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Cyberangriffe : Nerds sind teuer – zu teuer für die Bundeswehr?

Was die Bundeswehr vorhat, ist ambitioniert. Trotzdem kann man daran zweifeln, dass es ihr gelingen wird, die talentiertesten Nerds zu gewinnen. Das liegt am Markt. Inzwischen suchen nicht mehr nur Google oder Facebook nach Programmierern, die sich mit Cybersicherheit auskennen, sondern auch alle Mittelständler, die mit sensiblen Daten arbeiten. Aber es gibt viel zu wenige Fachleute, um den Bedarf des Marktes zu decken. Das treibt die Preise. Wer als Sicherheitsexperte richtig gut ist, kann mit einem Einstiegsgehalt von 90.000 bis 120.000 Euro im Jahr rechnen. Das entspricht bei der Bundeswehr ungefähr dem Sold eines Generals. Selbst wer nicht zu den Besten seiner Branche gehört, kann in der freien Wirtschaft immer noch mit einem Jahresgehalt von ungefähr 60.000 bis 70.000 Euro planen. Bei der Bundeswehr bekäme er gerade mal die Hälfte.

Deutschland fehlt, was Amerika und Israel haben

Es geht aber nicht um Geld allein. Ein IT-Experte, der in der Wirtschaft arbeitet, hat viel mehr Handlungsspielraum als bei der Bundeswehr. Denn die Netzwerkstrukturen der Armee sind veraltet. Sich um deren Instandhaltung und Verteidigung zu kümmern ist momentan nicht attraktiv. Man muss nur nach Amerika schauen, um zu verstehen, wie weit Deutschland zurückliegt. Der amerikanische Geheimdienst CIA gibt jedes Jahr hundert Millionen Dollar aus, um Start-ups zu fördern, die der Netzsicherheit der Vereinigten Staaten nützen könnten – das ist fast zehnmal so viel Geld, wie die neugeschaffene Denkfabrik der Bundeswehr insgesamt zur Verfügung hat. Wer bei den Cyberkräften der Vereinigten Staaten sein Geld verdient, kann sich also sicher sein, mit den neuesten Technologien zu arbeiten. Und danach kann er sich die Jobs in der Branche aussuchen.

Selbst wer bei den Streitkräften bleibt, wird dort weit mehr verdienen als in Deutschland. Denn die besten Computerfachleute haben hochdotierte Beraterverträge. Das kann zwar zu einem Problem werden: Ein externer Berater, der lediglich für die Armee arbeitet statt als Soldat in der Armee, ist unter Umständen weniger loyal – siehe Edward Snowden. Doch es gibt auch noch andere Wege, um eine erfolgreiche Armee für das Netz aufzubauen. Israel macht es vor. Jeder Israeli muss Wehrdienst leisten, Männer drei Jahre, Frauen zwei Jahre. Wer sich mit Computern auskennt, muss dabei allerdings nicht mit Waffen hantieren. Er kann in der „Unit 8200“ dienen, der Cybertruppe. Schon in der Schulen suchen Soldaten nach Talenten und sprechen sie gezielt an. Viele, die in der Einheit 8200 waren, gründen danach IT-Unternehmen. Und bei denen wiederum kauft die Armee ein. So entsteht ein Kreislauf, von dem alle profitieren.

Deutschland fehlt beides: die Auftragskultur der Amerikaner, die Wehrpflicht der Israelis. Und Methoden wie in Russland, wo Hacker erpresst werden, damit sie für den Staat arbeiten, kommen für die Bundeswehr nicht in Frage. Selbst die Idee des Bundesverteidigungsministeriums, Fachkräfte an der Universität heranzuziehen, hat einen Haken. Wer dort studieren will, muss sich nämlich für dreizehn Jahre verpflichten. Und wer hat schon Lust darauf, wenn er weiß, dass ihm die Türen zur Wirtschaft für Jahre versperrt sind? Um das zu ändern, muss sich der CIR erst einmal einen Ruf in der Szene erarbeiten.

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