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Gründungstag der Bundeswehr : Gelöbnis am Geburtstag

Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) beim großen öffentlichen Gelöbnis von Bundeswehrsoldaten vor dem Reichstagsgebäude Bild: dpa

Bisher war die Bundeswehr am Jahrestag ihrer Gründung stets auf Zurückhaltung bedacht. In diesem Jahr ist das anders. Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer nennt sie ein „wesentliches Element unserer wehrhaften Demokratie“ und will künftig neue Akzente bei der Ausrüstung setzen.

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          In feierlichem Ernst haben 400 Rekruten der Bundeswehr vor dem Reichstagsgebäude in Berlin ihr Gelöbnis abgelegt. In der Mitte der Hauptstadt und vor dem Parlament gelobten die Frauen und Männer öffentlich, „der Bundesrepublik Deutschland treu zu dienen und das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen“.

          Peter Carstens

          Politischer Korrespondent in Berlin

          Nach einer Begrüßung durch Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrrenbauer, die öffentliche Feiern zum Gründungstag der Bundeswehr initiiert hatte, sprach Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble zu den jungen Leuten. Die waren zuvor in Formation und mit Musikgeleit aufgezogen. Schäuble würdigte ihre Bereitschaft, sich der Verteidigung des Friedens und der Demokratie zu widmen: „Sie müssen nicht, sie können in der Bundeswehr dienen, sie sind freiwillig hier.“ Der Entschluss, das zu tun, sei „ein mutiges Versprechen, denn sie verpflichten sich, notfalls auch zu kämpfen“. Es gebe Situationen, in denen Gewalt nur mit Gewalt zu bekämpfen sei. „Wir wissen, dass wir uns auf unsere Bundeswehr verlassen können. Die Soldatinnen und Soldaten sollten wissen, dass sie sich auch auf das Parlament verlassen können.“ Am Reichstagsgebäude, so Schäuble, stünden die Worte „Dem deutschen Volk – dem dienen Sie und dem dienen wir. Und deshalb begleiten Sie unsere guten Wünsche.“

          Die Bundeswehr wurde bislang an ihrem Gründungstag stets der Zurückhaltung verpflichtet. Den Stolz auf die eigenen Streitkräfte, dem andere Nationen unbeschwerter frönen, relativiert die Erinnerung an die Vergangenheit. Am 12. November 1955, zehn Jahre nach dem verlorenen Krieg, rückten die ersten Rekruten der neuen Streitkräfte in die Kasernen ein. Der Tag liegt nicht zufällig im November, denn er hat seinen symbolischen Grund im Geburtstag des preußischen Generals und Militärreformers Gerhard von Scharnhorst. Er und dann die Männer und Frauen des Widerstands vom 20. Juli 1944 begründeten das Traditionsverständnis der Bundeswehr.

          Nach den „entsetzlichen Verirrungen“ der Vergangenheit, so Schäuble, trete diese Bundeswehr für Frieden und Demokratie, für Einigkeit und Recht und Freiheit ein. Für deren Einsatz bedürfte es der Zustimmung des Parlaments, und dort würden „die Entscheidungen niemals leichtfertig getroffen“, versprach er den jungen Männern und Frauen vor dem Reichstagsgebäude und der ganzen Bundeswehr. Verteidigungsministerin Kramp-Karrenbauer warb dafür, an diesem und den künftigen Gründungstagen der Bundeswehr öffentlich zu bekunden: „Die Bundeswehr ist ein unverzichtbarer Teil unserer Gesellschaft“. Sie sei eine Parlamentsarmee, „sie wird es bleiben“, als ein „wesentliches Element unserer wehrhaften Demokratie“, stets im Geiste und im Auftrag unseres Grundgesetzes, so die Ministerin, die allerdings deutlich gemacht hat, dass sie neue Akzente setzen will, sowohl was die Ausrüstung der Streitkräfte betrifft, als auch die Bereitschaft, sie gegebenenfalls einzusetzen. Weil das vorhersehbarerweise nicht jedem gefällt, hatte die Berliner Polizei das Areal rund um den Bundestag weiträumig abgesperrt, was zu einem Zusammenbruch des an Zusammenbrüchen reichen Morgenverkehrs in der Berliner Innenstadt führte.

          Die Bundeswehr ist allerdings mit den öffentlichen Gelöbnissen noch weit entfernt von dem, was in anderen Ländern üblich ist. So feiert Russland nach wie vor Siegesparaden im Mai und den „Tag der Verteidiger des Vaterlandes“, Großbritannien präsentiert dem Königshaus die Truppe meist im Juni und Frankreich feiert seine Streitkräfte jedes Jahr mit einer sommerlichen 14.-Juli-Parade auf den Champs Élysées mit einem Pomp, der sogar den amerikanischen Präsidenten beeindruckte.

          „Augen rechts“: Rekruten der Bundeswehr beim öffentlichen Gelöbnis vor dem Reichstagsgebäude

          Dem schriftlichen Aufruf Kramp-Karrenbauers an die Ministerpräsidenten, den Gründungstag der Bundeswehr mit einem Gelöbnis zu feiern, sind mehrere Länder gefolgt. So traten auch in Mecklenburg, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Rheinland-Pfalz Rekruten an. Auch in München und anderswo soll es etwas Feierliches geben, in Sachsen einen Empfang und in Saarlouis eine Fahnenband-Verleihung. Die Resonanz auf ihre Anregung sei, so schmeichelte Kramp-Karrenbauer sich selbst, „umfassend und positiv“ gewesen. Es sei, hieß es aus ihrem Ministerium, „ein großartiges und starkes Symbol“. Und warum nicht überall? Auch dafür hat das Ministerium eine Erklärung: Aufgrund des bestehenden Ausbildungszyklus stünden „in den weiteren Bundesländern in diesem Quartal keine Rekrutinnen und Rekruten zur Ableistung des Diensteides an“.

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