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Bundeswehr-Einsätze : Die Deutschen an die Front!

Schnelligkeit – darum geht es auch bei der neuen Eingreiftruppe des Bündnisses, die in Wales beschlossen wurde. Künftig sollen mehrere tausend Mann binnen einer Woche an einen Krisenherd verlegt werden können, samt Ausrüstung. Die ersten sollen sogar schon nach 48 Stunden abmarschbereit sein. So kurze Vorwarnzeiten hat es seit dem Ende des Kalten Krieges nicht mehr gegeben, und die Verlegung von großen Kampfverbänden ist in den letzten Jahrzehnten ebenfalls nicht mehr üblich. Es gibt in Europa überhaupt nur ein paar Staaten, die einen solchen Einsatz stemmen können.

Von der Leyen auf dem Gaspedal

Deutschland gehört dazu – und steht plötzlich auf dem Gaspedal. Seit Mitte Januar führt das Deutsch-Niederländische Korps in Münster die Landstreitkräfte der schon länger bestehenden Nato-Eingreiftruppe (Nato Response Force). Sie wird nun zusätzlich das Versuchskaninchen für die schnelle Eingreiftruppe, die „Speerspitze“ der Allianz. Bundeswehr-Soldaten werden ein Jahr lang proben, wie sich der Beschluss von Wales in die Praxis umsetzen lässt. So haben es die Außenminister der Mitgliedstaaten im Dezember beschlossen.

Dabei hatte von der Leyen ihre Finger im Spiel. Nach dem Gipfel von Wales erkannte sie eine Chance: Berlin hatte für 2015 ohnehin 4000 Soldaten für die Nato-Eingreiftruppe angemeldet – lange vor der Ukraine-Krise. Gute Voraussetzungen, um ohne viel innenpolitisches Aufsehen die neuen Vorgaben zu testen. Der Generalinspekteur überzeugte seine Kollegen in den Niederlanden und Norwegen von der Idee. Ende November unterbreiteten sie dem Nato-Oberbefehlshaber ihr Angebot. Dem kam das wie gerufen.

Einsatztruppe: Anrufketten wie in der Grundschule

Den Kern der Truppe bildet eine niederländische Luftlandebrigade mit knapp 3000 Mann: größtenteils leicht bewaffnete Infanteristen. Die Deutschen stellen ein Panzergrenadierbataillon aus Marienberg in Sachsen mit 900 Mann, die Norweger schnell verlegbare Artillerie. Dazu kommen 450 Mann aus dem multinationalen Hauptquartier des Deutsch-Niederländischen Korps. Die meisten Soldaten waren schon in Afghanistan oder im Irak eingesetzt.

Ihre erste Aufgabe besteht nun darin, die hohe Einsatzbereitschaft sicherzustellen. Für die Soldaten heißt das, dass sie in bestimmten Zeiten keinen Urlaub nehmen und sich am Wochenende nicht allzu weit von ihrem Standort entfernen dürfen. Daueraufenthalt in der Kaserne ist nicht geplant – schließlich gebe es ja Mobiltelefone, heißt es bei der Truppe. Und Anrufketten wie in jeder Grundschule. Ob das auch praktisch funktioniert, soll demnächst in einer internen Übung ermittelt werden. Im Frühjahr steht der erste Nato-Test an.

Der Bundestag hat Rückholrecht

Die zweite große Aufgabe betrifft die Logistik. Die Bundeswehr hat zwar seit Afghanistan Erfahrung mit der Verlegung von Truppen und schwerem Gerät über weite Strecken, doch hatte sie dafür viel Zeit. Nun soll alles rasend schnell gehen, und es stellen sich neue Fragen: Hat die Bahn genug Flachwagen, um Schützenpanzer zu transportieren? Oder ist es einfacher, ein Schiff zu chartern, das gleichzeitig be- und entladen werden kann? Für die ganz schnellen Kräfte werden Flugzeuge gebraucht, die nur die Amerikaner haben. Im Sommer ist eine große Verlegeübung geplant, der zweite Nato-Test.

Politische Erwägungen spielen in die militärische Planung hinein. Das betrifft vor allem die Steuerung der schnellen Eingreiftruppe. Das vorläufige Konzept, über das an diesem Donnerstag die Nato-Verteidigungsminister befinden sollen, sieht nach F.A.S.-Informationen so aus: Der Nato-Oberbefehlshaber alarmiert die schnelle Eingreiftruppe. Die Truppenteile sammeln sich dann an einem gemeinsamen Ort, von dort werden sie in das Einsatzgebiet gebracht. Das erleichtert die Abstimmung und schafft Zeit für politische Beratungen, sowohl im Nordatlantikrat als auch in den Hauptstädten. In Deutschland müsste der Bundestag zusammenkommen. Falls Gefahr im Verzug ist, könnte die Bundesregierung auch im Alleingang Truppen entsenden. Der Bundestag hätte dann ein Rückholrecht.

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