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F.A.Z. exklusiv : Bundeswehr hat Defizite bei Abwehr von Drohnen

Kein Sieg mehr ohne sie: Aserbaidschan erzielte die Erfolge beim Nagornyj Karabach vor allem durch Drohnen, wie hier die türkische Bayraktar TB2. Bild: AFP

Das Fehlen bewaffneter Drohnen und einer Drohnenabwehr hat größere Auswirkungen auf die Kampf- und Verteidigungsfähigkeit der Bundeswehr als bislang angenommen. Das geht aus einer Analyse des Verteidigungsministeriums hervor.

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          Das Fehlen bewaffneter Drohnen hat offenbar größere Auswirkungen auf die Kampf- und Verteidigungsfähigkeit der Bundeswehr als bislang angenommen. In einer vorläufigen militärischen Bewertung des Kriegs um Nagornyj Karabach im vergangenen Herbst schreibt das Verteidigungsministerium, dass Aserbaidschan seinen Erfolg „erheblich“ dem wirkungsvollen Verbund von bewaffneten und unbewaffneten Drohnen zu verdanken habe. In einer Antwort auf eine Anfrage der FDP heißt es außerdem: „Dieser Erfolg wurde durch die fehlenden Möglichkeiten zur Drohnenabwehr seitens Armenien noch verstärkt.“

          Peter Carstens

          Politischer Korrespondent in Berlin

          Aserbaidschan wurde in dem Krieg im Herbst des vergangenen Jahres von der Türkei unterstützt, die stark in die Kriegsführung mit Drohnen investiert. Neben türkischen Bayraktar-TB2-Fluggeräten, die bis zu 24 Stunden in der Luft bleiben können, wurden israelische „Harop“-Drohnen genutzt, die ebenfalls stundenlang über Zielen kreisen und diese beobachten können. Die preiswerten „Kamikaze“-Drohnen werden von Lastwagen aus abgefeuert. Es gelang unter anderem durch den Einsatz von Drohnen, armenische Stellungen auszuschalten, nach Medienberichten wurden allein 185 armenische Kampfpanzer zerstört.

          Nach Einschätzung der Bundeswehr werden Aufklärungsdrohnen und bewaffnete Drohnen, über die sie nach dem gegenwärtigen Willen der SPD-Fraktion nicht verfügen darf, „in bedeutendem Maße die Fähigkeit zur modernen Operationsführung beeinflussen“.

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          In Berichten über das Kriegsgeschehen um Nagornyj Karabach ist zu lesen, dass Drohnen, die über den Stellungen der Armenier kreisten, zudem für Panik unter den wehrlosen Soldaten gesorgt hätten. Hierzu schreibt das Verteidigungsministerium in seiner Antwort: „Die Bedeutung zeitgemäßer Fähigkeiten zur Luftverteidigung, auch mit Blick auf Drohnen, ist dem BMVg bekannt.“ Fähigkeiten zur Drohnenabwehr stünden „daher aktuell im Fokus der ministeriellen Betrachtung“.

          Kritik an Haltung der SPD

          Aus Sicht der FDP ergibt sich daraus, dass die Bundeswehr kaum über Abwehrfähigkeiten gegen Drohnen verfügt. Ihr Obmann im Verteidigungsausschuss, Alexander Müller, sagte: „Die Antwort zeigt eine enorme Fähigkeitslücke bei der Drohnenabwehr und beim möglichen Einsatz bewaffneter Drohnen zum Schutz unserer Soldatinnen und Soldaten auf.“ Müller forderte die SPD auf, den Widerstand gegen die Bewaffnung von Drohnen aufzugeben.

          „Die Bundesregierung muss sofort in die Beschaffung von Abwehrsystemen eintreten und die SPD endlich auf ihre Fachleute wie Hans-Peter Bartels, Fritz Felgentreu und Eva Högl hören, die alle empfehlen, die Blockade bei der Bewaffnung von Drohnen zu beenden. Wir können es uns nicht leisten, in künftigen Konflikten mit den Mitteln des letzten Jahrhunderts zu arbeiten!“

          Die SPD-Verteidigungspolitikerin Siemtje Möller verteidigte die Haltung ihrer Partei, warb aber für die Beschaffung von geeigneter Luftverteidigung. Sie sagte: „Zugleich wird durch den massiven Drohneneinsatz im Kaukasus deutlich, dass Kriegsführung mit automatisierten Waffensystemen keine Science-Fiction mehr ist, sondern schon heute Realität. Eine Diskussion über mögliche völkerrechtliche Einhegungen solcher Waffensysteme ist deshalb geboten.“ Für die SPD sei die Bewaffnung von Drohnen „ein wichtiges und grundsätzliches Thema“. Der bestmögliche Schutz der Soldatinnen und Soldaten habe Priorität.

          „Gleichwohl“, so Möller, „bestehen in Teilen der Fraktion Zweifel, ob dieser Schutz tatsächlich über den Einsatz bewaffneter Drohnen erfolgen kann oder ob mit diesem Schritt nicht noch größere Gefahren, wie etwa ein entgrenzter Einsatz von Künstlicher Intelligenz, verbunden sind.“ Diese Haltung gelte es zu respektieren und die gewünschte Zeit für die Rücksprache mit der Bevölkerung zu ermöglichen.

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