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Angriffe auf Infrastruktur : „Man kann nicht jeden Strommast schützen“

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Generalleutnant Carsten Breuer, Befehlshaber des Territorialen Führungskommandos, sitzt in seinem Büro. Bild: Annette Riedl/dpa

Jede Umspannstation und jedes Kraftwerk könne attackiert werden, sagt der General, der im Krisenfall lenken soll. Carsten Breuer rechnet mit mehr „hybriden Bedrohungen“.

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          Bundeswehr-General Carsten Breuer hat vor zunehmenden Angriffen auf die Infrastruktur in Deutschland gewarnt. „Jede Umspannstation, jedes Kraftwerk, jede Pipeline kann attackiert werden, kann ein mögliches Ziel sein“, sagte der Befehlshaber des neuen Territorialen Führungskommandos der Bundeswehr der „Bild am Sonntag“. „Wir stellen uns hier im Kommando vor allem auf hybride Bedrohungen ein. Das ist der Zustand zwischen nicht mehr ganz Frieden, aber auch noch nicht richtig Krieg.“

          Hintergrund sei der Angriff Russlands auf die Ukraine und die neue Sicherheitslage in Europa. „Der Krieg Russlands hat dazu geführt, dass unser Schwerpunkt wieder auf der Landes- und Bündnisverteidigung liegt. Dem ganzen Land ist klar geworden: Krieg in Europa ist wieder möglich.“ Breuer warnte davor, die nuklearen Drohungen aus Russland zu unterschätzen.

          Nadelstiche und andere Einflussnahmen

          Anschläge und Einflussnahmen aus dem Ausland könnten zunehmen. „Es geht hier nicht um eine feindliche Armee mit Soldaten und Panzern, die unser Land angreift“, betonte Breuer. „Aber es gibt Einflussnahmen, mit Anschlägen auf Infrastruktur und mit Cyberangriffen, oder zum Beispiel Aufklärungsflüge mit Drohnen über Kasernen. Also Nadelstiche, die in der Bevölkerung, die bei uns Verunsicherung schüren und das Vertrauen in unseren Staat erschüttern sollen.“ Die Sicherheitsbehörden müssten sich auf diese Bedrohungslage einstellen, sagte Breuer der Zeitung.

          Deutschland müsse „mit seinen Sicherheitsbehörden ein Auge darauf und ein Ohr daran haben, wogegen mögliche Anschläge geplant werden, was die wahrscheinlichsten Szenarien sind.“ Man müsse die begrenzten Kräfte dann gezielt dorthin schicken, denn: „Man kann nicht jeden Strommast schützen.“

          „Verhalten ändern“

          „Hysterie ist ein schlechter Ratgeber“, gab der Bundeswehr-General zu bedenken. Allerdings sollte jedem Bürger klar sein, „dass er sein individuelles Verhalten ändern sollte“ – dazu gehöre zum Beispiel die mentale Einstellung oder auch die Anschaffung einer Taschenlampe und eines Radios mit ausreichend Batterien für zu Hause, also unabhängig von der Stromversorgung aus der Steckdose.

          Das im September aufgestellte und zentral in Berlin angesiedelte Territoriale Führungskommando soll Aufgaben der Bundeswehr im Inland bündeln, die bisher auf mehrere Bereiche verteilt waren. So soll es schnellere Entscheidungen in Krisensituationen ermöglichen.

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