https://www.faz.net/-gpf-9o2l9
Bildbeschreibung einblenden

Bundeswehr erweitert Flotte : Neues Allzweck-Schiff als Sparmaßnahme

Die Erste ihrer Art: die Fregatte „Baden-Württemberg“ Bild: dpa

Die Marine stellt ihre neue Fregatte der F-125-Klasse vor. Sie soll wartungsärmer sein – und mit deutlich weniger Personal fahren können. Doch an dem Konzept gibt es bereits Zweifel.

          Die Marine stellt an diesem Montag die erste Fregatte der modernen F-125-Klasse in Dienst. Damit bekommen die Streitkräfte ein Allzweck-Schiff, das unter anderem bis zu zwei Jahre in einem auswärtigen Seegebiet stationiert sein kann, ohne eine Werft aufzusuchen. Die neuen Fregatten dieser Klasse wurden vor allem für friedenserhaltende Missionen und Überwachungsaufgaben fernab der heimischen Gewässer konzipiert.

          Peter Carstens

          Politischer Korrespondent in Berlin

          Sie werden die ersten Schiffe dieser Größe sein, die nicht mehr mit einer festen Besatzung fahren, sondern mit rotierendem Personal betrieben werden. Auch das soll künftig langwierige Hin- und Herfahrten zwischen den Einsatzgebieten und dem Heimathafen zumindest teilweise ersparen. Zudem wurde an Bord des Schiffes für etwas größeren Komfort gesorgt, um das enge Nebeneinander der Besatzung über Monate erträglicher zu machen.

          Angepasst an Personalmangel

          Neben Duschen für jede Kammer gehören Internetverbindungen überall an Bord zum Standard. Auf dem Schiff werden künftig 120 Seeleute und Offiziere tätig sein. Das entspricht etwa der Hälfte einer bisherigen Fregatten-Besatzung und ermöglicht es, auch in Zeiten des Personalmangels bei der Bundeswehr, künftig solche Schiffe zu betreiben.

          Allerdings hatte der Rechnungshof kürzlich in einem Bericht moniert, dass es die Marine versäumt habe, die nötigen Ausbildungskapazitäten für die Wechselbesatzungen zu schaffen. So schrieb die Prüfbehörde: „Obwohl die F 125 nun in den Jahren 2019 und 2020 – und damit etwa fünf Jahre später als geplant – zulaufen, steht mindestens für die ersten acht Jahre der Nutzung kein Einsatzausbildungszentrum für die neuen Fregatten zur Verfügung. (...) Ohne Einsatzausbildungszentrum kann die Marine die F 125 nicht wie geplant einsetzen.“

          Nach Auffassung des Rechnungshofs könnte das dazu führen, dass die Fregatten zehn Jahre lang nicht so genutzt werden, wie eigentlich vorgesehen. Das Ministerium hat die Versäumnisse zugegeben, dennoch ist die Marine wohl froh, endlich die Schiffe zu bekommen.

          Drei weitere Fregatten sollen folgen

          Das erste der neuen Schiffe trägt den Namen „Baden-Württemberg“ und wird nach Angaben der Marine das modernste Schiff der kleinen deutschen Flotte sein, unter anderem wegen seiner angeblichen Wartungsarmut, die lange Abwesenheiten von heimischen Docks erlaubt.

          Drei weitere Fregatten sollen folgen, die nächste mit dem Namen „Nordrhein-Westfalen“ ist bereits in der Erprobung auf See und kommt in den nächsten Monaten in Dienst. Die Gesamtkosten für die vier Schiffe belaufen sich auf etwas mehr als drei Milliarden Euro.

          Am Konzept der F-125-Klasse gibt es inzwischen unter veränderten geopolitischen Bedingungen allerdings auch gewisse Zweifel. So schreibt die Marine der „Baden-Württemberg“ zwar „die Fähigkeiten zur weitreichenden taktischen Feuerunterstützung von Heereskräften an Land sowie zur Abwehr asymmetrischer Bedrohungen“ zu und weist auf einsatzfähige Speedboote und einschiffbare Hubschrauber hin.

          Doch bereits im Namen „Mehrzweckkampfschiff“ der noch nicht bestellten und erst in etlichen Jahren lieferbaren Nachfolgegeneration steht geschrieben, was bei der neuen 125er Klasse zumindest beschränkt wird, wenn nicht zu kurz kommt: die Fähigkeit zum Kampf in kriegerischer Auseinandersetzung. Geschütze mit einer vergleichsweise geringen Reichweite und Einschränkungen bei der Abwehr angreifender Flugzeuge oder Raketen gehören zu diesen möglichen Grenzen der Fähigkeiten.

          Die „Baden-Württemberg“, vor acht Jahren auf Kiel gelegt, war eigentlich bereits vor etwa zwei Jahren baufertig. Wegen erheblicher Mängel war das 149 Meter lange und 19 Meter breite Schiff nach einer ersten Übergabe Ende 2017 an die Herstellerwerften von Thyssen-Krupp Marine und Lürssen wieder zurückgegeben worden.

          Weitere Themen

          Conway sorgt für nächsten Eklat Video-Seite öffnen

          Trump-Beraterin : Conway sorgt für nächsten Eklat

          Die Seniorberaterin des Weißen Hauses, Kellyanne Conway, verteidigt den amerikanischen Präsidenten auf denkwürdige Weise. Während einer Pressekonferenz fragt sie einen der Reporter nach seiner ethnischen Herkunft, um Trumps Äußerungen zu verteidigen.

          Topmeldungen

          Konkurrenz lauert : Herbe Enttäuschung von Netflix

          Der Videodienst gewinnt weniger Kunden als erwartet. Auf seinem Heimatmarkt schrumpfen die Abonnentenzahlen sogar. Die Aktie verliert deutlich an Wert, denn die Sorgen werden auch in Zukunft nicht weniger.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.