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Teures Hubschraubergeschäft : Harte Landung

  • -Aktualisiert am

Transporthubschrauber CH-53 im Einsatz über Afghanistan Bild: picture-alliance/ dpa

Zwei Generale vereinbarten ein riesiges Tauschgeschäft. Ihr Hubschrauber-Deal sollte angeblich nichts kosten. Jetzt ermittelt der Bundesrechnungshof.

          Es war eine erstaunliche Antwort, die Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen ihrem amerikanischen Kollegen Chuck Hagel Mitte Juni gegeben hat. Der Pentagonchef wollte wissen, ob Deutschland wegen der russischen Invasion in der Ukraine seine Verteidigungsausgaben erhöhen werde. Von der Leyen erwiderte, es gehe nicht darum, wie viel Geld man ausgebe, sondern eher darum, wofür man es ausgebe. Das hörte sich an, als könnten die Verbündeten beim Umgang mit Geld von den Deutschen noch etwas lernen. Dabei ist die Bundeswehr ein Hort der Verschwendung. Das stellt auch der Bundesrechnungshof immer wieder fest. Seit kurzem ermittelt er wieder.

          Der Grund: Zwei Generale vereinbarten vor vier Jahren einen Tausch. Die Luftwaffe sollte die vier Jahrzehnte alten Transporthubschrauber des Heeres vom Typ CH-53 übernehmen und im Gegenzug ihre nagelneuen Helikopter vom Typ NH90 an das Heer abgeben. Dieser Transporthubschrauber ist kleiner als die CH-53, kann weniger Personen und Material transportieren. Wegen zahlreicher technischer Mängel ist er für die Bundeswehr seit Jahren ein teures Ärgernis. Noch immer hat es der Hersteller nicht vermocht, eine Maschine zu liefern, die alle von der Bundeswehr geforderten Kriterien erfüllt.

          Für das Heer oder die Luftwaffe?

          Die CH-53 wurde seit ihrer Einführung in die Bundeswehr 1974 vom Heer betrieben. Sie gilt als zuverlässiger, robuster Hubschrauber. Doch Heeresinspekteur Werner Freers wollte Geld sparen. Er baute darauf, dass der neue NH90 im Unterhalt günstiger sei als die alte CH-53. Der heute pensionierte Luftwaffeninspekteur Aarne Kreuzinger-Janik hingegen sah vor allem die Chance, neben Kampf- und Transportflugzeugen endlich auch einen großen Hubschrauber in der Luftwaffe betreiben zu können. Das würde, so lautete seine Überlegung, die Bedeutung der Luftwaffe in der Bundeswehr erhöhen, etwa bei Auslandseinsätzen. Dort werden zum Transport von Soldaten und Ausrüstung dringend Hubschrauber benötigt. Kampfflugzeuge aber, welche die Luftwaffe in großer Zahl besitzt, spielen für die Bundeswehr in Afghanistan oder im Kosovo keine Rolle. Offiziell haben Freers und Kreuzinger-Janik diese Begründung nie geäußert. Aber ranghohe Offiziere der Heeresflieger haben es nach Informationen der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung im internen Kreis wiederholt so dargestellt.

          Im Sommer 2010 trat die Vereinbarung von Heer und Luftwaffe in Kraft, von den Militärs intern Fähigkeitstransfer genannt. Eine Zustimmung des Bundestags war nicht erforderlich. Freers und Kreuzinger-Janik setzten die Fachpolitiker des Parlaments jedoch in Kenntnis und warben für die Abmachung. Einer der damaligen Obleute im Verteidigungsausschuss erinnert sich, dass die Generale ihre Entscheidung so begründeten: Die CH-53 sei ein Hubschrauber für den Lufttransport auf langen Strecken, für den die Luftwaffe zuständig sei. Der NH90 hingegen eigne sich eher für den kurzen Lufteinsatz, der wiederum dem Heer obliege. Das war konstruiert. Die CH-53 wurde schon 40 Jahre lang im Heer als Lufttransportmittel für kurze und lange Strecken bis 1.200 Kilometer eingesetzt. Der NH90 eignet sich ebenfalls für beides. Die damalige verteidigungspolitische Sprecherin der FDP Elke Hoff sagt, sie habe den beiden Generalen die Begründung nicht abgenommen. „Was sie äußerten, war für mich nicht schlüssig.“

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