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Bundeswehr : Realitätsferne Maßnahme

Sturmgewehre gehören nicht in Kinderhände. Wer sie aber auf Besuchertagen der Bundeswehr wegsperrt, verleugnet den Kern des Soldatenberufs.

          Messer, Gabel, Schere, Licht, sind für kleine Kinder nicht. In der (sehr umfangreichen) Zentralen Dienstverordnung der Bundeswehr taucht dieser Satz nirgends auf. Und dennoch ist davon auszugehen, dass er vielen deutschen Soldaten geläufig sein dürfte. Auch denen in Stetten, die offenbar Kinder bei der wichtigsten Werbeveranstaltung der Bundeswehr an ihre Handfeuerwaffen ließen.

          Kinder müssen vor schädlichen Einflüssen geschützt werden. Dazu gehört auch der Kontakt mit Waffen. Für diesen Schutz einzustehen müssen Eltern von staatlichen Institutionen jederzeit erwarten können. Gerade auch, wenn der Nachwuchs im Netz längst gewaltverherrlichenden  Computerspielen ausgesetzt ist. 

          Die Vorschriftenlage des Verteidigungsministeriums sieht genau das vor. Und bislang gibt es keine Hinweise darauf, dass es bei der diesjährigen Veranstaltung mit rund 260.000 Besuchern von Seiten der 10.000 beteiligten Soldaten und zivilen Bundeswehr-Mitarbeiter zu ähnlichen Regelverstößen gekommen ist wie in Stetten.

          Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) hat sich dennoch dazu entschieden, noch weiter zu gehen und ein Zeichen zu setzen. Künftig darf kein Besucher mehr bei der wichtigsten Nachwuchsveranstaltung der Streitkräfte Handfeuerwaffen anfassen. 

          Es mag sein, dass die Entscheidung von der Leyens Popularität nützt. Der Bundeswehr erweist sie einen Bärendienst. Sie verstärkt die in Deutschland vorherrschende Realitätsverweigerung hinsichtlich des Soldatenberufs. So unpopulär das auch sein mag, das Schießen und damit auch das Töten können, gehört nach wie vor dazu. Auch in diesen Zeiten, in denen Cyberscharmützel, und andere subsidiäre Aufgaben der Bundeswehr an Bedeutung zunehmen. 

          Mehr als 40.000 Soldaten der Nato üben derzeit in Polen und im Baltikum, wie sie eine militärische Bedrohung aus Russland abwehren können. Die Bundeswehr steht in der Pflicht, im Verteidigungsfall einsatzfähige, motivierte und kampfbereite Truppen bereitzuhalten. Auch für Einsätze in Mali und Afghanistan, wo es jederzeit zu Gefechten kommen kann.

          Natürlich kann die Bundeswehr Waffenfetischisten und Rambos so wenig gebrauchen wie Bewerber, die nicht für die freiheitlich-demokratische Grundordnung Deutschlands einstehen. Doch auf Soldaten, die zum Kämpfen bereit sind und ihre Waffe im Schlaf beherrschen, ist sie angewiesen.

          Interessenten künftig weiter in Kampfpanzer steigen zu lassen, aber sie nicht mehr ihr wichtigstes Handwerkszeug (ungeladen) anfassen zu lassen, mag einer besorgten Mutter gut zu Gesicht stehen. Von einer Verteidigungsministerin müssen die Soldaten erwarten können, dass sie für die Realitäten ihres Berufs einsteht.

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