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Bundeswehr-Admiral Krause : Ein Anti-Habeck in Uniform

Andreas Krause, Vizeadmiral und Inspekteur der Marine, am 11. Mai 2017 in Hamburg an Bord der Fregatte „Nordrhein-Westfalen“ Bild: Picture-Alliance

Politiker sind schon lange auf Twitter präsent. Ranghohe Bundeswehroffiziere aber suchte man dort bislang vergebens. Den Eisbrecher macht nun der Marineinspekteur.

          Deutsche Politiker und ranghohe Bundeswehroffiziere haben mit Blick auf ihr Anforderungsprofil meist wenig gemeinsam; sieht man einmal davon ab, dass beide unserem Land dienen sollen. Besonders stark treten die Unterschiede zwischen ihnen auf Twitter zutage. Für die einen ist eine Präsenz im Kurznachrichtendienst inzwischen so gut wie zur Pflicht geworden. Die anderen sind dort nur privat unterwegs oder aber meiden ihn gleich ganz – so wie ein Infanterist den Faustkampf mit einem schweren Kampfpanzer. Dass mit dem Grünen-Vorsitzenden Robert Habeck ein Spitzenpolitiker diese Regel gebrochen und seinen Rückzug von Twitter verkündet hat, um dort nicht länger den niederen Versuchungen von Polemik, Häme und Falschaussagen zu erliegen, ist hinlänglich bekannt.

          Von der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen wurde indes, dass mit Vizeadmiral Andreas Krause einer der ranghöchsten Bundeswehroffiziere inzwischen auf Twitter aufgetaucht ist, und damit sozusagen den Anti-Habeck gibt. Die Rolle des Eisbrechers nahm der Marineinspekteur schon häufiger wahr. Nach dem Ende des Libanonkrieges 2006 baute Krause als erster Kommandeur die maritime Komponente der Interimstruppe der Vereinten Nationen im Libanon (Unifil) auf.

          Bekanntheit erlangte er in der schwierigen Anfangszeit damals mit seiner demonstrativen Gelassenheit angesichts von aggressiven Flugmanövern israelischer Kampfflugzeuge gegenüber deutschen Einheiten. Geholfen haben mag ihm da bereits seine langjährige Erfahrung in der deutschen U-Bootflottille. Seine Zeit als Kommandant erlebte er an Bord während der letzten Jahre des Ost-West-Konfliktes. Zudem stammt Krause wie übrigens auch Habeck aus Lübeck, das damals noch an der innerdeutschen Grenze lag und damit quasi Frontstadt war.

          Nach seiner Zeit bei Unifil und als Kommandeur der Einsatzflottille 1, betraute Krause das Verteidigungsministerium abermals mit einer Pionieraufgabe. In Kiel oblag es ihm, das Nato-Expertenzentrum für Operationen in Randmeeren und Küstengewässern aufzubauen. Seit 2016 steht Krause inzwischen an der Spitze der kleinsten deutschen Teilstreitkraft, die bei den vergangenen Reformen stark geschrumpft ist und unter den strukturellen Schwierigkeiten der Bundeswehr von Nachwuchsproblemen bis zur desaströsen Einsatzbereitschaft vieler Waffensysteme zu leiden hat.

          Kein Platz für langweilige Behördensprache

          Beachtung fand im vergangenen Jahr vor allem die Tatsache, dass zwischenzeitlich kein einziges U-Boot mehr zur See fahren konnte sowie der Umstand, dass mit dem ehemaligen Kommandeur des 2. Fregattengeschwaders einem schon recht hoch in der Hierarchie der Seestreitkräfte stehenden Offizier bei seiner Abschiedsrede in Wilhelmshaven angesichts der aktuellen Lage der Kragen platzte.

          Solche Ausbrüche sind von Krause auf Twitter nicht zu erwarten. Mit einer Mischung aus aktuellen Informationen und nüchtern formulierter Kritik hat er in Fachkreisen bereits Applaus für seinen Auftritt auf Twitter erhalten. Zugleich vermeidet er es bislang, in langweilige Behördensprache zu verfallen. Laut Auskunft der Marine wird der Account auch tatsächlich ausschließlich nur von Krause selbst und seinem Sprecher betrieben. Er sei des neuen Kommunikationskonzeptes, an dem der Marineinspekteur bereits kurz nach seiner Beförderung habe arbeiten lassen. Die Genehmigung zu twittern erteilte das Verteidigungsministerium dann vor ein paar Monaten. „Das Verharren in liebgewordenen Prozessen und Strukturen behindert uns“, schrieb Krause noch am Donnerstag. Mit seinem Twitteraccount ist er daraus ausgebrochen. Ob ihm weitere ranghohe Offiziere bald folgen werden, bleibt abzuwarten.

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