https://www.faz.net/aktuell/politik/inland/bundeswehr-was-der-bundestag-geloben-sollte-16482076.html

Bundeswehr : Was der Bundestag geloben sollte

„Augen rechts“: Rekruten der Bundeswehr beim öffentlichen Gelöbnis vor dem Reichstagsgebäude Bild: dpa

Die Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr müssen erleben, dass sie vom Volk und dessen Vertretern nicht als Söldnertruppe betrachtet werden, mit der man nichts zu tun haben will.

          1 Min.

          Sechs Jahre hat es gedauert, bis die Bundeswehr, die gerne Parlamentsarmee genannt wird, wieder zu einem feierlichen Gelöbnis vor dem Parlament antreten durfte. Wird es jetzt zu der Militarisierung der Gesellschaft, der Außenpolitik und vielleicht auch noch der Milchwirtschaft kommen, vor der bei solchen Gelegenheiten so reflexhaft gewarnt wird, dass man die Warnung schon für einen Teil des Rituals halten kann?

          Wohl kaum. Noch immer müssen die Soldaten, die auf solchen Veranstaltungen schwören oder geloben, „das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen“, vor Übergriffen gewaltbereiter Demonstranten geschützt werden, die jedenfalls kein Problem mit der Militarisierung des Protests haben.

          Doch der Rückzug in die Kasernenhöfe oder in die Einsamkeit eines Hochgebirgsübungsplatzes war und wäre keine gute Entscheidung. Insbesondere seit der Aussetzung der Wehrpflicht ist es nötiger denn je, dem Volk, dessen Recht und Freiheit verteidigt wird, zu zeigen, wer sich dieser Aufgabe aus freien Stücken verschrieben hat. Und die Soldatinnen und Soldaten müssen erleben, dass sie vom Volk und dessen Vertretern im Bundestag nicht als Söldnertruppe betrachtet werden, mit der man in der Öffentlichkeit möglichst wenig zu tun haben will.

          Der Bundestag sollte geloben, die Bundeswehr mindestens einmal im Jahr zu einem Gelöbnis direkt vor seinen Toren einzuladen. An geschichtsträchtigen Gelegenheiten dazu fehlt es in Deutschland nicht.

          Berthold Kohler
          Herausgeber.

          Weitere Themen

          Bisher hat sie zugespitzt und provoziert

          FAZ Plus Artikel: Ferda Ataman : Bisher hat sie zugespitzt und provoziert

          Die Kandidatin für das Amt der Antidiskriminierungsbeauftragten soll an diesem Donnerstag im Bundestag gewählt werden. Die Union hält Ferda Ataman wegen ihres Hangs zur Provokation für ungeeignet. Auch im Regierungslager gibt es Kritiker.

          Topmeldungen

          Hat einen Plan: Bundeswirtschaftsminister und Vize-Kanzler Robert Habeck (Grüne)

          Energiesicherheit : Der Gas-Notfallplan für den Herbst

          Die Regierung plant die Uniper-Rettung und rüstet sich für eine mögliche Gassperre in der kommenden Woche. Wie das genau ablaufen könnte: Hier sind die wichtigsten Fragen und Antworten.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.