https://www.faz.net/-gpf-8i7y4

Bundeswehr : Realitätsferne Maßnahme

Sturmgewehre gehören nicht in Kinderhände. Wer sie aber auf Besuchertagen der Bundeswehr wegsperrt, verleugnet den Kern des Soldatenberufs.

          2 Min.

          Messer, Gabel, Schere, Licht, sind für kleine Kinder nicht. In der (sehr umfangreichen) Zentralen Dienstverordnung der Bundeswehr taucht dieser Satz nirgends auf. Und dennoch ist davon auszugehen, dass er vielen deutschen Soldaten geläufig sein dürfte. Auch denen in Stetten, die offenbar Kinder bei der wichtigsten Werbeveranstaltung der Bundeswehr an ihre Handfeuerwaffen ließen.

          Kinder müssen vor schädlichen Einflüssen geschützt werden. Dazu gehört auch der Kontakt mit Waffen. Für diesen Schutz einzustehen müssen Eltern von staatlichen Institutionen jederzeit erwarten können. Gerade auch, wenn der Nachwuchs im Netz längst gewaltverherrlichenden  Computerspielen ausgesetzt ist. 

          Die Vorschriftenlage des Verteidigungsministeriums sieht genau das vor. Und bislang gibt es keine Hinweise darauf, dass es bei der diesjährigen Veranstaltung mit rund 260.000 Besuchern von Seiten der 10.000 beteiligten Soldaten und zivilen Bundeswehr-Mitarbeiter zu ähnlichen Regelverstößen gekommen ist wie in Stetten.

          Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) hat sich dennoch dazu entschieden, noch weiter zu gehen und ein Zeichen zu setzen. Künftig darf kein Besucher mehr bei der wichtigsten Nachwuchsveranstaltung der Streitkräfte Handfeuerwaffen anfassen. 

          Es mag sein, dass die Entscheidung von der Leyens Popularität nützt. Der Bundeswehr erweist sie einen Bärendienst. Sie verstärkt die in Deutschland vorherrschende Realitätsverweigerung hinsichtlich des Soldatenberufs. So unpopulär das auch sein mag, das Schießen und damit auch das Töten können, gehört nach wie vor dazu. Auch in diesen Zeiten, in denen Cyberscharmützel, und andere subsidiäre Aufgaben der Bundeswehr an Bedeutung zunehmen. 

          Mehr als 40.000 Soldaten der Nato üben derzeit in Polen und im Baltikum, wie sie eine militärische Bedrohung aus Russland abwehren können. Die Bundeswehr steht in der Pflicht, im Verteidigungsfall einsatzfähige, motivierte und kampfbereite Truppen bereitzuhalten. Auch für Einsätze in Mali und Afghanistan, wo es jederzeit zu Gefechten kommen kann.

          Natürlich kann die Bundeswehr Waffenfetischisten und Rambos so wenig gebrauchen wie Bewerber, die nicht für die freiheitlich-demokratische Grundordnung Deutschlands einstehen. Doch auf Soldaten, die zum Kämpfen bereit sind und ihre Waffe im Schlaf beherrschen, ist sie angewiesen.

          Interessenten künftig weiter in Kampfpanzer steigen zu lassen, aber sie nicht mehr ihr wichtigstes Handwerkszeug (ungeladen) anfassen zu lassen, mag einer besorgten Mutter gut zu Gesicht stehen. Von einer Verteidigungsministerin müssen die Soldaten erwarten können, dass sie für die Realitäten ihres Berufs einsteht.

          Weitere Themen

          „Die Politik ist gegen uns“ Video-Seite öffnen

          „Bauerndemo“ in München : „Die Politik ist gegen uns“

          In München und Bonn gingen mehrere Tausend Beschäftigte aus der Landwirtschaft auf die Straße, um sich Gehör zu verschaffen. Tausende Landwirte appellierten mit Demonstrationen an Verbraucher und Politik, um positiver wahrgenommen und besser unterstützt zu werden.

          Topmeldungen

          Das britische Unterhaus am Dienstag Abend

          Johnson-Zeitplan abgelehnt : Brexit zum 31.Oktober nahezu ausgeschlossen

          Das britische Parlament hat den Gesetzesrahmen für den Brexit-Deal im Grundsatz gebilligt. Unmittelbar nach diesem Zwischenerfolg lehnte das Unterhaus jedoch den Zeitplan von Boris Johnson ab. EU-Ratspräsident Tust will eine Verlängerung der Brexit-Frist empfehlen.
          Mal wieder Münchner Mitarbeiter des Abends: Robert Lewandowski

          3:2 in Piräus : Bayern retten sich ins Ziel

          Die Bayern geraten bei Olympiakos Piräus früh in Rückstand und unter Druck – aber auf Torjäger Lewandowski ist Verlass. Für die Münchner Abwehr gilt das beim 3:2-Sieg schon wieder nicht.
          Kurze und höchst umstrittene Amtszeit: Stefan Jagsch spricht vor dem Gemeinschaftshaus in Altenstadt-Waldsiedlung.

          Nur einen Monat im Amt : NPD-Ortsvorsteher nach Eklat abgewählt

          Die Wahl eines NPD-Parteimitglieds zum Ortsvorsteher im hessischen Ort Altenstadt hatte bundesweit für Empörung gesorgt. Nun wurde Stefan Jagsch wieder abgewählt. Er fechtet die Entscheidung an – und versammelt einige Unterstützer hinter sich.

          AKK-Vorstoß : Gezielte Überrumpelung

          Annegret Kramp-Karrenbauer hat den Koalitionspartner mit ihrem Syrien-Vorstoß schwer düpiert. Jetzt muss sie ihre Idee so seriös weiterentwickeln, dass sie dem Vorwurf entgeht, es sei ihr nur um die eigene Profilierung gegangen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.