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Bundeswehr : Schießen Sie nicht auf den Sanitäter

Deutsche und amerikanische Kampfretter auf dem Weg zu einer gemeinsamen Übung für ihren Einsatz hinter den feindlichen Linien Bild: Dvidshub/U.S. Air Force

Die Bundeswehr will Kampfrettern, die sich hinter die feindlichen Linien wagen, Sanitäter zur Seite stellen. Das dürfte den Einsatz erschweren und ist rechtlich fragwürdig.

          Die Bundeswehr hat neuerdings ziemlich flotte Sprüche drauf: „Mach, was wirklich zählt“ lautet einer von ihnen. Auch die Bilder, die die Truppe von sich zeigt, ahmen diesen Tonfall nach: da wird anvisiert, abgesprungen, abgeseilt. Die deutsche Armee will ihr Image ändern, sie will lebendiger, jünger, vor allem aktiver wirken.

          Johannes Leithäuser

          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Das soll Nachwuchs rekrutieren, es soll aber auch das Selbstbild einer Truppe prägen, die künftig noch mehr als bisher wie eine kampfbereite Einsatzarmee wirken will. Doch die Wirklichkeit wandelt sich langsamer als die Slogans: Ausgerechnet eines der neuesten Berufsbilder in der Truppe - der „Kampfretter der Luftwaffe“, der die zupackende Bundeswehr wohl stärker als viele andere Soldatenprofile verkörpert - hängt fest in bürokratischen Egoismen und internen Blockaden.

          Schon lange hegten Bundeswehrplaner die Absicht, eine kleine Einheit von besonders befähigten Fallschirmspringern zu gründen, die als eine Art kämpfende Feuerwehr zu gebrauchen wären. Sie sollten alle Arten von Rettungsaktionen beherrschen, sollten vermisste Piloten aufspüren und bergen, die beispielsweise nach einem Notausstieg per Schleudersitz irgendwo im Feindesland niedergingen, sie sollten den Spezialkräften der Bundeswehr zu Hilfe kommen, falls die Verstärkung benötigten, um sich vom Feind lösen zu können.

          Die amerikanischen Truppen verfügen über solche Kampfrettungstrupps, die sich selbst den Namen „Guardian Angels“ gegeben haben, auch einige skandinavische Länder bilden diese Rettungsspezialisten aus. Bei der Bundeswehr haben die ersten Kampfretter vor einem Jahr ihre vorläufige Einsatzbereitschaft erreicht - vollständig einsatzbereit sind sie noch nicht: Dafür mangelt es ihnen erstens an einem geeigneten Hubschrauber und zweitens, noch gravierender, an einer endgültigen Klärung ihrer (medizinischen) Fähigkeiten und Kompetenzen.

          Die Spitze des Bundesverteidigungsministeriums sieht mit Wohlgefallen auf die kleine spezialisierte Einheit von Kampfrettern, die beim Hubschraubergeschwader 64 in Laupheim ihre Heimat haben - und dort regelmäßig bei Besuchen von Ministern und Spitzenbeamten vorgezeigt werden.

          Schließlich ist die Aufgabe des „Combat Search and Rescue“, also der „bewaffneten Suche und Rettung“, eine Schlüsselfähigkeit, über die viele westliche Nationen, auch Nato-Länder, nicht selbst verfügen. Die Bundesregierung könnte damit also bei vielen Auslandseinsätzen ein begehrtes Angebot machen - und ihre Auswahlposition stärken. Es fiele beispielsweise leichter, bei einem Einsatz die Entsendung von Kampfflugzeugen zu versagen, über die ja viele Nationen verfügen, wenn stattdessen die Kampfretter-Fähigkeit zur gemeinsamen Mission angemeldet werden könnte.

          Doch so weit ist es bisher nicht gekommen. Jahrelang hing eine Entscheidung über die medizinischen Fähigkeiten der Kampfretter bei der Bundeswehr in einem Streit zwischen der Luftwaffe und dem Sanitätskommando fest. Nun wurde vor wenigen Wochen zwar eine Einigung erreicht, doch das Dilemma für den Einsatz der Rettungsspezialisten ist damit nicht beseitigt.

          Denn die Vereinbarung sieht vor, die Kampfrettertrupps der Luftwaffe durch Notfallsanitäter zu verstärken, die im Bedarfsfall die medizinische Notversorgung verletzter Soldaten übernehmen sollen, denen der Rettungseinsatz gilt. Damit beschreitet die Bundeswehr einen Sonderweg, der nicht nur militärisch fragwürdig, sondern auch völkerrechtlich waghalsig ist.

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