https://www.faz.net/-gpf-779fp

Bundeswehr : Marinesoldaten demütigen Vorgesetzten

  • Aktualisiert am

Das Schnellboot „Hermelin“ im Heimathafen Rostock (Archivbild 2009) Bild: dpa

Bei einer Auseinandersetzung auf einem Schnellboot der Deutschen Marine ist ein vorgesetzter Bootsmann thailändischer Herkunft von mehreren Kameraden misshandelt worden. Das Verteidigungsministerium sieht keinen rassistischen Hintergrund.

          2 Min.

          Die Misshandlung eines Bootsmanns der Marine durch vier seiner Kameraden hat nach Angaben des Verteidigungsministeriums „keinerlei rassistischen Hintergrund“. Bei dem Vorfall, der sich vor knapp zwei Wochen auf dem deutschen Schnellboot „Hermelin“ im Hafen von Beirut ereignete, war ein deutscher Portepeeunteroffizier thailändischer Herkunft von mehreren Unteroffizieren (Obermaaten) fast nackt auf einem Tisch gefesselt worden. Sein Körper sei mit den Worten „hier wohnen die Mongos“ beschmiert worden, teilte das Führungskommando der Bundeswehr in Potsdam mit.

          Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums sagte in Berlin, das Slangwort „Mongo“ sei offenbar in der heutigen Jugendsprache am ehesten mit „Idiot“ gleichzusetzen, es beziehe sich nicht in herabwertender Weise auf Menschen asiatischer Herkunft. Die Einschätzung, dass dem Vorfall keine rassistischen Motive zugrunde lägen, ergebe sich auch aus „der zwischenmenschlichen Gemengelage“, die an Bord eines Schiffes entstehen könne, zumal an Bord eines beengten Schnellbootes. Vier Beteiligte des Vorfalls seien nach Deutschland zurückgeschickt worden, die Staatsanwaltschaft Rostock habe Ermittlungen wegen Widerstands gegen Dienstvorgesetzte aufgenommen.

          Ermittlungen mit „gegebenen Härte“

          Der Inspekteur der Marine, Vizeadmiral Axel Schimpf, sagte der Zeitung „Die Welt“, es werde gegen die mutmaßlichen Täter nun mit der „gegebenen Härte ermittelt“. Intern seien die notwendigen Konsequenzen schon gezogen worden. Schimpf sagte, er wolle solche Vorfälle „in unserer Marine“ nicht dulden.

          Das Verteidigungsministerium gab am Mittwoch an, es seien in den vergangenen Jahren keine ähnlichen Vorfälle bekannt geworden. Der Bericht des Wehrbeauftragten führte in den vergangenen Jahren einige Einzelfälle auf, in denen es zu rassistischen („Neger“) oder diskriminierenden („Ossi“) Beschimpfungen oder herabwürdigen Tätlichkeiten (Urinieren eines Unteroffiziers zwischen die Beine eines Mannschaftsdienstgrades) kam. Bei vereinzelten bekannt gewordenen rechtsextremistischen Vorfällen reagierte die Bundeswehr nach dem Bericht des Wehrbeauftragten mit disziplinarischen Sanktionen. So sei ein Hauptgefreiter, der im Zug rechtsextremistische Musik über die Lautsprecher seines Laptops hörte, vorzeitig aus dem Dienst der Bundeswehr entfernt worden. Gefreite, die sich mit Mobiltelefonen beim Zeigen des Hitlergruß auf einem Kasernengelände fotografierten, erhielten Disziplinarstrafen; ihnen sei überdies im Wiederholungsfall die fristlose Entlassung aus der Bundeswehr angedroht worden.

          Das Schnellboot „Hermelin“ beteiligt sich an dem Unifil-Einsatz vor der Küste des Libanons, um den Waffenschmuggel zu unterbinden und die Seewege zu kontrollieren.

          Weitere Themen

          Wir können Nord Stream 2 noch stoppen

          Gastbeitrag : Wir können Nord Stream 2 noch stoppen

          Die Deutsche Umwelthilfe geht gegen die Genehmigung von Nord Stream 2 gerichtlich vor. Die Vorwürfe in der Klage haben Gewicht. Erkennt sie das Oberverwaltungsgericht Greifswald an, ist das Prestigeprojekt des Kreml gescheitert.

          Söder kritisiert Atommüll-Endlager-Suche scharf Video-Seite öffnen

          Von Politik und Geologie : Söder kritisiert Atommüll-Endlager-Suche scharf

          Bayern hat den Such-Prozess für ein Atommüll-Endlager und den Ausschluss Gorlebens in Niedersachsen kritisiert: Laut Söder wäre es „ sehr, sehr schade, wenn jahrzehntelange Arbeit der Erkundung dort ausfiele und Milliarden an Steuergeldern einfach verschwendet worden sind“.

          Quim Torra des Amtes enthoben

          Katalanischer Regierungschef : Quim Torra des Amtes enthoben

          Weil er im Wahlkampf 2019 das Neutralitätsgebot verletzt hat, muss der katalanische Regierungschef sein Büro sofort räumen. Das entschied der Oberste Gerichtshof in Madrid. Damit droht im Katalonien-Konflikt eine neue Eskalation.

          Topmeldungen

          Bayern und atomares Endlager : Die ganze Soße nochmal von vorne

          Der Zwischenbericht der Bundesgesellschaft für Entsorgung sieht etliche Gebiete in Bayern als potentielle Lagerstätte für Atommüll. In der CSU schürt das die Angst, dass im Freistaat wieder eine Wackersdorf-Stimmung aufkommen könnte.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.