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Bundeswehr : Eine Armee voller Grüner?

  • -Aktualisiert am

Grüne in der Bundeswehr - ein Widerspruch? Bild: F.A.Z. - FOTO DIETER RUECHEL

Noch immer sind nur wenige Grüne bei der Bundeswehr. Dabei hat sich die Partei der Pazifisten längst gewandelt: Wettrüsten, Friedensbewegung, Pazifismus - das sind auch bei ihnen Begriffe aus der Mottenkiste. Von Oliver Hoischen.

          So einen wie Hanno Ohletz muss man bei den Grünen noch immer lange suchen: Er ist im Kreisverband Münster aktiv und hat doch vor vier Jahren erst seinen Wehrdienst geleistet, brachte es als Sanitätssoldat artig bis zum Obergefreiten, wurde am Sturmgewehr G36 ausgebildet und an der Pistole P9 und bewachte während des Irak-Kriegs sogar eine amerikanische Kaserne in Schweinfurt. „Ich hatte immer Interesse an der Bundeswehr. Schon als Junge hat es mich fasziniert, im Fernsehen den britischen Soldaten zuzuschauen, wie sie zum Geburtstag der Queen durch London marschierten“, sagt der 24 Jahre alte Lehramtsstudent.

          Nicht einen Moment habe er daran gedacht, den Wehrdienst zu verweigern - obwohl auch sein Vater ein Grüner ist und beide Brüder nicht gedient haben. „Die ganze Familie ist neugierig zu meinem Gelöbnis erschienen, mein Vater hat sich sogar in Uniform fotografieren lassen“, erinnert er sich.

          „Wer geht denn da noch zur Bundeswehr?“

          Grüne in der Bundeswehr? Das scheint noch immer ein Widerspruch in sich zu sein. Dabei sind die Zeiten des Kalten Krieges lange vorbei, die Aufgaben der deutschen Streitkräfte haben sich völlig gewandelt - und die Grünen mit. Wettrüsten, Friedensbewegung, Pazifismus - das sind auch bei ihnen Begriffe aus der Mottenkiste, die manch junges Mitglied nur noch aus dem Geschichtsunterricht kennt. Schließlich hatte es in der Partei nach Bosnien und Srebrenica einen schmerzvollen Umdenkungsprozess gegeben, für den nicht zuletzt der Name Joschka Fischer stand. Viele Grüne sind seitdem regelrecht konvertiert, sie sehnen militärische Einsätze geradezu herbei, etwa in Darfur. Wie Umfragen ergaben, finden sich ausgerechnet unter den Anhängern der Grünen die meisten Befürworter von Auslandseinsätzen der Bundeswehr.

          Daraus aber Konsequenzen für den eigenen Lebenslauf oder die eigene Berufswahl zu ziehen liegt den jungen Grünen fern. „Schauen Sie sich einmal eine Abiturklasse an: Wer geht denn da noch zur Bundeswehr?“, fragt Ralf Fücks, Vorstand der grünennahen Heinrich-Böll-Stiftung. Gerade in den bildungsbürgerlichen Milieus, aus denen viele Grüne kommen, leisteten die jungen Männer noch immer lieber Zivildienst - wenn überhaupt. Das sei also keine grüne Besonderheit, sondern ein kulturelles Phänomen. Fücks gibt aber zu: Grüne rieben sich eher an der Binnenkultur einer Armee, sie lehnten Befehl und Gehorsam, Drill und Kasernierung ab, stattdessen hielten sie Werte hoch wie Selbstbestimmung und Widerspruchsgeist.

          Schon Ende der neunziger Jahre rief der Altgrüne Fücks „Menschen mit demokratischer Grundhaltung“ dazu auf, Soldat zu werden - und fände es noch immer „wünschenswert, wenn gerade junge Leute mit grünen Sympathien zur Bundeswehr gingen - dezidierte Demokraten, die internationalistisch eingestellt sind, für die Menschenrechte ein hohes Gut sind und die das Militär nicht mit Militarismus verwechseln“. Dabei ist es Fücks wichtig festzustellen, dass er einst selbst den Wehrdienst verweigert hat und darum keine Ratschläge geben dürfe.

          Grüne sind eher im Auswärtigen Amt

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