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Bundeswehr : Sturmgewehr G36 wird ausgemustert

Ausgemustert: das Sturmgewehr G36 Bild: dpa

Die Bundeswehr soll Zehntausende neue Gewehre bekommen. Bis das in die Kritik geratene Sturmgewehr G36 der deutschen Firma „Heckler & Koch“ aber endgültig ersetzt wird, werden noch mindestens zehn Jahre vergehen.

          Die Bundeswehr bekommt ein neues Sturmgewehr – aber erst im nächsten Jahrzehnt. Das Verteidigungsministerium unterrichtete am Dienstag den Bundestag darüber, dass das eingeführte Gewehr G36, an dessen Zielgenauigkeit immer wieder Zweifel geäußert worden waren, nicht verbessert oder erneuert, sondern komplett ersetzt werden soll.

          Johannes Leithäuser

          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen hatte schon im März bekanntgegeben, dass wissenschaftliche Untersuchungen des G36 ein Präzisionsproblem bei hohen Temperaturen offenbart hätten. Einen Monat später verkündete die Ministerin, das Standardgewehr der Truppe habe „in seiner jetzigen Form keine Zukunft“ in der Bundeswehr.

          Während das Ministerium mehrere Kommissionen einsetzte und beauftragte, den Fragen nachzugehen, ob im Einsatz Soldaten wegen fehlerhafter Waffen zu Schaden oder zu Tode kamen, ob die Herstellerfirma „Heckler & Koch“ zu enge Beziehungen zur Rüstungsabteilung des Ministeriums pflegte und ob das Ministerium zu lange brauchte, um auf die Meldungen über Mängel an der Waffe zu reagieren – während also viel Aufmerksamkeit auf die Bearbeitung von Vergangenheitsfragen gelenkt wurde, bastelte die militärische Führung an den Anforderungen an eine neue Waffe.

          Dieser „Priorisierte Forderungskatalog“ liegt jetzt vor. Verlangt wird darin ein Gewehr, das in allen Klimazonen zuverlässig arbeitet, dessen Lauf und dessen Kunststoffteile sich bei Hitzeeinwirkung oder bei großer Kälte nicht verziehen sollen und das auch bei Dauerfeuer eine möglichst hohe Treffsicherheit behält.

          Aus dem Leistunskatalog wird nun der Generalinspekteur der Bundeswehr, General Volker Wieker, eine sogenannte „Funktionale Forderung Fähigkeitslücke“ formulieren – also das Anforderungsprofil des neuen Gewehres und die Menge der zu beschaffenden Waffen. Sie bildet die Grundlage für eine europaweite Ausschreibung, an der sich dann alle interessierten Hersteller von Schusswaffen beteiligen können – auch die deutsche Waffenfirma „Heckler & Koch“, die das G36 und viele andere Gewehr-Typen für die Bundeswehr fabriziert.

          Das Verteidigungsministerium gibt in der Unterrichtung des Bundestags an, „nach erster Abschätzung könnte, bei Marktverfügbarkeit einer Lösung, ab 2019 mit einer Ablösung der ersten Gewehre G36 begonnen werden“. Das ist die optimistischste Variante: Die Soldaten werden also nur dann zu Beginn des nächsten Jahrzehnts neue Waffen in den Händen halten, falls es jetzt schon ein Gewehr auf dem Markt gibt, dass alle Anforderungen des „Priorisierten Forderungskatalogs“ erfüllt. Doch das ist wenig wahrscheinlich.

          Bei den Tests, welche die Unzulänglichkeiten des G36 offenbarten, wurden andere, anonymisierte Gewehre zu Vergleichszwecken herangezogen. Eines schnitt unter bestimmten Umständen besser ab als das G36, aber keine Waffe empfahl sich als überragende Ablösung. Es wird noch dauern, bis das Gewehr, das nach der Prophezeiung von der Leyens „keine Zukunft“ in der Bundeswehr hat, aus der Gegenwart der Truppe verschwindet.

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