https://www.faz.net/-gpf-9t9ng

Bundeswehr : Was der Bundestag geloben sollte

„Augen rechts“: Rekruten der Bundeswehr beim öffentlichen Gelöbnis vor dem Reichstagsgebäude Bild: dpa

Die Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr müssen erleben, dass sie vom Volk und dessen Vertretern nicht als Söldnertruppe betrachtet werden, mit der man nichts zu tun haben will.

          1 Min.

          Sechs Jahre hat es gedauert, bis die Bundeswehr, die gerne Parlamentsarmee genannt wird, wieder zu einem feierlichen Gelöbnis vor dem Parlament antreten durfte. Wird es jetzt zu der Militarisierung der Gesellschaft, der Außenpolitik und vielleicht auch noch der Milchwirtschaft kommen, vor der bei solchen Gelegenheiten so reflexhaft gewarnt wird, dass man die Warnung schon für einen Teil des Rituals halten kann?

          Wohl kaum. Noch immer müssen die Soldaten, die auf solchen Veranstaltungen schwören oder geloben, „das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen“, vor Übergriffen gewaltbereiter Demonstranten geschützt werden, die jedenfalls kein Problem mit der Militarisierung des Protests haben.

          Doch der Rückzug in die Kasernenhöfe oder in die Einsamkeit eines Hochgebirgsübungsplatzes war und wäre keine gute Entscheidung. Insbesondere seit der Aussetzung der Wehrpflicht ist es nötiger denn je, dem Volk, dessen Recht und Freiheit verteidigt wird, zu zeigen, wer sich dieser Aufgabe aus freien Stücken verschrieben hat. Und die Soldatinnen und Soldaten müssen erleben, dass sie vom Volk und dessen Vertretern im Bundestag nicht als Söldnertruppe betrachtet werden, mit der man in der Öffentlichkeit möglichst wenig zu tun haben will.

          Der Bundestag sollte geloben, die Bundeswehr mindestens einmal im Jahr zu einem Gelöbnis direkt vor seinen Toren einzuladen. An geschichtsträchtigen Gelegenheiten dazu fehlt es in Deutschland nicht.

          Weitere Themen

          Berliner: „Wer soll denn das bezahlen?“ Video-Seite öffnen

          Gekippter Mietendeckel : Berliner: „Wer soll denn das bezahlen?“

          Nachdem das Bundesverfassungsgericht den Berliner Mietendeckel für nichtig erklärt hat, zeigen sich viele Berliner besorgt. Denn Mieter müssen nicht gezahlte Mieten nun nachzahlen. Michael Müller will prüfen „inwieweit soziale Härten bei Nachforderungen an Mieter abgefedert werden können“.

          Werden sie das Taiwan-Problem benennen?

          Japan und Amerika : Werden sie das Taiwan-Problem benennen?

          Es ist mehr als 50 Jahre her, dass sich die Regierungschefs Japans und Amerikas gemeinsam zu Taiwan geäußert haben. Wenn Ministerpräsident Suga am Freitag bei Joe Biden ist, könnte es wieder so weit sein – zum großen Ärger Pekings.

          Topmeldungen

          Ein Kubaner wird in einem Test mit dem Corona-Impfstoff-Kandidaten Soberana 2 geimpft.

          Raúl Castro tritt in Kuba ab : Brüder, zur Sonne, zur Impfung

          Weil sie sonst wenig vorzuweisen hat, setzt Kubas Regierung die Hoffnung auf seine Impf-Forscher und ein paar Reformen: Raúl Castro gibt die Parteiführung ab – an einen Hardliner. Doch der eigentliche starke Mann ist ein anderer.
          Der französische Präsident Emmanuel Macron am 17. März bei einem Krankenhausbesuch am Stadtrand von Paris

          Öffnungen in Frankreich : Macron kümmert sich nicht um Inzidenzwerte

          Frankreich arbeitet an einem abgestuften Öffnungsplan nach britischem Vorbild – trotz hoher Infektions- und Todeszahlen. Inzidenzen oder die Auslastung der Intensivstationen sollen bei den Lockerungen keine Rolle spielen.

          Baerbock oder Habeck : Wer kann besser Kanzler?

          Am Montag verkünden die Grünen, wen sie ins Rennen um das Kanzleramt schicken. Wer sich durchsetzt, ist offen. Beide Kandidaten haben Schwächen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.