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Premiere bei der Bundeswehr : 15.000 Soldaten gegen die Pandemie

Unter Tage: Sauerstoffvorräte der Bundeswehr in Blankenburg im Harz Bild: AFP

Ein Einsatzkontingent der Bundeswehr soll helfen, die Folgen des Coronavirus in Deutschland einzudämmen. Doch auch die größte Inlandsmission der Bundeswehrgeschichte stößt an natürliche Grenzen.

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          Katastrophen in Deutschland sind von jeher Zeiten, in denen die Bundeswehr glänzt. Egal, wie schlecht die Materiallage oder wie groß die Skepsis der Bürger gegenüber gefährlichen Auslandseinsätzen ist – wenn Sturm, Schnee, Hochwasser oder wie jetzt eine Pandemie die Republik bedrohen, werden selbst eingefleischte Anti-Militaristen für kurze Zeit zu Streitkräfte-Sympathisanten.

          Dass die Bundeswehr „liefern“ kann, wenn sie um Katastrophenhilfe ersucht wird, hat sie in den 65 Jahren ihres Bestehens schon oft genug bewiesen. Und das, obwohl sie Katastropheneinsätze von jeher aus dem Stand bewältigt. Denn eigene Kräfte und Mittel hält die Bundeswehr für solche Lagen nicht vor. Schließlich liegt ihr Schwerpunkt auf der Landes- und Bündnisverteidigung sowie auf Auslandseinsätzen, die sicherheitspolitische Gefahren von Deutschland fern halten sollen.

          Insofern ist die 15.000 Soldaten starke Truppe, die die Bundeswehr gerade aufstellt, genau das, was der Nationale Befehlshaber, Generalleutnant Marin Schelleis, am Dienstag in einer Videobotschaft über sie sagte: Eine Premiere. Denn mit ihr wird erstmals ein Kontingent schon „im Vorgriff auf mögliche Hilfeleistung in Deutschland aufgestellt“, und das „flächendeckend, mit eigener Führungsstruktur, speziell geschnürten Fähigkeiten.“

          Wie die federführende Streitkräftebasis – die Schelleis führt und die nach dem Heer den zweitgrößten Organisationsbereich innerhalb der Bundeswehr darstellt – am Mittwoch mitteilte, werden unter ihrem Kommando zunächst vier regionale Führungsstellen eingerichtet, um „schnell und verzugslos“ helfen zu können. Sie sollen in wenigen Tagen einsatzbereit sein. Ferner plane man, Umschlags- und Verteilerpunkte für benötigtes Material zu errichten und so zu betreiben, dass man auch dann einsatzfähig bleibe, wenn sich die Situation angesichts weiter steigender Infektionszahlen weiter verschärfen sollte. Das Ziel sei es, sämtliche Unterstützungsgesuche der zuständigen Behörden zu erfüllen, solange geeignetes Personal und Material in der Bundeswehr dazu vorhanden seien.

          Wer will, kann aus den Zeilen trotz der Ambitionen mit dem Corona-Kontingent einige Einschränkungen herauslesen. Die Vorräte an Masken, Schutzanzügen und Laborkapazitäten sind auch in der Bundeswehr endlich. Und die Wege, über die zum Teil die Anfragen in den vergangenen Tagen und Wochen erreichten, scheinen mitunter ungeordnet gewesen zu sein.

          Dabei besteht eigentlich ein bundesweites Netz bis hinunter auf Kreisebene, wo neben aktiven Soldaten Reservisten bei Bedarf als Ansprechpartner zur Verfügung stehen. Die Streitkräftebasis selbst beschreibt das Spektrum der bis dato ihr vorliegenden 250 Unterstützungsanfragen aus allen Bundesländern als „breit gefächert“. 70 davon seien bereits abgearbeitet worden. Gefragt gewesen seien bislang vor allem die Laborkapazitäten der Bundeswehr, Schutzkleidung und Lagerraum, aber zum Teil auch einfach Helfer, die Einkäufe für Bedürftige erledigen oder Teststationen betreiben können.

          Wie groß die Herausforderung ist, vor der das nun in Aufstellung befindliche Bundeswehrkontingent in den kommenden Wochen, vielleicht auch Monaten stehen wird, ließ der Wehrbeauftragte des Bundestages, Hans-Peter Bartels, im Gespräch mit der „Augsburger Allgemeinen“ mit Blick auf den Umfang der Truppe durchblicken:  „Dieses Kontingent kann ausgeweitet werden.“

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