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Mängel bei der Bundeswehr : Flugangst

  • -Aktualisiert am

Ein Hubschrauber des Typs NH-90 während einer Flugvorführung Bild: ddp

Ein Hubschrauber der Bundeswehr stürzt beinahe ab. Die Piloten sind alarmiert, doch die zuständigen Stellen wiegeln ab. Jetzt fragen sich manche: Wird ihre Sicherheit gefährdet, um ein Rüstungsgeschäft zu sichern?

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          Drei Minuten waren seit dem Start des Hubschraubers vergangen. Der Pilot hatte die Maschine auf Kurs Süd Richtung Mazar-i-Sharif gebracht, sie flog fast 300 Meter hoch. Dann explodierte das rechte Triebwerk mit einem lauten Knall, Metallteile stürzten zu Boden und setzten ein Kornfeld in Brand. Die Besatzung leitete ein Notfallverfahren ein und betätigte den Feuerlöschschalter, um den Triebwerksbrand zu löschen. Doch plötzlich spielte der Hubschrauber verrückt. Die Ladeklappe im Heck ging zu. Der rechte Frontscheibenwischer setzte ein, das Kabinenlicht flackerte, Cockpitdisplays erloschen. In der Kabine qualmte es, der Gestank verschmorten Plastiks breitete sich aus. Es gelang der Crew, den Helikopter mit dem einen, noch funktionstüchtigen Triebwerk auf dem usbekischen Stützpunkt Termez notzulanden.

          Technische Probleme sind Alltag in der Bundeswehr. Fahrzeuge fallen aus, Waffen versagen, Computer streiken. Störungen sind normal in einer hochtechnologisierten Armee. Doch seitdem der havarierte nagelneue Transporthubschrauber NH90 vor mehr als fünf Monaten in eine Wartungshalle in Termez geschoben worden ist, liegt der Fall anders. Unter den Besatzungen der bisher an die Bundeswehr ausgelieferten 35 NH90 hat sich tiefe Verunsicherung breit gemacht. „Die Soldaten zweifeln an der Zuverlässigkeit des Helikopters und misstrauen den Einschätzungen der offiziellen Stellen“, sagt Reinhard Schlepphorst, Vorsitzender der Interessengemeinschaft des fliegenden und luftfahrzeugtechnischen Personals der Transport- und Hubschrauberverbände der Bundeswehr. Nach seinen Angaben haben NH90-Piloten kurz nach dem Vorfall in Termez sogar den Flugbetrieb in Afghanistan verweigert. Sie hätten nur noch Einsätze zur Rettung von verwundeten Kameraden fliegen wollen.

          Wenn Piloten das Fliegen im Einsatz verweigern, weil sie der Sicherheit des Arbeitsgeräts nicht trauen, sagt das viel aus über den Zustand der Bundeswehr, über die Psyche einer zutiefst verunsicherten Truppe. Die Soldaten glauben ihren vorgesetzten Dienststellen nicht mehr. Das hat es zuletzt während der Starfighter-Krise in den sechziger Jahren gegeben, als mehr als 200 Maschinen dieses Überschallflugzeugs abstürzten. Schon damals äußerten Soldaten den Verdacht, die Beschaffung des Flugzeugs, das sie für unausgereift hielten, gehe vor ihre Sicherheit. Diesen Vorwurf erheben sie heute wieder.

          NH90: Triebwerksprobleme schon länger bekannt

          Er wird genährt durch den Umgang der zuständigen Dienststellen im Heer mit dem Vorfall. Sie stuften die dramatischen Ereignisse in Termez als technisches Problem ein, obwohl schon die Besatzung eindeutige Hinweise auf eine „flugsicherheitsgefährdende Störung“ gegeben hatte. Die Einstufung als technisches Problem klingt undramatisch. In solchen Fällen werden ein paar Monteure geschickt, und wenn es gut läuft, fliegt der Hubschrauber schnell wieder. Ein Flugunfall oder eine schwere Störung des Flugbetriebs indes muss von einem Expertenteam untersucht werden. Das kann mehrere Wochen dauern und dazu führen, dass vorübergehend alle Hubschrauber eines Typs am Boden bleiben müssen. Die Flotte bleibt dann so lange gesperrt, bis ein grundsätzlicher Mangel an dem Gerät ausgeschlossen werden kann.

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