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Bessere Ausrüstung : Kramp-Karrenbauer wagt die Kehrtwende

Jetzt soll alles anders werden: Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer am Montag bei der Bundeswehrtagung in Berlin Bild: Reuters

Das Elend bei der Truppe beginnt das Ansehen der Ministerin zu belasten. Nun reagiert Annegret Kramp-Karrenbauer. Gelingt ihr die Trendwende?

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          Eigentlich ist die bayerische Gebirgsjägerbrigade 23 ein starker Kampfverband. Ihre 5300 Soldatinnen und Soldaten sind in den Alpen ebenso gewandt, wie im Gelände von Auslandsmissionen der Bundeswehr. Eines der Bataillone der Brigade ist stets in einem solchen Einsatz. Doch was man über diesen Kampfverband vergangene Woche beim Wehrbeauftragten nachlesen musste, war nicht so gut: So fehlten beim Bataillon 232 Fahrzeuge. Die Hälfte der vorhandenen Fahrzeuge war zeitweise wegen fehlender Ersatzteile „stillgelegt“, von 17 vorhandenen gepanzerten Eagle-4 oder -5 seien nur zwei einsatzbereit, die zudem ständig mit anderen Verbänden hin- und hergeliehen würden. Zusätzliche Fahrzeuge für Übungen müssten beim Bundeswehr-Fuhrpark gemietet werden. Dieses Beispiel zeigt, dass es nicht nur im Großen bei Fregatten und Kampfflugzeugen fehlt, sondern vielerorts bei der alltäglichen Arbeit.

          Peter Carstens

          Politischer Korrespondent in Berlin

          Der Autor des aktuellen Mängelberichts, Hans-Peter Bartels, vereint in seinem Amt als Wehrbeauftragter mehrere Berufe, er ist auf seine Art Arzt, Psychologe und Hausmeister der Bundeswehr. Politiker natürlich auch noch. Das ganze Jahr über untersucht Bartels den Truppenkörper, bereist Standorte, hört sich den Kummer der Beschäftigten an und trägt Zahlen über Fehlendes, Kaputtes, Ungenügendes zusammen. Seine Berichte, die Bartels üblicherweise an trüben Januartagen vorstellt, sind stets niederschmetternd. Kurz gesagt: Die Bundeswehr ist nur teilweise einsatzbereit. Die Motivation sinkt. Fast zur gleichen Zeit mit dem SPD-Politiker Bartels war vor fünf Jahren die CDU-Politikerin Ursula von der Leyen in ihr Amt als Verteidigungsministerin gekommen. Sie hatte versucht, ihre Ambitionen auf eine Kanzlerschaft durch Höchstleistungen in einem Haus zu untermauern, das politisch als schwer bis gar nicht beherrschbar gilt. Mit großer Verve verfolgte sie einen Kurswechsel in der Bundeswehr: mehr Geld, mehr Personal und vor allem modernes Gerät und eine einsatzfähige IT-Ausstattung. Sogar ein neuer Organisationsbereich wurde geschaffen, das Cyberkommando (CIR).

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