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Bundeswehr-Kommentar : Gefallen

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Worauf dürfen deutsche Bundeswehrangehörige stolz sein? Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen in der Emmich-Cambrai-Kaserne in Hannover, die künftig Hauptfeldwebel-Lagenstein-Kaserne heißen wird. Bild: dpa

Es ist unstrittig, dass der gefallene Afghanistansoldat Tobias Langenstein ein ehrenwerter Namensgeber für eine Kaserne ist. Und doch hat der Wehrbeauftragte Bartels recht: Nur mit ruhigem Abwägen ist es möglich zu bewerten, worauf wir stolz sein können und worauf nicht.

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          Würde es sich bei der am Mittwoch in Hannover nach einem Bundeswehrsoldaten benannten Kaserne um einen Neubau handeln, wäre die politische Bewertung eine eindeutige Sache. Der Namensgeber, Tobias Langenstein, war 2011 als Feldjäger in Afghanistan gefallen. Er hat, wie seine Kameraden, der Armee eines demokratischen Staates gedient, die nur mit Zustimmung des vom ganzen Volk gewählten Bundestages in den Auslandseinsatz geschickt werden darf. Er hat seinen Beitrag dazu geleistet – wie es der einstige Verteidigungsminister Peter Struck formuliert hat –, Deutschlands Sicherheit am Hindukusch zu verteidigen. Er hat sein Leben dafür eingesetzt – und es verloren.

          Doch die Kaserne ist kein Neubau. Sie hatte schon einen Namen. Sie war bis zum Mittwoch, dem Tag, an dem Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen den neuen Traditionserlass der Bundeswehr unterschrieb, zwar nicht nach einem Soldaten aus der Zeit des Nationalsozialismus benannt, aber nach einem deutschen General, der im Ersten Weltkrieg am Krieg Deutschlands gegen seine Nachbarn beteiligt war, nach Otto von Emmich.

          Wohltuende Worte von Hans-Peter Bartels

          Die Benennung einer Kaserne ist die konkrete und weithin sichtbare Form, eine Person für ihre Leistung zu ehren. Das sollte jemand sein, auf dessen Taten die Mehrheit eines Gemeinwesens stolz ist oder sein kann. Damit ist klar, dass Berufungen auf die Wehrmacht höchst problematisch sind. Dennoch hatte Ministerin von der Leyen überzogen, als sie im vergangenen Jahr der gesamten Bundeswehr ein Haltungsproblem unterstellte, weil sie Wehrmachtsdevotionalien an einem Bundeswehrstandort zu sehen bekommen und der Fall des Oberleutnants Franco A. bei einigen den Verdacht genährt hatte, es könne rechtsextreme Zellen in der Truppe geben. Viele Bundeswehrsoldaten fühlten sich von der Ministerin unter Generalverdacht gestellt. Verständlicherweise.

          Daher waren es wohltuende Worte, die der sozialdemokratische Wehrbeauftragte Hans-Peter Bartels am Mittwoch sprach. Es sei besser, historische Gegenstände einzuordnen, als alle wegzuräumen, sagte Bartels. Es gebe schließlich immer Grenzfälle, in denen die historische Forschung nicht absolut eindeutig sei. Er hat recht: Nur mit ruhigem Abwägen ist es möglich zu bewerten, worauf wir stolz sein können und worauf nicht.

          Eckart Lohse

          Leiter der Parlamentsredaktion in Berlin.

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