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Bundeswehr : Schießen Sie nicht auf den Sanitäter

Die Ausbildungsanforderungen an Kampfretter lesen sich schweißtreibend: Auf die normale Infanterieausbildung folgen Einzelkämpferausbildung, Bergrettung in Sommer und Winter, Fallschirmspringerlehrgang inklusive Freifalltraining, Überlebenslehrgang in allen Klimazonen, Nahkampfausbildung und besondere Qualifikationen für Luftlandeeinsätze und schließlich der „Militärluftfahrzeugbesatzungsschein“ - der die Retter formell zu Besatzungsmitgliedern der Transporthubschrauber macht, auf denen sie unterwegs sind. Die medizinische Ausbildung der Kampfretter ist hingegen weitaus bescheidener. Das Sanitätskommando in der Bundeswehr wollte ihnen zunächst nur jene militärische Ersthelfer-Ausbildung zugestehen, die alle kämpfenden Truppenteile ohnehin absolvieren.

Damit hätten die Kampfretter allerdings bei weitem nicht über die medizinischen Fähigkeiten verfügt, die in den entsprechenden Nato-Vorschriften verlangt werden und die auch für die Bundeswehr Gültigkeit haben. Die Nato-Standardisierungsregeln schreiben vor, dass bei Such- und Rettungsaktionen, wie sie von Kampfrettern unternommen werden, medizinische Fähigkeiten und Ausrüstungen vorhanden sein müssen, die teilweise noch über die eines Notfallsanitäters in der Unfallrettung hinausgehen.

Bei der Bundeswehr hingegen liegen die Gewohnheiten anders: Hier bestimmt der Inspekteur des Sanitätsdienstes darüber, in welche Ausbildungshöhen die „Angehörigen des nichtsanitätsdienstlichen Personals“ gelangen können. Daher sieht der Kompromiss, der jetzt nach jahrelangem Hakeln zwischen Sanitätskommando und Luftwaffe geschlossen wurde, einerseits zwar vor, dass die Kampfretter eine höhere medizinische Ausbildungsstufe erhalten sollen, sie andererseits aber bei ihren Einsätzen zusätzlich von ausgebildeten Rettungssanitätern, sogenannten Luftrettungsmeistern, begleitet werden müssen, deren medizinische Qualifikationshöhe denen eines zivilen Notfallsanitäters entspricht.

Das Verteidigungsministerium beteuert, das Sanitätspersonal, das künftig mit den Kampfrettern in den Einsatz geschickt werden soll, sei zur „vollumfänglichen Erfüllung“ der medizinischen Erfordernisse in der Lage. Schon daran bestehen Zweifel, da etwa eine selbständige Thorax-Drainage (Ableitung von Wundsekret aus dem Brustkorb) nicht zu den Standard-Ausbildungsinhalten von Notfallsanitätern gehört. Die größere Skepsis jedoch gilt dem allgemeinen Ansatz, der jetzt zwischen Luftwaffe und Sanitätskommando vereinbart wurde und der zwei gegensätzliche Soldatentypen aneinander kettet, die sich in einem gemeinsamen Einsatz eher behindern als unterstützen könnten.

Die Planung im Ministerium sieht jetzt vor, dass den 25 Kampfrettern zwölf Luftrettungsmeister an die Seite gestellt werden. Ein Trupp von sechs Soldaten, der in ein gegnerisches Gebiet eingeflogen wird, um dort zuerst feindlichen Widerstand zu brechen und dann eingeschlossene Personen zu retten, bestünde also aus vier Kämpfern und zwei Sanitätern.

Das Verteidigungsministerium beteuert einerseits, die Sanitäter könnten „jede militärische Operation begleiten“, stellt andererseits aber fest, Sanitäter dürften dabei lediglich „leichte Handfeuerwaffen tragen und diese zur eigenen Verteidigung sowie zur Verteidigung von Verwundeten, Kranken und Schiffbrüchigen einsetzen“.

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