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Cyberangriffe : Nerds sind teuer – zu teuer für die Bundeswehr?

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) Bild: dpa

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen stellt heute das neue Cyberkommando in Dienst. Nun muss die Bundeswehr Hacker finden, die für die Einheit arbeiten wollen. Das ist gar nicht so einfach.

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          Es herrscht Krieg, und alle gehen hin – außer der Bundeswehr. So sah die Lage im Netz jedenfalls lange aus. Russlands und Chinas Hackerarmeen wurden in den vergangenen Jahren immer aggressiver, die Amerikaner bauten ihre digitalen Kräfte kontinuierlich aus. Deutschland stand abseits. Bis jetzt. Denn an diesem Mittwoch wird in der Bundeswehr eine neue Teilstreitkraft geschaffen, der „Cyber- und Informationsraum“, kurz CIR; ein Verband für die Verteidigung nur in der virtuellen Welt.

          Morten Freidel

          Redakteur in der Politik der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung

          Er steht gleichrangig neben Heer, Marine und Luftwaffe. Das hatte die Nato immer wieder von ihren Mitgliedern gefordert. Wie wichtig es für die westlichen Demokratien ist, sich gegen Cyberangriffe zu wappnen, hat erst kürzlich der Präsidentschaftswahlkampf in den Vereinigten Staaten gezeigt, als russische Hacker E-Mails von Hillary Clinton erbeuteten. In Deutschland ist bald Bundestagswahl, auch hierzulande rechnet man mit Hackerangriffen aus Russland. Ein guter Zeitpunkt für die Gründung des CIR.

          Ausschlafen statt Morgenappell

          Die Frage ist nur: Kann die Bundeswehr die besten Hacker und Sicherheitsexperten für sich gewinnen, um Deutschlands digitale Infrastruktur wirksam zu schützen? Sie gibt sich alle Mühe. Zum Beispiel mit einer Anzeigenkampagne, die junge Leute für die Einheit begeistern soll. Die Plakate locken mit Sprüchen, die man früher flott genannt hätte, etwa: „Wir verteidigen die Freiheit. Jetzt auch im Netz“ oder „Cyberabwehr sucht Cyberabwehrkräfte“. Die dazugehörigen Fotos vermeiden jeden Anschein von Behördenarbeit oder Amtsstubenatmosphäre.

          1800 Personen will die Bundeswehr in den nächsten vier Jahren einstellen. Dafür geht sie neue Wege. Den Kulturwandel zeigt ein Konzept, das beschreibt, wie die Bundeswehr Personal gewinnen will. Es wurde vor kurzem veröffentlicht. In dem Papier steht, man wolle auch „ungediente Freiwillige und Seiteneinsteigerinnen und Seiteneinsteiger“ einstellen, zum Beispiel „Studierende, sonstige Talente oder Freiberufler“ und „Ethical Hacker, die in gemeinsamen Übungen Cyberangriffe simulieren“. Damit es gelingt, sie an die Bundeswehr zu binden, bedürfe es „unkonventioneller Methoden“. Darunter versteht die Bundeswehr vor allem flexible Arbeitszeiten und eine freie Wahl des Arbeitsortes. Statt Morgenappell und grauer Baracken soll für die Hacker also gelten: Ausschlafen und eigene Wohnung. So will die Bundeswehr genau die Leute gewinnen, die von der Bundeswehr eigentlich abgeschreckt sind.

          Und das Verteidigungsministerium geht noch weiter: Für das kommende Jahr hat Ministerin Ursula von der Leyen elf neue Professuren an der Bundeswehr-Universität in München geschaffen, alle im Bereich der digitalen Verteidigung. Außerdem entsteht dort ein riesiges Forschungszentrum, an dem die Studenten nicht nur forschen, sondern auch die Cyberabwehr üben sollen. Zwanzig Millionen Euro steckt das Ministerium allein in die Universität, ab 2021 sollen von dort jedes Jahr siebzig Absolventen zur Bundeswehr wechseln. Und dann gibt es noch das „Cyber Innovation Hub“, eine Art Brückenkopf in die Start-up-Szene. An der Spitze dieser Denkfabrik stehen drei ehemalige Digitalunternehmer, die sich jetzt im Rang eines Fregattenkapitäns und Hauptmanns um den Nachwuchs kümmern. Dazu veranstalten sie Konferenzen, auf denen junge Unternehmer und Hacker zeigen sollen, was sie drauf haben. Nebenbei basteln die dann IT-Lösungen, die auch der Bundeswehr nützen. Offensivwaffen oder Sicherheitslücken sollen sie aber nicht entwickeln.

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