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Bundeswehr : Schießen Sie nicht auf den Sanitäter

Sanitäter als Belastung für die kämpfende Truppe?

An Angriffsaktionen oder an Unternehmungen, bei denen Eingeschlossene freigekämpft werden müssen, könnten sich die Sanitäter also nicht beteiligen - sie würden im Gegenteil eher zur Belastung für die Kämpfer in den gemeinsamen Trupps. Überdies ist fraglich, wieweit eine Teilnahme von Sanitätern an aktiven Angriffsoperationen von der einschlägigen Genfer Konvention tatsächlich völkerrechtlich gedeckt wäre.

Auch umgekehrt entstehen Schwierigkeiten: Für den Fall, dass die „Combat First Responder“, also die Kampfretter, den Sanitätern bei der Versorgung von Patienten helfen, dürfen sie den Schutz des Sanitätspersonals „keinesfalls durch Kampfhandlungen“ gefährden - so schreibt es jedenfalls eine Weisung des „Führungsstabs des Sanitätsdienstes“ vor. Wie soll beides vereinbar sein, wenn der Trupp einerseits Verletzte versorgen, andererseits aber gegnerische Soldaten bekämpfen muss? Nach Ansicht des Völkerrechtlers Andreas von Arnauld, der sich am Kieler Institut für Internationales Recht mit dem Status von Sanitätern befasst, verlieren Sanitäter in einem Verband von kämpfenden Soldaten zwar nicht ihren besonderen Schutzstatus.

Aber wenn die grundsätzliche Verpflichtung, Sanitäter von den Kämpfern zu separieren, nicht aufrechterhalten werde, dann gerieten die Sanitäter in die Gefahr, als „Kollateralschäden“ in Mitleidenschaft gezogen zu werden. „Hybridlösungen sind immer unglücklich im humanitären Völkerrecht“, sagt Arnauld. Und Matthias Hartwig vom Heidelberger Max-Planck-Institut für Völkerrecht stellt ähnlich fest, völkerrechtliche Bedenken gegen den Einsatz von Sanitätern in den Kampfrettertrupps bestünden nur dann nicht, wenn „die entsprechenden Soldaten allein zur Bergung und Versorgung von Verwundeten eingesetzt werden und nicht etwa zum Freikämpfen einer eingeschlossenen Einheit“.

Das Verteidigungsministerium verteidigt die gegensätzliche Einsatzpaarung von Sanitätern und Kampfrettern damit, dass „nationale rechtliche und fachliche Vorgaben“ eine „notfallmedizinische Versorgung durch medizinisches Fachpersonal mit entsprechender sanitätsdienstlicher Qualifizierung zwingend erforderlich“ machten.

Doch sind diese nationalen Vorgaben keineswegs so zwingend, wie das Ministerium beteuert. Und noch ein Umstand zeigt, wie flexibel die Führung der Bundeswehr bei der medizinischen Ausbildung von Spezialkämpfern sein kann: Das Verteidigungsministerium betreibt im schwäbischen Pfullendorf eine Trainingsschule für Kommandosoldaten und andere Spezialkräfte. An dieser Schule wird von Anfang Oktober an erstmals ein notfallmedizinischer Schulungskurs für Spezialkämpfer angeboten, der genau jener Ausbildungshöhe entspricht, welche die Kampfretter selbst erwerben müssten, um ohne beigestelltes Sanitätspersonal ihre Rettungsaufträge erfüllen zu können.

Die Bundeswehr wirbt mit ihrer Pfullendorfer Schule in allen Nato-Mitgliedsländern, sie nimmt auch Teilnahmeanträge aus allen Nato-Partnerstaaten entgegen. In der internationalen Ausschreibung ist der Kurs, der sich primär an Kampfkräfte richtet, offen für alle Soldaten, Unteroffiziere und Offiziere. Auch deutsche Soldaten können sich um einen Platz bewerben. Allerdings enthält die nationale Ausschreibung des Kurses die gravierende Einschränkung „ausschließlich für Sanitätspersonal“.

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