bemängelte Neu, dass NVA-Angehörige nicht miteingeschlossen werden. „Das wäre mit Blick auf eine echte Einheit und diejenigen Ostdeutschen sinnvoll gewesen, die ihrem Land gedient haben.“ Ob die Definition Folgen für die Veteranen haben wird, ist offen. Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums sagte der F.A.Z., man werde aufarbeiten, wie sie konkret umzusetzen sei.

          Die Debatte um den Veteranenstatus war 2012 vom damaligen Verteidigungsminister Thomas de Maizère (CDU) angesichts der Auslandseinsätze der Bundeswehr, vor allem in Afghanistan, begonnen worden. Am Hindukusch waren in den Jahren zuvor Dutzende Soldaten gefallen und zahlreiche weitere bei Kämpfen mit den Taliban verwundet worden. Hinzu kamen weitere Soldaten mit posttraumatischen Belastungsstörungen. Im Koalitionsvertrag 2013 hatte sich die Bundesregierung dazu verpflichtet, die Verantwortung für Veteranen zu übernehmen– ohne jedoch genau zu sagen, wen sie damit meint.

          In Amerika und Großbritannien gilt wie nun auch hierzulande jeder Soldat als Veteran. Dabei genießen vor allem in Amerika Veteranen Vergünstigungen, etwa in Form von Rabatten. In den Niederlanden und Dänemark müssen Soldaten im Auslandseinsatz gewesen sein, um als Veteran zu gelten. Wieder andere Staaten wie zum Beispiel Israel haben den Begriff nie präzise festgelegt.

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