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Bundeswehr sucht Personal : Auch EU-Ausländer sollen für die Deutschen dienen

Personalmangel bei der Bundeswehr: EU-Bürger für spezielle Tätigkeiten, wie IT-Spezialisten oder Ärzte sollen nun angeworben werden. Bild: dpa

Die Bundeswehr sucht weiterhin nach Personal. Jetzt sollen auch EU-Ausländer rekrutiert werden dürfen – Deutschlands Nachbarländer sind von diesem Vorhaben wenig begeistert.

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          Die Bundeswehr soll verstärkt auch EU-Ausländer rekrutieren, um ihren Personalbedarf zu decken. Die grundsätzliche Absicht ist nicht neu, schon im Weißbuch von 2016 ist davon die Rede. Dennoch hat es in einigen Nachbarländern Kritik hervorgerufen, dass das Verteidigungsministerium kurz vor Weihnachten das Thema forciert hat. „Eine Option“ sei es, EU-Bürger für spezielle Tätigkeiten anzuwerben, beispielsweise IT-Spezialisten oder Ärzte, hieß es. Demzufolge ginge es um wenige handverlesene Fachkräfte. Etwas weniger zurückhaltend klingt das Ganze in einem internen Papier, aus dem der „Spiegel“ zitierte: Allein in den Gruppen der in Deutschland lebenden Polen, Italiener und Rumänen könnte man einer dort angestellten Überlegung zufolge 50.000 mögliche Bewerber ansprechen.

          Gerhard Gnauck
          Politischer Korrespondent für Polen, die Ukraine, Estland, Lettland und Litauen mit Sitz in Warschau.
          Stephan Löwenstein
          Politischer Korrespondent mit Sitz in Wien.

          Besonders harsch klang das Echo in der Tschechischen Republik. Verteidigungsminister Lubomír Metnar sagte zurückhaltend, er kenne die Pläne nicht im Detail, doch beobachte er die Diskussion genau und wolle den deutschen „Rekrutierungsplan“ auf bilateraler Ebene klären. Druck bekommt er aus dem Parlament. Die Abgeordnete Jana Černochová von der liberalen ODS, die dem Verteidigungsausschuss in Prag vorsitzt, verlangte, die Regierung solle offiziell Bedenken gegen das drohende „Ausrauben“ der tschechischen Armee anmelden. Jaroslav Foldyna, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der sozialdemokratischen ČSSD, fühlte sich an mittelalterliche Praktiken erinnert. Den Vogel schoss natürlich Tomio Okamura ab, Chef der rechtsextremen Partei SPD. Er zog gleich Parallelen zur Waffen-SS, in der im Zweiten Weltkrieg schließlich auch Bürger aus mehreren europäischen Staaten gekämpft hätten. Ein Kommentator der Zeitung „Lidové noviny“ machte die Beobachtung, dass in Deutschland die personelle Krise der Armee ähnlich behandelt werde wie die demographische Krise in der Zivilgesellschaft: Statt die eigene Politik zu ändern, würden Migranten und Rekruten aus dem Ausland importiert.

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