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„Historischer Tag“ : Bundeswehr startet Cyberkommando

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Will eine schlagfertige Truppe, auch auf dem virtuellen Schlachtfeld: Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen Bild: dpa

Die Bedrohung durch Cyberangriffe ist allgegenwärtig. Jetzt will sich die Bundeswehr mit einer eigenen Cyber-Einheit dagegen „offensiv verteidigen.“ Bis 2021 sollen dem Kommando fast 14.000 Soldaten angehören.

          Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) hat am Mittwoch die neue Streitmacht der Bundeswehr für den Bereich Cyber offiziell in den Dienst gestellt. Bei der Zeremonie in Bonn sprach von der Leyen von einem „historischen Tag für die Bundeswehr“ und einem „Meilenstein deutscher Sicherheits- und Verteidigungspolitik“. Der Bereich Cyber- und Informationsraum ist nun eine weitere Streitmacht der Bundeswehr – analog zu Heer, Luftwaffe oder Marine.

          Das Kommando CIR hat zunächst rund 260 Mitglieder. Bis zum 1. Juli sollen ihm dann gut 13.500 Soldaten und zivile Mitarbeiter unterstellt sein, wie von der Leyen sagte. Ziel ist es, die Cyberkompetenzen der Bundeswehr zu bündeln und so sowohl die Truppe als auch Deutschland insgesamt besser gegen Angriffe im Cyber- und Informationsraum zu schützen.

          Von der Leyen wies darauf hin, dass allein in den ersten zwei Monaten des Jahres 280.000 Ereignisse gezählt wurden, die als Cyber-Attacken gegen die Bundeswehr gewertet werden könnten. Dabei gehe es um einfache Spionage, Datenklau sowie Zerstören und Manipulieren oder Beeinflussen. Die Ministerin betonte: Wenn Netze der Bundeswehr angegriffen würden, dürfe sie sich auch wehren – und sich gegebenenfalls auch „offensiv verteidigen“.

          Der Wehrbeauftragte des Bundestags, Bartels, fordert, dass für Cyber-Attacken der Bundeswehr in jedem Fall die Zustimmung des Parlaments eingeholt werden müsse. Jede offensive Maßnahme brauche ein ausdrückliches Mandat des Bundestags, sagte der SPD-Politiker der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Diese Regel müsse nicht nur für militärische Angriffe, sondern auch für Attacken auf das Datennetz eines Gegners gelten. Bartels warnte zugleich davor, in der Bundeswehr wegen der neuen Teilstreitkraft andere Bereiche zu vernachlässigen. "Die Personalbedürfnisse des neuen Cyber-Kommandos dürfen nicht den Rest der Bundeswehr kannibalisieren", sagte er. "Auch alle anderen Teilstreitkräfte brauchen IT-Spezialisten oder Fernmelder, wie sie früher hießen."

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