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„Sympathie“ für Moskau? : Bundeswehr-Reserveoffizier soll für Russland spioniert haben

  • -Aktualisiert am

Der Angeklagte Ralph G. mit seinem Verteidiger Christopher Holgert am Donnerstag in Düsseldorf. Bild: dpa

Die Bundesanwaltschaft wirft Ralph G. vor, den russischen militärischen Geheimdienst jahrelang mit Informationen versorgt zu haben. Der Mann habe aus „Sympathie für Russland“ gehandelt und als Gegenleistung kein Geld verlangt.

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          Vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf muss sich seit Donnerstag ein Reserveoffizier der Bundeswehr verantworten, der mehrere Jahre lang als Spion für Russland tätig gewesen sein soll. Nach Überzeugung des Generalbundesanwalts (GBA) handelt es sich um einen besonders schweren Fall geheimdienstlicher Agententätigkeit. Der GBA wirft dem 65 Jahre alten Ralph G. vor, dem russischen militärischen Nachrichtendienst GRU spätestens seit Ende 2014 über ranghohe Kontaktpersonen vor allem in der russischen Botschaft in Berlin Informationen und Dokumente übermittelt zu haben, auf die er einerseits als stellvertretender Leiter des Kreisverbindungsbüros Ennepe-Ruhr und andererseits im zivilen Leben als Verkaufsleiter einer zu einem amerikanischen Konzern gehörenden Firma und als Mitglied mehrerer Ausschüsse der deutschen Wirtschaft Zugriff hatte.

          Reiner Burger
          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

          In zwei Vernehmungen soll G. die Weitergabe von Informationen weitgehend zugegeben haben. G. soll aus „Sympathie für Russland“ gehandelt und als Gegenleistung kein Geld, sondern Einladungen zu Sicherheitskonferenzen nach Russland bekommen haben. Nach der Verlesung der Anklageschrift ließ der Angeklagte seinen Verteidiger mitteilten, dass er sich erst am für Anfang September geplanten zweiten Hauptverhandlungstag einlassen wolle.

          Nach Überzeugung der Bundesanwaltschaft hat G. dem GRU einen „umfassenden Einblick“ ins deutsche Reservistenwesen verschafft und seine GRU-Kontaktpersonen – die offiziell als Militärattachés in der russischen Botschaft tätig waren – mit Informationen über die Arbeitsweise der Landes- und Kreisverbindungskommandos, Organigrammen und Dokumenten wie Auszügen aus dem Weißbuch 2016 des Verteidigungsministeriums versorgt. „Zudem gab er persönliche Informationen und private Kontaktdaten mehrerer hoher Angehöriger der Bundeswehr weiter“, so Bundesanwalt Gerd Kaiser. Ein weiterer Schwerpunkt der Agententätigkeit des Oberleutnants war nach Erkenntnissen des GBA die Sicherheits- und Verteidigungspolitik der Vereinigten Staaten und ihrer westlichen Partner allgemein.

          Informationen, um sich für Russland „interessant zu machen“?

          Außerdem sei es bei der geheimdienstlichen Agententätigkeit um das wirtschaftliche Engagement Deutschlands in der Ukraine und die Frage gegangen, welche Auswirkungen  die nach der Krim-Annexion vom Westen gegen Russland verhängten Sanktionen auf Deutschland und die EU hatten. „In einem Fall lieferte er auch Stellungnahmen zum Projekt Nord Stream 2“, so Kaiser. Ralph G. habe gegen die Interessen Deutschlands und der Vereinigten Staaten gehandelt.

          Aus der Anklage entsteht der Eindruck, dass der in Erkrath bei Düsseldorf lebende G. nicht von der russischen Seite angeworben wurde, sondern sich aus eigenem Antrieb an die Militärattachés wandte und zunächst um Aufmerksamkeit buhlen musste. G. habe versucht, sich mit seinen Informationen und Unterlagen für die russische Seite „interessant zu machen“. Weil seine ersten Kontaktversuche jedoch nicht so verlaufen sein sollen wie von ihm gedacht, soll er sich von August 2018 dann auch an das russische Generalkonsulat in Bonn gewandt haben.

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