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Suche nach Ersatz für G36 : Das lange Ende eines Sturmgewehrs

Treffsicher? G36-Gewehr von Heckler & Koch im Museum des Waffenherstellers in Oberndorf Bild: dpa

Das G36-Gewehr der Bundeswehr sollte einmal rasch ersetzt werden, weil es Mängel aufwies. Das ist lange her. Der Auswahlprozess für ein neues Gewehr läuft immer noch.

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          Seit mehreren Jahren üben und schießen Soldatinnen und Soldaten mit einem Sturmgewehr, das in der Bundeswehr eigentlich keine Zukunft mehr hatte. So jedenfalls hatte es Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) im April 2015 verkündet, nachdem technische Untersuchungen unter Extrembedingungen Mängel bei der Zielgenauigkeit des G36-Gewehrs attestiert hatten, die bis dahin Hundertausenden Nutzern nicht aufgefallen waren.

          Peter Carstens

          Politischer Korrespondent in Berlin

          Von der Leyen machte sich seinerzeit mit dieser Auffassung zum bewährten G36 in der Truppe weiter unbeliebt. Die kurdischen Peschmerga ließen ausrichten, sie würden sehr gern mit mehr von den G36-Gewehren der Firma Heckler und Koch (H&K) gegen den „Islamischen Staat“ kämpfen. Nach der Ankündigung dauerte es rund zwei Jahre, bis das Verteidigungsministerium Ausschreibungsspezifikationen herausgab.

          Unter den Firmen, die sich mit ihren Sturmgewehren bewarben, schaffte es keine, diese Kriterien zu erfüllen. Einige Bewerber zogen sich zurück. Auf die Forderungen nach Nachbesserungen reagierte H&K im Frühjahr 2018 mit einer umfangreichen Kritik an den Ausschreibungskriterien. Unter anderem wurde das geplante Kaliber der Waffen als zu schwach bemängelt. Unterdessen bestellte Frankreich etwa 100.000 Stück des neueren Sturmgewehrs HK416, Norwegen beschaffte 50.000, das amerikanische Marine Corps rund 15.000 Exemplare einer H&K Waffe, die dem Verteidigungsministerium nicht innovativ genug war.

          Konflikt mit Mitaktionär wegen Personalie

          Stark verzögernd wirkte sich unterdessen ein interner Konflikt bei der Oberndorfer Firma aus, die sich mehrheitlich in Besitz des deutschen Finanzinvestors Andreas Heeschen befand. Heeschen hatte im vorigen Jahr den früheren Generalinspekteur Harald Kujat für den Vorsitz des Aufsichtsrats der Firma gewonnen, sich aber längere Zeit nicht reibungslos mit seinem Mitaktionär, dem französischen Finanzinvestor Nicolas Walewski, einigen können.

          Das Wirtschaftsministerium prüfte dann über einen langen Zeitraum hinweg, ob es der Walewski zugerechneten Luxemburger Holdinggesellschaft Compagnie de Développement de L‘Eau (CDE) gestattet werden könne, das deutsche Spezialunternehmen Heckler und Koch mehrheitlich zu übernehmen. Unter anderem wurde berichtet, der Bundesnachrichtendienst prüfe eventuelle dubiose Hintergründe des Investments. Die Prüfung ist nun abgeschlossen, die CDE darf Anteilsanteile von Heeschen übernehmen und damit eine Aktienmehrheit von rund 60 Prozent.

          Zwei Fragen sind besonders wichtig

          Für die Bundeswehr und Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) ist bei der überfälligen Entscheidung über ein neues Sturmgewehr, neben Qualitätskriterien, zweierlei von Bedeutung: Bliebt es beim Standort Deutschland? Und kann Heckler und Koch mit neuen Eigentümern die zuverlässige Lieferung garantieren, sofern eine Waffe von H&K den Auswahlwettbewerb gewinnt?

          Was den Standort betrifft, so lässt sich den Stellungnahmen sowohl des Wirtschaftsministeriums als auch von H&K entnehmen, dass CDE eine entsprechende Erklärung abgegeben hat. In einer Mitteilung betont Walewski: „H&K ist und bleibt ein deutsches Unternehmen mit Sitz in Oberndorf.“ Das Verteidigungsministerium beantwortete am Montag Fragen nach dem Zeitpunkt der Auswahlentscheidung und Anschaffung ausweichend. „Unser Ziel ist es, das neue Gewehr schnellstmöglich einzuführen“, heißt es. Wegen des laufenden Vergabeverfahrens könnten keine weiteren Angaben gemacht werden. So bleibt der Bundeswehr bis auf weiteres eine bewährte Ordonnanzwaffe, die vor einem Vierteljahrhundert konzipiert wurde.

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