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Auf Truppenplatz in Bayern : Bundeswehr-Soldat stirbt bei Schießübung

  • Aktualisiert am

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) beim Parlamentarischen Abend des Reservistenverbandes der Bundeswehr in Berlin Bild: dpa

Vor dem Reservistenverband der Bundeswehr hat die Verteidigungsministerin den Tod eines Soldaten zu beklagen. Auch auf das Verständnis von Tradition in der Truppe kommt Ursula von der Leyen zu sprechen – und zieht eine Nulllinie.

          Bei einer Schießübung auf dem Truppenübungsplatz im bayerischen Wildflecken ist ein Soldat ums Leben gekommen. Das teilte Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) am Dienstag bei einer Veranstaltung des Reservistenverbands in Berlin mit. „Dieser Unfall verdeutlicht wieder einmal auf tragische Weise, was wir unseren Soldaten im Einsatz und in der Ausbildung für den Einsatz abverlangen.“ Die genauen Umstände des Todes waren zunächst unklar.

          Auf der Veranstaltung gab die Verteidigungsministerin zudem bekannt, der Bundeswehr mit der Durchsuchung aller Kasernen nach Devotionalien einen Neuanfang im Umgang mit der Wehrmacht ermöglichen zu wollen. „Die Aktion ermöglicht es uns, gemeinsam eine „Nulllinie“ zu ziehen, ab der keinerlei Wehrmachtsdevotionalien ohne jegliche historische Einordnung - das ist das Entscheidende - mehr ausgestellt sein dürften“, sagte von der Leyen.

          „Gift für den Ruf unserer Bundeswehr“

          Im Zuge der Affäre des unter Terrorverdacht stehenden rechtsextremen Oberleutnants Franco A. hat die Ministerin Kasernen nach Andenken wie Helmen oder historische Waffen durchsuchen lassen. Am Mittwoch will sie die Mitglieder des Verteidigungsausschusses des Bundestags über die Ergebnisse informieren.

          „Wir verbannen zu Recht den Wehrmachtshelm aus der Stube“, sagte von der Leyen. Die Ermittlungen gegen Franco A. ebenso wie die Meldungen über Mobbing und Demütigungen bezeichnete sie als „Gift für den ausgezeichneten Ruf unserer Bundeswehr“. Rückendeckung für ihr Vorgehen im Skandal um rechte Umtriebe bekam die Ministerin vom Reservistenverband.

          Nicht jede Devotionalie auf der Stube sei Ausdruck einer rechtsextremen Gesinnung, sagte von der Leyen weiter. Häufig sei Gedankenlosigkeit oder Unwissen im Spiel - oder manchmal auch Vorgesetzte, die Konflikte meiden würden. In der Bundeswehr herrsche derzeit eine große Unsicherheit, was den Umgang mit Traditionen angeht. Der Traditionserlass von 1982 soll deshalb überprüft werden. Es gehe dabei nicht um einen radikalen Bruch mit den Traditionslinien, sondern um mehr Handlungssicherheit für die Soldaten im Umgang mit der Geschichte.

          Als Zeichen dafür will von der Leyen auch die Namensgebung von Kasernen auf den Prüfstand stellen. Mehr als 20 von diesen sind noch nach Männern benannt, die einst in der Wehrmacht gedient hatten. Von der Leyen sagte, Namen wie Hans-Joachim Marseille (Jagdflieger, Marseille-Kaserne in Appen, Anm.d.Red.) seien nicht mehr sinnstiftend für die Bundeswehr. „Sie gehören zu einer Zeit, die für uns nicht vorbildgebend sein kann.“ Die Umbenennung soll nach dem Willen der Regierung von den Soldaten vor Ort angestoßen werden. Der Militärhistoriker Jochen Böhler nannte die Namensdebatte überfällig.

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          Man müsse stärker die über 60-jährige Geschichte der Bundeswehr in den Mittelpunkt des Traditionsverständnisses stellen, sagte die Ministerin. Dazu gehörten auch Persönlichkeiten wie der erste Generalinspekteur der Bundeswehr, Adolf Heusinger, oder auch der verstorbene Altkanzler Helmut Schmidt - aber nicht wegen seiner Zeit in Wehrmachtsuniform. „Es gibt Bilder von Helmut Schmidt in Wehrmachtsuniform, es gibt unzählige Bilder von Helmut Schmidt in Bundeswehruniform als Reservist. Und es gibt natürlich Bilder von Helmut Schmidt als Verteidigungsminister“, sagte sie. „Solche Bilder hängen selbstverständlich im Ministerbüro im Bendlerblock.“

          Das Abhängen eines Bilds des 2015 gestorbenen Schmidts in Wehrmachtsuniform an der Bundeswehr-Uniform Hamburg hatte heftige Kritik ausgelöst. Auch CSU-Politiker wehren sich dagegen, jedes Andenken an die Wehrmacht und ihre Soldaten zu verurteilen.

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